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Gerhard Schröders Frau Soyeon Schröder-Kim vermarktet NRW in Korea

Soyeon Schröder-Kim vermarktet NRW in Korea : „Ich bin nicht das Anhängsel des Altkanzlers“

Leidenschaftlich, charmant, erfolgreich. Soyeon Schröder-Kim repräsentiert NRW in Südkorea. Aber wer ist die Frau des Ex-Kanzlers? Ein Gespräch über die Liebe der Koreaner zu Deutschland und das politische Alphatier an ihrer Seite.

Vom Esszimmer der schmucken Penthouse-Wohnung am Berliner Tiergarten schaut Soyeon Schröder-Kim in den Garten ihres Chefs. Denn gleich gegenüber der Neubauwohnung des Ehepaars Schröder liegt die nordrhein-westfälische Landesvertretung. Hausherr ist CDU-Ministerpräsident Armin Laschet. Und Soyeon Schröder-Kim, seit Mai 2018 Ehefrau Nummer fünf von Altbundeskanzler Gerhard Schröder, arbeitet für NRW Invest, der landeseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

„Unsere Botschafterin in Südkorea“, hatte Laschet die Koreanerin vor einigen Monaten bei einer Feierstunde für den früheren RAG-Stiftungschef und Schröder-Freund Werner Müller in der Düsseldorfer Staatskanzlei begrüßt. Und das mit der Botschaft trifft es ganz gut. Die 48-jährige Dolmetscherin wirbt im Gespräch leidenschaftlich und wortreich für das Land an Rhein und Ruhr, das sie seit 2011 in Südkorea repräsentiert. Gefragt nach den Vorzügen sprudelt es nur so aus ihr heraus: „Industriekompetenz“, „bestes Forschungsnetzwerk“, „starke Unternehmen“. Schröder-Kim schwärmt vom Fraunhofer-Institut, dem westfälischen Technologie-Netzwerk „It’s OWL“ und der RWTH Aachen - Institutionen, die ein „echtes Pfund“ im Ausland seien, so Schröder-Kim. Die hochgewachsene Frau mit den pechschwarzen Haaren und dem ansteckenden Lachen erzählt und erzählt, die Kaffeemaschine, die sie eigentlich anstellen wollte, bleibt kalt. „Diese Nähe zur Technologieforschung ist genau das, was koreanische mittelständische Unternehmen benötigen“, sagt sie. Vom Strukturwandel in NRW könne auch das industriell-geprägte Südkorea viel lernen.

Die Wirtschaftsregion Sudogwon (rund um die Hauptstadt Seoul) mit ihren 25 Millionen Einwohnern und Nordrhein-Westfalen mit seinen 18 Millionen Einwohnern haben viel gemeinsam. Beide gehören zu den bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich stärksten Regionen der Welt. Beide begründen ihren Wohlstand auf klassischer Industrieproduktion, beide müssen sich jetzt im digitalen Wandel neu erfinden. „Den Weltmarkt erobern die koreanischen Mittelständler aber nur mit Spitzentechnologie und Qualität“, sagt Schröder-Kim. Das würde NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart wohl auch so ausdrücken. Den Kostenwettbewerb mit Produktionsstandorten in China oder Osteuropa könne Korea genauso wenig gewinnen wie Deutschland, ergänzt die 48-Jährige. Wenn „Made in China“ oder „Made in Osteuropa“ bei der Produktion gelte, dann müsse NRW eben den Claim „Technologie made in NRW“ etablieren, sagt Schröder-Kim. Auch die weichen Standortfaktoren im Rheinland haben es ihr angetan. Sie schwärmt vom „Naturschatz Rhein“ und dem „Kulturgut Karneval“. Dass Bayern im Ausland deutlich präsenter und selbstbewusster auftritt als NRW und sein populäres Oktoberfest geschickt als Imageträger nutzt, ärgert die Koreanerin im Dienste Nordrhein-Westfalens. „NRW hat doch viel mehr zu bieten.“ Das Land mache zu wenig aus seinen Stärken. „Und der Karneval ist doch viel spannender als das Oktoberfest.“

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Charmant, ehrgeizig, und mit einer Fröhlichkeit versehen, die man eher Rheinländern als Koreanern zuschreiben würde, so beschreibt ein früherer Düsseldorfer Kollege Soyeon Schröder-Kim. „Nachtschicht“ soll ihr Spitzname in den Anfangsjahren bei NRW Invest gewesen sein. Wenn die Kollegen aus der Landeshauptstadt nachmittags E-Mail-Anfragen nach Korea schickten, antwortete Schröder-Kim (die damals noch Kim hieß) oft wenige Minuten später, auch wenn es vor Ort schon nachts war. Petra Wassner, die Geschäftsführerin von NRW Invest, ist zufrieden mit ihrer prominenten Mitarbeiterin. „Die Aktivitäten und das Engagement von Frau Schröder-Kim haben dazu beigetragen, dass seit Beginn ihrer Arbeit 40 Unternehmen aus Südkorea erfolgreich angesiedelt werden konnten“, sagt Wassner. Dazu gehörten vor allem innovative Familienunternehmen. Für ihr Engagement ist Schröder-Kim auch vom koreanischen Mittelstandsverband „World Class 300“ ausgezeichnet worden.

Gestartet als Ein-Frau-Büro, hat Schröder-Kim inzwischen ein gut geöltes Netzwerk in Korea aufgebaut. Sie organisiert Fachtagungen, begleitet Unternehmer und dolmetscht bei Politiker-Reisen. Drei bis vier Mal pro Monat pendelt sie zwischen Südkorea und Deutschland. „8300 Kilometer“, sagt sie. Die Zahl kennt sie auswendig. Mit ihrem Mann lebt sie abwechselnd in Hannover, in der gemeinsamen Wohnung in Berlin oder in Seoul.

Kennengelernt hat Schröder-Kim den Ex-Kanzler 2016 bei einem Manager-Meeting in Südkorea, wo Schröder als Gastredner geladen war. Schröder-Kim übersetzte später die 500 Seiten umfassende Biografie des Altkanzlers ins Koreanische und fragte den SPD-Mann als Redner für eine Mittelstandstagung mit potentiellen NRW-Invest-Kunden an. Gerhard Schröder sagte zu, sprach ohne Honorar und die NRW-Botschafterin konnte nach der Veranstaltung manch einen Mittelständler nach NRW locken. „Networking“ würde man das heute nennen.

Andere unterstellen Schröder-Kim, dass sie die Popularität ihres Ehemanns für ihren Job nutze und Privates mit Beruflichem vermische. Den Vorwürfen begegnet sie mit Kopfschütteln. „Ich beschäftige mich lieber mit produktiven Dingen. Mein Erfolg im Beruf hat nichts mit meinem Mann zu tun.“ Sie habe schon vorher für NRW Invest gearbeitet. „Ich bin eine selbstbestimmte, unabhängige Frau. Ich habe mich nie von meinem Mann abhängig gemacht. Warum auch?“, sagt sie.

Diesen Drang nach Eigenständigkeit entwickelte sie als Kind. Soyeon wächst wohl behütet in einem der besseren Viertel Seouls auf. Der Vater studierte in den USA und erbt vom Großvater Hotel und Theaterimmobilien. Ein „sehr konservativer Haushalt“, sagt Schröder-Kim. Für die SPD wären die Kims der Klassenfeind gewesen. Soyeon Kim will die Welt auf eigene Faust entdecken, sie interessiert sich für deutschsprachige Klassik. Schubert, Brahms, Beethoven. Zum Studium geht sie auch nach Deutschland, wie es heute Zehntausende Koreaner tun. Im hessischen Marburg lebt sie in einem Studentenwohnheim, sie liest deutsche Literatur. 20 Jahre später wird sie nach der Hochzeit mit Gerhard Schröder darauf dringen, dass die gemeinsame Reise auch nach Weimar führt: Sie will das Goethe-Haus besuchen.

Zurück in Seoul besucht Kim 1997 die Dolmetscherschule und übersetzt Politikerreden, darunter auch eine Wahlkampfansprache Schröders. Kim macht sich mit einer Dolmetscheragentur selbstständig, arbeitet als Beraterin in der Schweiz und bewirbt sich 2011 bei NRW Invest als Dolmetscherin auf Vertragsbasis. Sie bekommt den Job, kann ihre eigenen Geschäfte aber weiter führen. Dass sie beruflich doch nicht so ehrgeizig sein müsse, hört sie später an der Seite ihres ersten Mannes, einem prominenten koreanischen Arzt. „Da galt ich als ,Arztgattin‘, die nichts tun muss“, erinnert sich Schröder-Kim. Solche Zuschreibungen wecken ihren Widerspruch.

Wie kommt sie dann erst mit einem Alphatier wie Gerhard Schröder klar? „Das ist kein Problem“, sagt sie und lacht. „Wir ticken gleich und sind charakterlich auf einer Wellenlänge. Mein Mann und ich führen eine Beziehung auf Augenhöhe.“ Sie fügt mit ernstem Gesicht hinzu: „Ich bin nicht die Kanzlergattin. Ich bin nicht das Anhängsel des Altkanzlers.“

Als sie das sagt, geht der Schlüssel in der Wohnungstür und Gerhard Schröder kommt herein. Ein Kuss für die Ehefrau, ein freundliches „Hallo, lasst euch nicht stören“. Nur den abgewetzten Ledergürtel mit der silbernen Schnalle, den Gerhard Schröder, der am 7. April 75 Jahre alt wird, beim Aufräumen wiedergefunden hat, will er ihr noch schnell zeigen. „Ein Geschenk von George W. Bush“, sagt Schröder und lacht. Er habe ihn vor dem Streit mit dem US-Präsidenten um den Irak-Krieg bekommen. Bekanntlich kühlte sich das Verhältnis zwischen den Regierungschefs danach merklich ab. Heute sind die Beziehungen zischen Schröder und den USA nicht besser, nicht zuletzt weil Schröders enge Freundschaft zu Russlands Präsident Wladimir Putin und sein umstrittenes Mandat beim Ölkonzern Rosneft die US-Amerikaner ärgert. Der russische Staatskonzern steht nach der Krim-Annexion auf der Sanktionsliste der USA. Unlängst wollte Schröder ein Visum für eine New-York-Reise beantragen, das US-Konsulat beharrte aber darauf, den Ex-Kanzler persönlich in Frankfurt anzuhören. Schröder verzichtete auf die Reise.

Aber um die große Weltpolitik soll es heute ja nicht gehen. Gerhard Schröder schenkt noch einen Kaffee ein, dann geht er ins Wohnzimmer und liest eine Zeitung. Im Flur, unter einem gewaltigen Wolfsgemälde des DDR-Malers A.R. Penck stehen ein halbes Dutzend Kisten mit russischem Porzellan. Ein Hochzeitsgeschenk, für das die Schröders noch eine Verwendung suchen.

Soyeon Schröder-Kim plaudert derweil weiter über die Beziehung zu ihrem prominenten Mann. „Manchmal haben wir eine Auseinandersetzung, wir sind eben beide selbstbewusste Menschen“, sagt sie. „Aber danach gehen wir gestärkt aus der Sache heraus.“ Und dann fällt ihr ein Satz ihrer Großmutter ein, der ihr als Lebensmotto immer wichtig gewesen sei. „Man sollte nicht über das Leben anderer Menschen urteilen.“ Das bekanntlich ist auch im Rheinland ein gern zitiertes Motto. „Leeve un leeve losse“, heißt das hier. Ein Stück Kulturgut, das sich in Südkorea gut vermarkten ließe.Eine letzte Frage zum Ehemann noch: Hat sich Bundeskanzler Schröder in seiner Amtszeit nicht zu viel um Russland und zu wenig um Korea gekümmert? „Oh ja, absolut“, ruft Soyeon Schröder-Kim und lacht herzlich. Aus dem Wohnzimmer hört man ein Brummen.