Gedenkgottesdienst in der Gedächtniskirche: Anrührendes Gedenken in Berlin

Gedächtniskirche : Anrührendes Gedenken in Berlin

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche haben Spitzenvertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirche der Opfer des Anschlags von Berlin gedacht.

Um 18.31 Uhr sendet das politische und religiöse Deutschland eine anrührende Botschaft in die Welt. Zweiundzwanzigeinhalb Stunden nach dem wenige Meter entfernt verübten Terroranschlags auf friedliche Weihnachtsmarktbesuchern fassen sich Bürger, Politiker, Christen, Juden, Muslime in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche an den Händen und gedenken der Opfer mit einer Schweigeminute.

So viele mehr hätten gerne an dem Gedenkgottesdienst teilgenommen. Aber schon lange vor dem Beginn ist die Kirche überfüllt, bitten Passanten und Trauernde Polizisten hinter den Absperrungen, wenigstens Blumen niederzulegen, Kerzen anzuzünden, wo am Vorabend zwölf Menschen den Tod fanden und über 40 verletzt wurden.

"Wir haben Angst um diese Welt", sagt Archimandrit Emmanuel Stiatka für die griechisch-orthodoxe Kirche. Die Gewalt breche sich hemmungslos Bahn.

Trauer in der Gedächtniskirche

Auch der katholische Erzbischof Heiner Koch greift "die Nacht des Terrors, der Angst, des Sterbens, der Verzweiflung" auf, verbindet sie mit der "Nacht in Aleppo", mit der "Nacht des Hungers" und erinnert daran, dass es auch Nacht war, als in Bethlehem ein Stern die "Weih-Nacht" angezeigt habe.

Die Sängerin Jocelyn B. Smith fragt nach dem Sinn: "Wofür leben wir, wofür sterben wir?" Draußen an der Gedächtniskirche haben Zuhörer Tränen in den Augen.

Der evangelische Landesbischof Markus Dröge begründet, warum die relativ kleine Kirche für die erste große Trauer ausgewählt wurde. Die kriegszerstörte Kirche sei als Wunde und Mahnmal erhalten worden — "wichtig für alle, die Trauer und Wut" spürten. Es sei ihre Aufgabe, mit Frieden und Versöhnung auf Hass zu antworten.

Und er weist auf das Coventry-Kreuz, das aus einfachen Zimmermannsnägeln zusammengefügt worden sei, ebenfalls als Zeichen, dass "die Kraft der Versöhnung stärker als der Hass" sei.

"Wir geben dem Terror nicht dadurch Recht, dass wir uns entzweien lassen, nur weil wir in verschiedenen Kulturen leben", betont Bischof Dröge. Imam Ferid Heider ruft dazu auf, ein "klares und deutliches Zeichen" auszusenden, "dass uns Hass, Terror und Gewalt nicht auseinanderbringen können".

In der ersten Reihe sitzt Innenminister Thomas de Maizière, den Kopf nachdenklich auf Daumen und Zeigefinger gestützt. Neben ihm Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Bundesratspräsidentin Malu Dreyer, Parlamentspräsident Ralf Wieland, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck, Bürgermeister Michael Müller, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, auf der anderen Seite des Ganges weitere acht Bundesminister.

Ihnen gegenüber am Altar brennen zwölf große Kerzen. Müller erinnert daran, dass das Brandenburger Tor schon in so vielen Farben von Ländern erleuchtete, die Opfer von Terror wurden, und fügt hinzu: "Heute in den Farben Berlins."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gedenkgottesdienst für Opfer vom Breitscheidplatz in der Gedächtniskirche

(may-)
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