Machen die Gipfel noch Sinn? Der Papst, die G7 und das Hoffen auf ein Wunder

Meinung | Bari · Erstmals nimmt ein Papst an einem G7-Treffen teil. Franziskus wird dort über KI sprechen und viele Staatsoberhäupter zu Einzelgesprächen treffen. Er kommt als Gast auf Einladung von Italiens Regierungschefin Georgia Meloni. Aber lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

G7-Gipfel in Italien: Die schönsten Fotos von Giorgia Meloni und Co.
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Die schönsten Bilder vom G7-Gipfel in Italien

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Foto: dpa/vatican Media

Ein 66. Geburtstag, der Heilige Vater und das Hoffen auf ein Wunder: Am Ende des G7-Gipfels in Italien stehen auch ein paar nicht ganz so ernste Punkte auf der Tagesordnung. Insgesamt war der Gipfel ein Erfolg, der so nicht zu erwarten war.

Ausgerechnet die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit ihrer ultrarechten Partei Fratelli d‘Italia (Brüder Italiens) lud nach der Europawahl, bei der sie glänzend abgeschnitten hat, zum Treffen nach Apulien. Es waren insgesamt keine guten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Treffen für den Westen: US-Präsident Joe Biden kann seine körperliche Gebrechlichkeit auch mit allergrößter Mühe nicht mehr verbergen. Ob er, oder der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump beim nächsten G7-Gipfel dabei sein wird, steht in den Sternen.

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz (SPD) und der französische Präsident Emmanuel Macron sind mit ihren Parteien bei der Europawahl stark unter Druck geraten, der französische Präsident löste daraufhin das Parlament auf. Der britische Premier Rishi Sunak steuert laut Umfragen auf eine Niederlage bei den Parlamentswahlen im Juli zu.

Und doch: Einige Beschlüsse des G7-Gipfels sind wegweisend. Die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigen Industriestaaten haben sich auf einen Kredit in Höhe von 50 Milliarden Dollar für die Ukraine geeinigt, der aus eingefrorenem russischen Vermögen finanziert werden soll. Auf diese Weise finanziert Russland die Verteidigung der Ukraine praktisch mit. Die USA übernehmen die Hauptverantwortung, vor kurzem noch undenkbar. Das Schäumen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der das Einfrieren russischer Vermögenswerte als „Diebstahl“ bezeichnet, zeigt, dass der Kreml empfindlich getroffen wurde und der bedrängten Ukraine langfristig hilft. Die Siebenergruppe demonstrierte damit Geschlossenheit, ein Signal der Einigkeit im US-Wahljahr, das nicht zu unterschätzen ist. Biden übernimmt internationale Verantwortung, von der Ukraine bis hin zur Vermittlung im Gaza-Krieg. Ohne die USA geht es nicht - auch das ist ein Zeichen aus Bari.

Sind die Gipfel-Formate aus der Zeit gefallen, lohnen sich Aufwand und Ertrag überhaupt noch? Die Antwort lautet: Ja. Und sie geht über die etwas allgemeingültige Formel „Reden lohnt sich immer“ hinaus. Denn es sind nicht nur die Staats- und Regierungschefs, die sich, zugegebenermaßen an PR-trächtigen Orten, publikumswirksam die Hände reichen. Sondern es bereiten Delegationen diese Treffen wochenlang vor, viele andere Staats- und Regierungschefs kommen als Gäste dazu. Und so haben die Formate ihren Sinn - besser, als wenn man sich nur per Videokonferenzen oder gar nicht mehr trifft. Allerdings - im Falle Russlands, das dem Format als G8 beiwohnte, zeigt sich, dass auch ein Einbinden nicht immer funktioniert. Dennoch: Es gar nicht zu versuchen, wäre falsch.

Und ganz nebenbei: Kanzler Scholz wird sich gefreut haben, dass ihm die Riege ein Ständchen zum Geburtstag sang. Der Papst sprach über künstliche Intelligenz und irgendwie hofft zumindest die Mehrzahl der Teilnehmer, dass doch ein politisches Wunder passiert - und sie sich beim nächsten Gipfel in dieser Runde wieder treffen.