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Israel lässt insgesamt mehr als 400 Häftlinge frei: Geheimdienstchefs begleiten Gefangenenaustausch

Israel lässt insgesamt mehr als 400 Häftlinge frei : Geheimdienstchefs begleiten Gefangenenaustausch

Köln (rpo). Trotz des erneuten Selbstmordanschlags in Israel, konnte der von Deutschland vermittelte Gefangenen-Austausch zwischen Israel und der Hisbollah erfolgreich abgeschlossen werden.

Auf dem Flughafen Köln-Bonn wurden am Donnerstag 29 bis dahin in Israel einsitzende Häftlinge freigelassen, darunter der Deutsche Steven Smyrek. Im Austausch dafür erhielt Israel die sterblichen Überreste dreier Soldaten sowie den vor drei Jahren als Geisel genommenen Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum.

Bei dem Gefangenenaustausch sind offenbar vier zur Ausreise in den Libanon vorgesehene Personen in Deutschland geblieben. Nach ARD-Informationen haben drei Araber politisches Asyl beantragt.

Auch der deutsche Islamist Steven Smyrek sei nicht in den Libanon weitergeflogen. Dies meldete auch "Focus Online" unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. Der 32-Jährige habe wegen eines neuen Haftbefehls die geplante Weiterreise nach Beirut nicht antreten können.

Der neue Haftbefehl gegen den fanatischen Hisbollah-Kämpfer wird offiziell mit früheren Drogendelikten Smyreks begründet, berichtet der Online-Dienst. In Wahrheit handele es sich dabei jedoch um eine Schutzmaßnahme, da Smyrek bei der Hisbollah in Verdacht geraten sein könnte, in israelischer Haft über die libanesische Miliz ausgepackt zu haben.

Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau und BND-Chef August Hanning begleiteten den Austausch bis zum Schluss, wie es in Berliner Regierungskreisen hieß. Hanning flog danach mit der Bundeswehrmaschine nach Beirut, in der die meisten der freigelassenen Araber, unter ihnen die Hisbollah-Führer Mustafa Dirani und Scheich Abdul Karim Obeid, sowie der als Helfer der Hisbollah verurteilte Smyrek waren.

Flughafen strikt abgeschirmt

Uhrlau flog den Angaben zufolge mit dem Jet der israelischen Luftwaffe nach Israel, der mit den 29 Gefangenen nach Köln-Bonn gekommen war und der nun mit den drei Toten und Tannenbaum an Bord zurückkehrte. Der Austausch, der etwa sieben Stunden dauerte, fand unter strikter Abschirmung des Flugfeldes bei Köln statt.

In Israel wurden nach dem erfolgreichen Start bei Köln 400 palästinensische Gefangene direkt in ihre Heimat überstellt. Außerdem übergab Israel an seiner Nordgrenze die sterblichen Überreste von 59 libanesischen Kämpfern an Libanon.

Mindestens drei der 29 Häftlinge, die auf dem Flughafen Köln-Bonn freigelassen wurden, wollen Asyl in Deutschland beantragen, wie das Bundesamt für Migration in Nürnberg mitteilte. Ein Mann habe bereits ein Asylgesuch gestellt. Andere hätten deutschen Stellen gegenüber angedeutet oder angekündigt, dass sie als Flüchtlinge in Deutschland bleiben wollten. "Wir rechnen mit drei bis vier Asylanträgen", sagte Bundesamts-Sprecherin Marlene Kerpal der AP.

Fischer dankte den Sicherheitsdiensten

Außenminister Joschka Fischer dankte den Sicherheitsdiensten, die den Austausch nach jahrelanger Vorarbeit zum Erfolg geführt hätten. Der Grünen-Politiker lehnte es ab, sich direkt zu der Aktion äußern. Er sagte aber, die Bundesrepublik habe in dieser Sache hilfreich sein können. "Offensichtlich hat Deutschland auf beiden Seiten das notwendige Vertrauen", erklärte er.

Das ARD-Morgenmagazin hatte eine frühere Erklärung Uhrlaus wiederholt, wonach der Ringtausch politisch bedeutsam für Deutschland sei. Zuvor hatte Uhrlau auch Iran für dessen Rolle beim Zustandekommen des Austauschs gewürdigt. Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre als Vermittler in Austauschverfahren zwischen den Konfliktparteien eingeschaltet.

Auch Rotes Kreuz als Begleiter

Mitarbeiter vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), darunter ein Arzt, begleiteten die Gefangenen auf ihrem Weg nach Deutschland. Mit allen Häftlingen seien in den vergangenen Tagen Einzelgespräche geführt worden, ob sie mit dem Austausch und den Bedingungen einverstanden seien, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal in Genf.

Das Rote Kreuz überwache auch die Freilassung der rund 400 Gefangenen an der israelisch-palästinensischen Grenze. Darüber hinaus wollte Israel die sterblichen Überreste von 60 getöteten libanesischen Kämpfern freigeben. Das IKRK wollte die Toten am Freitag den Familien übergeben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gefangenenaustausch auf dem Köln-Bonner Flughafen