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Gazastreifen: Israel schickt weitere Truppen

Nahost-Konflikt : Israel schickt weitere Truppen zum Gazastreifen

Nach fortwährenden Raketenangriffen militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen bewegt Israels Armee zusätzliche Bodentruppen in Richtung Süden. Unterdessen kommt scharfe Kritik von der UN.

Die israelische Armee hat die Verlegung zusätzlicher Truppen an den Rand des Gazastreifens bestätigt. "Wir bewegen Truppen", sagte Armeesprecher Peter Lerner am Donnerstag. Es sei auch eine begrenzte Zahl von Reservisten mobilisiert worden. Er betonte jedoch mehrfach, Israel sei nicht an einer Offensive im Gazastreifen interessiert. Er rief die im Gazastreifen herrschende Hamas dazu auf, den fortwährenden Raketenbeschuss israelischer Grenzorte zu unterbinden, um eine weitere Eskalation zu verhindern. "Wir streben eine Deeskalation der Lage an, aber wir müssen trotzdem für alles bereit sein", sagte Lerner.

Seit Mitternacht sind nach Worten des Sprechers 14 Kleinraketen auf Israel abgefeuert worden. Zwei davon hätten Häuser in der Grenzstadt Sderot getroffen. Es gab zunächst keine Berichte zu möglichen Opfern.

Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete, es handele sich um einen begrenzten Einsatz zusätzlicher Truppen am Rande des Gazastreifens. Fußtruppen und gepanzerte Fahrzeuge sollten die Soldaten vor Ort verstärken.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hatte nach dem Mord an drei jüdischen Jugendlichen eine breite Militäroffensive im Gazastreifen gefordert. Andere Minister warnten jedoch vor einem solchen Einsatz. In der Nacht zum Donnerstag tagte zum dritten Mal in dieser Woche das israelische Sicherheitskabinett. Es war zunächst unklar, ob dabei Entscheidungen getroffen wurden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte harte Schritte gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas angekündigt.

Kritik von der UN

Die UN-Menschenrechtskommissarin hat Israel und die Palästinenser für die jüngste Eskalation der Gewalt in Nahost scharf kritisiert. "Aus Sicht der Menschenrechte verurteile ich ganz und gar diese Raketenangriffe (vom Gazastreifen aus) und ganz besonders verurteile ich Israels exzessive Vergeltungsaktionen", sagte Navi Pillay am Donnerstag in Wien. Sie sei über die Ereignisse in der Region extrem besorgt.

Pillay verurteilte auch die Entführung und Tötung eines palästinensischen Jugendlichen, nachdem die Leichen dreier ermordeter jüdischer Religionsschüler gefunden worden waren. Dieses Ausmaß von Rache sei überzogen. Eine solche Entwicklung sei nur möglich, wenn sich Regierungen nicht an die Gesetze hielten und selbst exzessiv Vergeltung übten, kritisierte sie.

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In den vergangenen Tagen hat Israel mit Luftangriffen auf den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen reagiert. In Jerusalem wurde ein 16-jähriger Palästinenser verschleppt und getötet, nachdem die Leichen von drei vermissten jüdischen Jugendlichen bei Hebron im Westjordanland gefunden worden waren.

(dpa)