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G7 in Elmau: Das waren die einprägsamsten Momente

G7-Treffen in Elmau : Die einprägsamsten Momente des Gipfels

Trachten am Flughafen, gute Laune an der Holzbank, Nordic Walking für die Partnerinnen, Polizisten überall - das war der G7-Gipfel in Elmau.

Der G7-Gipfel ist zu Ende gegangen. Diese Bilder und Eindrücke wirken noch nach.

Söder mit Biden am Flughafen

Für viel Gesprächsstoff sorgte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), noch bevor der Gipfel überhaupt begonnen hatte. Seine, sagen wir, gewagte Klamottenkombination und die Art des Hosenschnitts für den Empfang des US-Präsidenten Joe Biden am Münchner Flughafen riefen reichlich Belustigung hervor. Ebenso die Trachtenträger am Rande des roten Teppichs – außerhalb Bayerns jedenfalls. Auch die Tatsache, dass Söder die G7-Gipfelteilnehmer in einem Tweet in Bayern willkommen hieß, dabei aber Scholz vergaß, stieß auf Kritik. Beim Grillen am letzten Abend am Schloss Elmau durfte Söder jedoch dabei sein.

 Joe Biden (M), Präsident der USA, geht mit Markus Söder (r, CSU), Ministerpräsident von Bayern, an bayerischen Gebirgsschützen und Trachtlern vorbei.
Joe Biden (M), Präsident der USA, geht mit Markus Söder (r, CSU), Ministerpräsident von Bayern, an bayerischen Gebirgsschützen und Trachtlern vorbei. Foto: dpa/Daniel Karmann

Scholz mit Biden am Sicherheitsglas

Beim Gipfelstart war Bundeskanzler Olaf Scholz die Anspannung deutlich anzumerken. Vor laufenden Kameras stand er am Sonntag auf Schloss Elmau noch etwas unsicher an einer Wand aus Sicherheitsglas. Dahinter das Alpenpanorama. Gleich sollte er hier auf US-Präsident Biden treffen und sich danach unter vier Augen mit ihm besprechen. Als Biden dann endlich um die Ecke bog, dankte der Scholz für die Einladung – und legte dem Kanzler beinahe freundschaftlich den Arm um die Schulter. Biden ist bekannt dafür, gerne Körperkontakt mit Gesprächspartnern aufzunehmen. Scholz ließ die Arme indes bei sich.

 Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), steht neben US-Präsident Joe Biden (l) zu Beginn eines bilateralen Treffens vor dem Auftakt zum eigentlichen Gipfeltreffen.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), steht neben US-Präsident Joe Biden (l) zu Beginn eines bilateralen Treffens vor dem Auftakt zum eigentlichen Gipfeltreffen. Foto: dpa/Michael Kappeler

Selenskyj zugeschaltet

Der G7-Gipfel wurde dominiert vom russischen Krieg in der Ukraine. Es ging um Sanktionen gegen Russland, um Waffenlieferungen und Sicherheitsgarantien für die Ukraine, um globale Energiesicherheit. Richtig dicke Bretter also. Diverse Krisen überlagern sich derzeit. Für einen frischen Eindruck vom aktuellen Kriegsgeschehen war am zweiten Tag Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj per Video zugeschaltet. Am Kreml ging das natürlich nicht vorbei. Am Abend des zweiten Gipfeltags schlug eine russische Rakete in einem ukrainischen Einkaufszentrum ein. Die G7 verurteilten den Angriff mit Toten und Verletzten, sprachen von einem Kriegsverbrechen.

Damenprogramm mit Neureuther

G7-Gipfel dauern lang. Damit es den mitreisenden Partnerinnen der verhandelnden Staats- und Regierungschefs (ja, derzeit nur Männer) nicht langweilig wird, findet traditionell ein sogenanntes Damenprogramm statt. Beim Gipfel in diesem Jahr tatsächlich zutreffend – denn der Mann der ebenfalls eingeladenen EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen musste mit einer Corona-Infektion zu Hause bleiben. Am ersten Tag stand Nordic Walking mit Ex-Skirennfahrer Christian Neureuther auf dem Programm. Dabei stach besonders die Sportlichkeit Frankreichs First Lady Brigitte Macron hervor. Die traf sich dann noch am späten Abend mit Ehemann Emmanuel zum Spaziergang im Dunkeln.

 Brigitte Macron, Ehefrau des französischen Präsidenten und Christian Neureuther, ehemaliger Ski-Profi, während des Partnerprogramms beim G7-Treffen in Elmau.
Brigitte Macron, Ehefrau des französischen Präsidenten und Christian Neureuther, ehemaliger Ski-Profi, während des Partnerprogramms beim G7-Treffen in Elmau. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
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Bankfoto

Das „Familienfoto“ ist die steife und protokollarisch aufgeladene Aufnahme aller Gipfelteilnehmer, aufgereiht nebeneinander. Bei diesem Gipfel gab es aber noch ein inoffizielles Familienfoto. Denn das ikonische Bild aus dem Jahr 2015 vom ersten G7-Gipfel auf Schloss Elmau war noch allen im Kopf: Als der damalige US-Präsident Barack Obama mit ausgebreiteten Armen auf einer Holzbank saß und Ex-Kanzlerin Angela Merkel vor ihm stand. An der Rückenlehne derselben Bank versammelten sich nun alle Gipfelteilnehmer. Sichtlich entspannt und gut gelaunt, ausgebreitete Arme hatte Kanadas Premier Justin Trudeau, Großbritanniens Premier Boris Johnson eine bedrohlich weit unten sitzende Hose.

 Die Chefs haben sich beim G7 Treffen auf Schloss Elmau nach dem Abendessen zu einem informellen Gruppenbild an der "Merkel - Obama" Bank aufgestellt.
Die Chefs haben sich beim G7 Treffen auf Schloss Elmau nach dem Abendessen zu einem informellen Gruppenbild an der "Merkel - Obama" Bank aufgestellt. Foto: dpa/Michael Kappeler

Polizeikräfte und Demonstranten

Es war ein vor Sicherheitskräften strotzender Gipfel. 18.000 Polizisten waren dafür im Einsatz. Sie bewachten eine kilometerbreite Sperrzone rund um das Schloss, sicherten aber auch die Orte drumherum ab. Auch das Militär kam zum Einsatz, um beispielsweise ein Hubschrauber-Shuttle vom Tagungszentrum zum Schloss selbst anzubieten. Ein gigantischer Aufwand mit überschaubaren Herausforderungen: Die meisten Proteste verliefen friedlich, die Teilnehmerzahlen blieben hinter den Ankündigungen zurück. Nur vereinzelt gab es Festnahmen oder Übergriffe, die Zahl verletzter Polizisten hielt sich in Grenzen.

Biden reist früher ab

Kurz bevor Kanzler Scholz eine Pressekonferenz gibt, reist US-Präsident Joe Biden frühzeitig vom Gipfel ab. Warum? Das Weiße Haus gibt das unbeständige Wetter am Dienstag als Grund an. Tatsächlich hatte es am Vorabend Gewitter und kräftige Regengüsse in der Region gegeben. Auch bei der Pressekonferenz von Scholz donnert es bedrohlich nach seiner letzten Antwort. Und weil der Secret Service bekanntlich im Zweifel für die Sicherheit und nicht das Risiko ist, nahm Biden früher Abschied. Aber nicht lang, denn alle Gipfelteilnehmer treffen sich nun in Spanien zum Nato-Gipfel.

Scholz schmallippig bei Pressekonferenz

Bei der Abschlusspressekonferenz fasst Scholz die Geschehnisse und Beschlüsse des Gipfels zunächst ausführlich zusammen. Mehrere Reporterfragen beantwortet er ebenfalls ausführlich. Bei einer aber reagiert er ganz anders: Die Journalistin der „Deutschen Welle“, Rosalia Romaniec, fragt Scholz nach den Sicherheitsgarantien für die Ukraine auch nach dem Krieg, die Deutschland versprochen habe. „Könnten Sie konkretisieren, welche Sicherheitsgarantien das sind?“, fragt Romaniec. Scholz antwortet: „Ja“. Dann lässt er zwei, drei Sekunden verstreichen und sagt mit einem Lächeln: „Könnte ich“. Nach weiteren fünf Sekunden Pause schiebt Scholz hinterher: „Das war’s“. Die meisten Journalisten sind erstaunt, ein paar kurze Lacher gibt es, dann geht Regierungsprecher Steffen Hebestreit zur nächsten Frage über. Später schreibt die aus Polen stammende Romaniec bei Twitter: „Echt schade, Herr Bundeskanzler. Als ich Deutsch gelernt habe, wurde mir für Pressekonferenzen dringend die Höflichkeitsform empfohlen.“ Und: „Die Frage war schon sehr ernst gemeint.“ Die Union nutzte den Moment bei der Pressekonferenz für harsche Kritik am Kanzler.

Hier geht es zur Bilderstrecke: G7-Gipfel in Elmau: Sportliche First Ladys, kuriose Masken und bewachte Kühe

(jd)