1. Politik
  2. Deutschland

Fridays for Future: Wahlergebnis keine Niederlage für Klimaschutz

Fridays for Future zur Bundestagswahl : „Das Wahlergebnis ist keine Niederlage für den Klimaschutz“

Die Pläne keiner Partei reichen aus Sicht der Klimabewegung aus, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, auch nicht die der Grünen. Aber Parteien können unter Druck über sich hinauswachsen, bilanziert die bundesweite Sprecherin der Bewegung mit Blick auf die Große Koalition.

Bei keiner Wahl in Deutschland stand Klimaschutz so im Mittelpunkt wie dieses Jahr. Trotzdem haben die Parteien das Thema nicht ernst genug genommen, sagt Pauline Brünger von Fridays for Future. Als „verlogen“ bezeichnet die bundesweite Sprecherin der Bewegung den Wahlkampf. „Die Parteien haben das Märchen verbreitet, dass man das Klimaschutz-Ziel erreichen kann und gleichzeitig sich nichts ändert“, sagt Brünger. Sie ist aber vorsichtig optimistisch für die kommende Bundesregierung.

„Das Wahlergebnis ist keine Niederlage für das Thema Klimaschutz“, sagt Brünger. Die Tage davor hätten gezeigt, dass das Thema viele Menschen bewegt. Mehr als eine halbe Million Menschen sind am Freitag vor der Bundestagswahl in Deutschland auf die Straße gegangen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Der Druck hat aus Sicht von Brünger gewirkt. „Alle demokratischen Parteien haben sich zum 1,5-Grad-Ziel bekannt. Sie alle haben das Thema Klimaschutz als große Priorität kommuniziert und wurden dafür auch gewählt.“ Nun kommt es aus Sicht der Aktivistin auf die Umsetzung an. „Alle Parteien müssen ihre Ambitionen und Maßnahmen völlig neu überdenken und an die Realität der Klimakrise anpassen.“ Denn die bisherigen Pläne reichten nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. „Auch bei den Grünen nicht.“

Von Gesprächen über mögliche Koalitionen hält sich die Bewegung lieber fern. „Darüber müssen sich andere Gedanken machen“, sagt Brünger. Das sei nicht die Rolle von Fridays for Future. Unabhängig ob Ampel, Jamaika, Große Koalition oder welche Konstellation auch immer, für die Aktivistin ist klar: „Wir müssen weiter Druck auf die Parteien ausüben.“ Gleichzeitig hat Hauptorganisatorin Luisa Neubauer den Versuch von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet, trotz Wahlverlusten die kommende Bundesregierung anzuführen, als „lächerlich“ bezeichnet. „Die Union weiß selber, dass das lächerlich wäre“, sagte Neubauer dazu am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Mit Blick auf die Große Koalition zieht Brünger eine überraschend positive Bilanz. „Wir haben gesehen, dass Parteien über sich hinauswachsen können. Auch SPD und CDU haben in den vergangenen Monaten vieles für den Klimaschutz beschlossen, was vor vier Jahren nicht im Koalitionsvertrag stand“, sagt sie. Das sei vor allem der starken Klimabewegung zu verdanken.