Vorbreitung auf Weltfinanzgipfel: G-20 wollen Manager-Boni beschneiden

Vorbreitung auf Weltfinanzgipfel : G-20 wollen Manager-Boni beschneiden

London (RPO). Trotz zuvor heftiger Kontroversen über die Begrenzung von Manager-Boni haben sich die Finanzminister und Notenbankchefs der G-20 auf eine gemeinsame Position verständigt. Künftig soll es nur noch bei langfristigem Erfolg Prämien geben. Beim kommenden Weltfinanzgipfel wird sich zeigen, ob der Kompromiss Bestand hat.

Die Politiker einigten sich am Samstag in Vorbereitung auf den Weltfinanzgipfel darauf, dass Bankmanager künftig nur für langfristige statt für kurzzeitige Erfolge Prämien erhalten sollen, wie aus dem Abschlussdokument des Gipfeltreffens in London hervorgeht. Zudem wurde eine mögliche Rückforderung der Boni vereinbart. Die Gipfelteilnehmer forderten "globale Standards" in der Vergütungsstruktur und mehr Transparenz bei der Bezahlung von Bankern.

Die Gipfelteilnehmer forderten "globale Standards" in der Vergütungsstruktur und mehr Transparenz bei der Bezahlung von Bankern, deren Bonus-System laut Experten die Finanzkrise vor einem Jahr mitausgelöst hat. Die Manager sollen demnach künftig nicht mehr für kurzfristige Erfolge Prämien erhalten. Zudem soll eine Rückforderung der Boni möglich sein.

Eine Festlegung zur Begrenzung der Prämienzahlungen wurde auf den Gipfel von Pittsburgh am 24. und 25. September vertagt. In dieser Frage stehen sich innerhalb der G-20 zwei Lager gegenüber: Während Deutschland, Frankreich und eine Reihe anderer europäischer Staaten für eine Begrenzung der Boni eintreten, sind die USA und Großbritannien mit ihren großen Finanzplätzen an der Wall Street und im Londoner Finanzviertel dagegen.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde wertete es als Erfolg, dass die Frage der Begrenzung der Manager-Boni nicht gänzlich verworfen wurde. Alle Länder der G-20 hätten den Vorschlägen Frankreichs Rechnung getragen, auch diejenigen, die in keiner Erklärung das Wort "Begrenzung" erwähnt haben wollten, sagte Lagarde nach dem Gipfel.

Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) reklamierte im Streit um die künftige Regulierung von Managergehältern einen Erfolg für sich: "Ich bin sehr zufrieden, dass meine G-20-Kollegen, den Vorstellungen, die insbesondere Frankreich und Deutschland vorgelegt haben, weitgehend gefolgt sind", sagte er der "Welt am Sonntag". Um Gefahren für das Finanzsystem einzudämmen, müssten sich Vergütungssysteme künftig an der längerfristigen Wertentwicklung der Finanzinstitute orientieren.

Neben ihrer Position zu Manager-Boni einigten sich die G-20-Finanzminister zudem darauf, ab März 2010 Sanktionen gegen Steuerparadiese zu verhängen, die sich gegen die Anpassung an internationale Normen wehren. Zudem soll im Kampf gegen die Wirtschaftskrise weiterhin finanzielle Nothilfe geleistet werden.

US-Finanzminister Tim Geithner sagte nach dem Gipfel, dass der internationalen Gemeinschaft trotz einer leichten Erholung der Wirtschaft noch "bedeutende Herausforderungen" bevorstünden. Auch der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, lobte die Fortschritte bei der Debatte um die Manager-Boni. In der weiter andauernden Wirtschaftskrise gebe es dennoch keinen Grund zur "Selbstgefälligkeit", sagte er.

Das Treffen der Finanzminister in London diente der Vorbereitung des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer Ende September in Pittsburgh in den USA.

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(AFP/ndi)
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