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Frauenquote: Gesetz soll mehr Frauen in Vorstände bringen

Unternehmensvorstände : Kabinett bringt Frauenquote auf den Weg

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern mindestens ein Frau sitzen muss. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung begrüßt die Einführung, hält die Wirkungen aber für sehr begrenzt.

Die vom Bundeskabinett beschlossene Frauenquote für Unternehmensvorstände ist aus Sicht der beiden verantwortlichen Ministerinnen ein Meilenstein für mehr Frauen in Führungspositionen. „Es war nicht leicht, in der Koalition eine Einigung hinzubekommen. Wir haben das nach viel Diskussionen, nach viel Bemühen geschafft. Darauf bin ich stolz“, sagte Familienministerin Franziska Giffey (SPD) am Mittwoch in Berlin nach dem Kabinettsbeschluss.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Einführung einer Frauenquote für die Vorstände der größten deutschen Unternehmen begrüßt, hält die Wirkungen jedoch für sehr begrenzt. „Die verbindliche Frauen-Mindestbeteiligung für Vorstände mit mehr als drei Mitgliedern ist ein wichtiges gleichstellungspolitisches Signal”, sagte Katharina Wrohlich, die Chefin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW unserer Redaktion. „In den meisten Unternehmen in Deutschland geht es mit Blick auf die Vorstände weiterhin eher im Schneckentempo voran, wie das DIW Managerinnen-Barometer auch in diesem Jahr wieder zeigen wird”, sagte Wrohlich. „Die Mindestbeteiligung von Frauen in Vorständen wird das nicht sofort auf den Kopf stellen, dafür gilt sie für zu wenige Unternehmen.” Aber sie könne Signale senden und mehr Frauen als Vorbilder in hohe Führungspositionen bringen. „Das gibt bestenfalls gleichstellungspolitische Impulse in die gesamte Gesellschaft, insbesondere durch das Aufbrechen geschlechterstereotyper Zuschreibungen”, so de DIW-Forscherin.

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach von einem guten Tag für all die hochqualifizierten Frauen in Deutschland. „In Zukunft zählt die Qualifikation bei der Besetzung von Vorstandspositionen und nicht das Geschlecht.“ Die Frauenquote sei auch ein wichtiges Signal für junge Frauen: „Wer sich gut qualifiziert, wer sich entsprechend aufstellt, bekommt auch die Chance, die ihr oder ihm zusteht“, sagte Lambrecht.

Das Kabinett hatte am Mittwoch einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern mindestens ein Frau sitzen muss. Für Unternehmen mit einer Mehrheitsbeteiligung des Bundes gibt es noch strengere Regeln: Hier soll generell bereits bei mehr als zwei Mitgliedern in der Geschäftsführung mindestens eine Frau sein.

Außerdem müssen Firmen künftig speziell begründen, wenn sie für den Vorstand, die beiden obersten Führungsebenen unterhalb des Vorstands und den Aufsichtsrat ohne Frauen planen. Die Sanktionen bei Verletzung der Berichtspflichten sollen schärfer werden.

Nach dem Kabinettsbeschluss muss der Gesetzesentwurf noch durch das parlamentarische Verfahren. Der Prozess solle noch in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden, sagte Giffey.

Auch die Vorsitzende des Vereins Pro Quote Medien, Edith Heitkämper, kritisierte das Gesetz als unzureichend. „Das Gesetz ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber es reicht längst nicht aus. Leider wurde die Chance verpasst, eine generelle Quote für Frauen in Vorstandspositionen zu schaffen. Das Gesetz gilt für eine zu kleine Gruppe von Unternehmen. Es gibt viel zu viele Ausnahmen“, sagte Heitkämper. Der Verein Pro Quote setzt sich dafür ein, mehr Frauen in Führungspositionen der deutschen Medien zu bringen.

(mar/ahar/dpa)