Gabriel weist Seehofer bei Energiewende in die Schranken

Minister: Vollständige Selbstversorgung Bayerns unrealistisch : Gabriel weist Seehofer bei Energiewende in die Schranken

Im Streit um neue Stromtrassen durch Bayern macht das Wirtschaftsministerium von SPD-Chef Sigmar Gabriel nun klar Front gegen ein Ausbau-Moratorium, das vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer verlangt wird.

Auch der von Seehofer immer wieder als Ziel ausgerufenen vollständigen Selbstversorgung Bayerns mit Energie erteilt Gabriel eine klare Absage: "Eine Eigenversorgung Bayerns ist unter den gegebenen rechtlichen, ökonomischen und technischen Rahmenbedingungen weder realistisch noch anzustreben", hält das Ministerium fest. Es unterstreicht zudem, dass Seehofers Nein zum Stromimport "insbesondere den allen Verbrauchern zugute kommenden Zielen der Intensivierung des Wettbewerbs im Stromhandel sowie der Integration der erneuerbaren Energien entgegensteht".

Die von Seehofer zunächst unterstützten Details der Energiewende waren in verschiedenen Regionen Bayerns auf scharfe Kritik gestoßen, als die geplanten Verläufe einer neuen Hochspannungsleitung bekannt wurden. Auch örtliche CSU-Verantwortliche protestierten gegen die "Monstertrasse", die aus der Nähe von Halle bis in die Region nördlich von Augsburg verlaufen soll. Im Vorfeld der bayerischen Kommunalwahlen schloss sich Seehofer dem Protest an und wetterte vor allem dagegen, dass die Bayern durch diese Leitungen angeblich Braunkohlestrom aus Thüringen bekommen sollten. Dies lehnte er vehement ab, da es bei der Energiewende vor allem um den Ausbau regenerativer Energien gehe.

"Die Bundesregierung teilt diese Aussage nicht", heißt es nun zu Seehofers Braunkohle-These in der offiziellen Antwort aus dem Wirtschaftsministerium. Schon jetzt könne der regenerativ erzeugte Strom nicht mehr zu jeder Zeit über das vorhandene Netz aufgenommen und übertragen werden. Da bis 2022 auch kein Zubau von Braunkohlekapazitäten geplant sei, könne der Transport von Braunkohlestrom "nicht als wesentlicher Treiber des Netzausbaus bezeichnet werden".

Gabriel setzt sogar noch eins drauf: Würde die geplante neue Leitung am Widerstand Seehofers scheitern, wären die vorhandenen Netze nach Berechnungen der zuständigen Bundesagentur "in fast 2000 Stunden eines Jahres überlastet, wenn einzelne Betriebsmittel im Netz ausfielen". Sprich: Seehofer riskierte eine permanente Blackout-Gefahr - auch in Bayern.

(may-)
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