Gehört Christian Wulffs Islam-Satz zur CDU?

Kanzlerin machte sich Bemerkung zu eigen : Gehört Christian Wulffs Islam-Satz zur CDU?

Nach den Terrorattentaten von Paris hat sich die Bundeskanzlerin den Satz des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff zu eigen gemacht, wonach der Islam zu Deutschland gehöre. In der CDU reißt die Kritik darüber nicht ab. Dazu ein Kommentar von Eva Quadbeck.

Die CDU hat ein Problem. Der Satz des früheren Bundespräsidenten, Christian Wulff, wonach der Islam zu Deutschland gehöre, sorgt für anhaltenden Ärger in der Bundestagsfraktion und an der Basis. Schon 2010 regte sich die Mehrheit der Christdemokraten darüber auf, als Wulff in einer Rede erklärte: "Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."

Nach den Terroranschlägen in Paris hat sich Merkel diesen Satz zu eigen gemacht. Gleich zweimal zitierte sie ihn öffentlich. Ein Großteil ihrer Partei ist darüber erbost und diskutiert nun darüber, ob der Islam-Satz zur CDU gehört. Zu verstehen ist das nicht. Betrachtet man die Aussage in seinem Sinn-Zusammenhang, beschreibt er, dass Christentum und Judentum aus historischer Tradition zu Deutschland gehören. Die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland wird mit dieser Tradition nicht gleichgesetzt. Vielmehr steht das Wort "inzwischen" in dem umstrittenen Satz. Dieses Wort verweist darauf, dass durch die Zuwanderer der vergangenen Jahrzehnte eine weitere große Religion in unserem Land gelebt wird.

Die entscheidende Frage ist, welche Konsequenz aus dem Satz folgt. Ist er eine Art generelle Baugenehmigung für Moscheen? Befördert er die Etablierung von Koranschulen? Treibt er eine Islamisierung Deutschlands voran, gegen die in der "Pegida"-Bewegung so viele Menschen Woche für Woche auf die Straße gehen? All das trifft nicht zu. Der Satz enthält die Botschaft eines Integrationsangebots an die Millionen friedlichen Muslime im Land: Ihr gehört mit Eurer eigenen Religion zu uns. Die Akzeptanz, dass der Islam "inzwischen" auch zu Deutschland gehört, schließt selbstverständlich die Ablehnung des gewaltsamen Islamismus ein. Auch die Kritikfähigkeit an einer Glaubensausübung, die Frauen unterdrückt und intolerant gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen ist, bleibt erhalten. Die CDU sollte ihren Frieden mit dem Satz machen.

(qua)
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