Frau, Ost, jung - Linda Teuteberg will die Mitte für die FDP erobern

Generalsekretärin : Die neue starke Frau der FDP heißt Linda Teuteberg

Wenn Nicola Beer Parteivize wird, soll die Brandenburgerin Linda Teuteberg ihr als FDP-Generalsekretärin nachfolgen. Damit setzt Parteichef Lindner ein Signal.

  Frau, Ost, jung. Mit der Entscheidung für die Brandenburgerin Linda Teuteberg (37) als neue Generalsekretärin hat FDP-Chef Christian Lindner ein deutliches politisches Signal gesetzt. Der zuletzt mit ebenfalls großen Chancen gehandelte NRW-Generalsekretär Johannes Vogel (36) hätte nicht nur ein Mann-West-jung-Profil geliefert. Er hätte auch die Vermutung verstärkt, dass die FDP in der Lage sein will sich schnellstmöglich für einen vorgezogenen Bundestagswahlkampf fit machen zu können. Die anders als Vogel noch ohne Generalsekretärserfahrung ausgestattete Teuteberg hat dafür offenbar auch aus Lindners Sicht noch zwei Jahre Zeit und kann ihr Gesellinnenstück in diesem Jahr bei den drei Landtagswahlen im Osten aus vielversprechender Perspektive abliefern.

Sowohl in Sachsen als auch in Thüringen und Brandenburg wird die FDP in den Umfragen gerade oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde gesehen. Daran war sie bei den letzten Landtagswahlen gescheitert. Teuteberg hat sich fachpolitische Anerkennung auf dem gerade im Osten wichtigen Thema Flüchtlinge und Migration erworben. Das war ihrer Vorstellung in der Parteizentrale deutlich anzumerken. Während sie auf Fragen nach dem Klimaschutz ausweichend und mit dem Hinweis antwortete, das sei bislang noch nicht ihr Schwerpunkt gewesen, parierte sie alle aktuellen Fragen nach der Migrationsgesetzgebung der Bundesregierung schon ganz im Stil einer professionellen Generalsekretärin. Und zwar mit dem von Lindner vorgegebenen Profil einer Ausfüllung der Position in der verwaisten Mitte. Die FDP wolle bei der Fachkräftemigration mehr als die Union und bei der konsequenten Abschiebung mehr als die SPD, unterstrich Teuteberg. Stärker als bisher will sie den „Kampf um die demokratische Mitte führen.“

Glaubwürdiger als jeder West-Politiker kann sie auf spezielle ostdeutsche Befindlichkeiten reagieren und etwa die besondere Sensibilität der Ostdeutschen beispielsweise bei der demografischen Entwicklung herausstellen. Ein Konzept für mehr FDP im Osten will sie beim Parteitag Ende nächster Woche in Berlin vorlegen.

Teuteberg gehört zu den FDP-Frauen mit Turbo-Karriere. 1998 trat sie den Jungen Liberalen bei, zwei Jahre später der FDP. 2009 saß sie im brandenburgischen Landtag, 2011 im Bundesvorstand. Bei der Wiederwahl 2013 setzte sie sich durch, obwohl ihr eigener Landesverband den eigenen Fraktionschef bevorzugte. Nach dem Einzug in den Bundestag bewies sie bald ihre Teleginität auf dem heiklen Terrain der Flüchtlingspolitik. Den Rückhalt von Lindner hat sie deutlich. Als sie bei der Vorstellung die FDP zur Migration positioniert hatte und Lindner danach gefragt wurde, wie er als Vorsitzender die Beschlüsse der Bundesregierung fände, verwies er lediglich auf Teuteberg: „Besser als sie kann ich das nicht.“

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