1. Politik
  2. Deutschland

Führungsfrage der CDU: Comeback der Merkel-Opfer

Führungskrise der CDU : Comeback der Merkel-Opfer

Norbert Röttgen möchte neuer CDU-Vorsitzender werden. Auch Friedrich Merz bringt sich wieder ins Spiel. Beide haben in ihrer Karriere schon gegen Merkel den Kürzeren gezogen. In diesem Club sind sie nicht alleine. Ein Überblick.

Kritiker hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer politischen Karriere viele – auch in den eigenen Reihen. Besonders einige Männer versuchten im Laufe der Jahre, Merkel ihre Ämter strittig zu machen. Erfolg hatte damit bislang keiner.

So ging es beispielsweise Norbert Röttgen, der am Dienstag seine offizielle Bewerbung auf den CDU-Parteivorsitz verkündete. Vor rund einer Woche hatte die amtierende Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer angekündigt, sich von diesem Amt zurückzuziehen. Damit ist die Führungsfrage in der CDU erneut offen, ebenso wie die Frage, wer bei der Bundestagswahl 2021 Kanzlerkandidat der Union werden wird.

Röttgen überraschte mit seiner Kandidatur auf den Parteivorsitz. Seit 2012 war der ehemalige Bundesumweltminister nicht mehr in der vordersten Front der deutschen Politik vertreten. Nach der Niederlage im NRW-Landtagswahlkampf war er von seinem Ministerposten zurück getreten – auf Druck Merkels.

Auch Friedrich Merz unterlag der Kanzlerin in der Vergangenheit. Er galt als rhetorische Hoffnung der Christdemokraten, seine Pläne für eine „Steuerreform auf dem Bierdeckel“ verfolgen ihn bis heute. 2002 löste Merkel ihn als Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag ab, danach wurde es ruhig um den Politiker. 2018 sah er seine Chance gekommen, wieder mehr politische Macht zu erreichen. Nachdem Angela Merkel ihren Parteivorsitz aufgegeben hatte, bewarb er sich auf das Amt, verlor jedoch gegen Kramp-Karrenbauer. Aus Merz’ Umfeld ist bekannt geworden, dass er nun erneut eine Kandidatur um den Vorsitz anstrebt.

Außerdem ist Merz Mitglied des sogenannten Andenpakts, eines inoffiziellen Netzwerks mehrerer CDU-Politiker, die zeitweise als Gegner von Angela Merkel galten. Zu dem Netzwerk gehören auch Roland Koch, Christian Wulff und Günther Oettinger. Auch Armin Laschet, der ebenfalls im Gespräch um eine mögliche Parteivorsitz-Kandidatur ist, wird seit 2019 zu dem Netzwerk dazu gezählt. Ursprüngliches Ziel des Andenpakts soll gewesen sein, Angela Merkel als Kanzlerin zu verhindern. Die Mitglieder wollten sich außerdem gegenseitig unterstützen und einander zu Macht verhelfen. Sie beschlossen, niemals gegeneinander anzutreten. Im Jahr 2003 kam die Absprache jedoch an die Öffentlichkeit. Heute ist nur noch ein Teil der Mitglieder als Politiker aktiv.

Mit Friedrich Merz versucht sich jedoch ein Mitglied des Andenpakts seit 2018 an die Spitze der CDU zu kämpfen und wieder Fuß in der Politik zu fassen. Auch Armin Laschet trauen viele nun zu, sich auf das Amt des Parteivorsitzes zu bewerben. Inwiefern die Absprache, nicht gegeneinander anzutreten, dann noch gilt, bleibt offen. Seit einigen Jahren sprechen die Mitglieder eher von einem Freundeskreis als von einem Pakt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Politiker sind an Merkel gescheitert

(mit dpa-Material)