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Friedrich Merz weckt Fühlingsgefühle in der CDU

Rückkehr des Ex-Fraktionschef : Merz weckt Frühlingsgefühle in der CDU

Das Echo in der Partei auf das Comeback von Friedrich Merz ist überaus positiv. Die Nachwuchsorganisation der Union hat sich jetzt für ein stärkeres politisches Engagement von Friedrich Merz ausgesprochen.

Durch die CDU in Nordrhein-Westfalen geht eine Art Ruck. Die Entscheidung des früheren Hoffnungsträgers der Union, Friedrich Merz (58), sich nach jahrelanger Abstinenz wieder in den Dienst seiner Partei zu stellen, hat vor allem in der nordrhein-westfälischen CDU ein überaus positives Echo ausgelöst. Der Landesvorsitzende Armin Laschet, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender ist, hat als Leiter der neuen Parteikommission "Zusammenhalt stärken - Zukunft der Bürgergesellschaft" seinen Duzfreund Merz für die Mitarbeit gewinnen können.

"Ich finde das einfach gut", sagt der frühere Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag, Karl-Josef Laumann, der jetzt Pflegebeauftragter der Bundesregierung ist. Merz sei einer der profiliertesten Köpfe der Union. "Ich glaube, dass die Kompetenz von Herrn Merz der CDU in ganz Deutschland, also auch in Nordrhein-Westfalen, guttut", so Laumann, der den Parteibezirk Münsterland leitet.

"Das ist klasse"

Oliver Wittke, Vorsitzender des CDU-Bezirks Ruhr, äußert sich geradezu begeistert: "Das ist klasse. Davon brauchen wir mehr." Auch der Chef des Bezirks Bergisches Land, Herbert Reul, sagt: "Ich freue mich, dass Friedrich Merz in der Kommission mitarbeitet." Der neue Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, hofft, dass Merz weitere Aufgaben in der CDU übernehmen wird: "Wir brauchen diesen Typus Politiker in der Union."

Die große Frage ist allerdings, ob Merz seine Mitarbeit in der CDU-Kommission tatsächlich als Beginn eines parteipolitischen Comebacks geplant hat. Er hat in den vergangenen Jahren zwar Julia Klöckner (Rheinland-Pfalz) und Norbert Röttgen (Nordrhein-Westfalen) beraten, doch nach außen ist er damit nicht in Erscheinung getreten. Was er wirklich vorhat - vielleicht weiß es niemand außer ihm selbst derzeit.

Nicht auszuschließen jedenfalls, dass CDU-Landeschef Laschet in einem zweiten Schritt versuchen wird, Merz in sein Team zur Landtagswahl 2017 einzubinden. Von der Wirtschaftskompetenz des früheren Bundespolitikers könnte die Landespartei, die auf diesem Feld arg ins Hintertreffen geraten ist, nur profitieren. Es wäre auch ein starkes Stück Opposition gegen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), deren Stern längst an Strahlkraft eingebüßt hat.

Ein stärkeres Engagement von Merz würde in der NRW-CDU daher nur allzu gern gesehen. "Friedrich Merz ist wertvoll für die CDU. Wir wissen, was wir an ihm haben. Je mehr er macht, desto besser für uns", sagt der Vorsitzende des CDU-Bezirks Südwestfalen, Klaus Kaiser. Auch Oliver Wittke sieht das so. Merz sei "in der nordrhein-westfälischen CDU herzlich willkommen, mitzutun und sich einzubringen".

Ein Parteifreund des früheren CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden verweist unterdessen auf den längst eingeleiteten sanften Ausstieg des bald 59-jährigen Rechtsanwalts aus der Düsseldorfer Kanzlei Mayer Brown und den gleichzeitigen Ausbau seines Arnsberger Büros in seiner sauerländischen Heimat. Der Parteifreund meint, auch wenn Laschet gegenwärtig alles tue, sich als den Urheber des Comeback-Coups darzustellen, sei es vielmehr so: Friedrich Merz wolle und werde um jeden Preis seine politische Zukunft selbst bestimmen. Als politischer Generalist, der sowohl auf dem Feld der Wirtschafts- und Finanzpolitik als auch in der Gesellschafts- und Außenpolitik etwas zu sagen habe, lasse sich Merz nicht, wie das von Laschet beabsichtigt sei, auf das Etikett "Wirtschaftsexperte" festlegen.

Referat zur "Digitalen Gesellschaft"

Der Sauerländer, der am Montag in der Berliner Parteizentrale zum Auftakt der Kommissionarbeit ein 15-minütiges Referat zur "Digitalen Gesellschaft" hielt, hat sich seine Mitwirkung in der Programmkommission offenbar gründlich überlegt. Er habe sich genau nach den Sitzungsterminen erkundigt, um präsent sein und zu 100 Prozent mitarbeiten zu können, heißt es.

Der Düsseldorfer CDU-Vorsitzende Thomas Jarzombek, der dem Bundestag angehört, sagt zu Merz' Engagement: "Ich finde das gut, er bereichert unsere Partei sehr. Allerdings ist ein Sitz in einer Kommission eben auch nur ein Sitz in einer Kommission. Und auf die Impulse bin ich gespannt.

Er wird sich neu beweisen müssen, gerade auch bei Themen wie der digitalen Transformation." Der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, meint dagegen kurz und prägnant: "Ein Friedrich Merz tut der Union immer gut."

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(RP)