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Politischer Aschermittwoch: Gabriel verhöhnt Merkel, Jubel für Rösler

Politischer Aschermittwoch : Gabriel verhöhnt Merkel, Jubel für Rösler

Beim politischen Aschermittwoch haben die meisten Redner der großen politischen Parteien kräftig ausgeteilt. SPD-Chef Sigmar Gabriel lästerte über "Amigo" Christian Wulff, FDP-Chef drosch auf Griechenland ein. Ungewohnt staatsmännisch ging es bei der CSU zu. Edmund Stoiber versuchte, Joachim Gauck für seine Partei zu vereinnahmen. Eine Auswahl.

CSU: Seehofer betont sachlich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte den Vorzug, in Passau den Politischen Aschermittwoch einzuleiteen. Dabei agierte er wie angekündigt zurückhaltend, weil er derzeit kommissarisch das Amt des Bundespräsidenten bekleidet, das parteipolitischen Krawall schlecht verträgt.

Auf der Kundgebung der CSU in der Dreiländerhalle lobte der CSU-Chef ausdrücklich die Bayern als haushaltspolitischen Gegenentwurf zu anderen Ländern. Die gegenwärtige Regelung im Länderfinanzausgleich sei "aus dem Ruder gelaufen"

CSU: Stoiber vereinnahmt Gauck Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber warb im Anschluss für eine breite Unterstützung der Kandidatur von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten. Er fügte hinzu: "Man kann auch mit dem zweiten Aufschlag ein Ass verwandeln." Gauck trete für die Freiheit und gegen einen übermächtigen Staat ein. Der künftige Bundespräsident habe außerdem für den umstrittenen Autor Thilo Sarrazin "ein gutes Wort gefunden" und sei gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Stoiber betonte: "Was soll ich denn eigentlich gegen diesen Mann einwenden - er hat doch unsere Positionen."

SPD: Gabriel rät Merkel zur Demut SPD-Chef Sigmar Gabriel attackierte im Bierzelt von Vilshofen scharf den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel. Dabei sparte er nicht an Spott über die aus dem Ruder gelaufene Kandidatensuche der schwarz-gelben Koalition. Merkel habe solche Leute in Amt und Würden gebracht wie Wulff, "der sich wie ein Amigo benimmt, der das Land sich selbst und der CDU zur Beute macht", sagte Gabriel auf der Aschermittwochs-Kundgebung der SPD in Vilshofen.

SPD: Regierung wie eine Praktikanten-Initiative Über den schwarz-gelben Streit bei der Suche nach einem Nachfolger für Wulff sagte Gabriel: "Das hatte Karnevalistenqualität." Über Bundesregierung lästerte Gabriel: "Die benehmen sich wie eine Praktikanten-Initiative - aber wenn man das sagt, hat man schon Angst, dass man die Praktikanten beleidigt."

SPD spricht von "Herrn Drehhofer" Gabriel spottete zudem über die CSU, die noch am Samstag gesagt habe, man sei gegen Joachim Gauck, und am Sonntag dann Gauck die Gefolgschaft versprochen habe. "Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?", sagte der SPD-Chef.

FDP feiert Rösler Die bayerische FDP empfing ihren Bundesvorsitzenden Philipp Rösler mit stürmischem Beifall. Die Landesvorsitzende und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte vor 400 Parteianhängern in Dingolfing, Rösler habe die Stürme bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten "standfest überstanden". Aber sie versuchte auch, die Wogen nach dem Koalitionskrach mit der Union zu dämpfen: "Weder Drohgebärden noch Triumphgeheul ist jetzt das Gebot der Stunde."

FDP: "Der Soli muss weg!" Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch zeigte dagegen nicht das geringste Verständnis für das "Gemaule" beim Koalitionspartner. Es sei Röslers Verdienst, dass Deutschland mit Gauck einen Bundespräsidenten bekomme, der von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen werde. "Jetzt wird umgelegt, jetzt gehen wir nach vorn", sagte Heubisch und forderte: "Der Soli muss weg!"

FDP: Rösler attackiert die Griechen Rösler selbst knöpfte sich Griechenland vor. Er forderte das Land auf, endlich seine Reformversprechen umzusetzen. "Wir werden uns nicht länger erpressen lassen", schimpfte Rösler und forderte: "Keine Leistung ohne Gegenleistung - auch das geht im Rahmen der europäischen Solidarität!" Griechenland habe seine Partner in der Eurokrise immer wieder nur vertröstet. Manches Entwicklungsland tue mehr.

Grüne: Roth spricht von Chaos-Truppe Grünen-Chefin Claudia Roth grifff die Bundesregierung wegen deren Umgangs mit der Wulff-Affäre scharf an. "Es war wirklich ein würdeloses Klammerspiel, das wir in den letzten Wochen erlebt haben", schimpfte sie in Landshut. Schwarz-Gelb nannte sie eine "Chaos-Truppe". Joachim Gauck könne dem Bundespräsidentenamt nun Würde zurückgeben. "Wir wollen doch die Unabhängigen, an denen man sich reiben kann, und nicht irgendwelche Partei-Pappfiguren vorne dran."

Grüne: Schmähungen für die FDP Bundestagsfraktionschefin Renate Künast bezeichnte FDP-Chef Philipp Rösler, als "absoluten Ausfall". "Wo hat er denn geliefert?", fragte Künast bei einer Grünen-Veranstaltung in Biberach (Baden-Württemberg). "Er ist der größte Bremser aller Zeiten." Die Bundesregierung lasse etwa eine Rohstoffstrategie vermissen. An Mobilitätskonzepten fehle es auch. Den FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle nannte Künast "Schrecken aller Weinköniginnen".

Freie Wähler verspotten Stoiber "Wenn der Archaeopteryx aus Wolfratshausen die CSU wieder aufrichten soll, muss sie wahrlich auf dem Boden liegen", sagte der Bundesvorsitzende der Freien Wähler Hubert Aiwanger am Mittwoch in Deggendorf. Der Aschermittwoch der CSU werde wohl bald unter dem Motto "Körperwelten an der Donau" veranstaltet. Die Freien Wähler wollen bei der kommenden Landtagswahl in Bayern in die Regierung.

Die Parteien laden alljährlich zum Politischen Aschermittwoch, um sich einen verbalen Schlagabtausch zu liefern. Die Tradition lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Jahre 1580 debattierten bayerische Bauern auf dem Vieh- und Rossmarkt in Vilshofen an der Donau erstmals auch über tagesaktuelle Fragen und nicht mehr nur über Preise. Über die Zeit, vor allem ab dem 19. Jahrhundert, erhielten die Reden einen starken politischen Charakter.

Hier geht es zur Infostrecke: Deftige Sprüche vom Politischen Aschermittwoch 2012

(APD/dpa/AFP)