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Frank-Walter Steinmeier: "Wir haben Ebola unterschätzt"

Kampf gegen tödliches Virus : Steinmeier: "Wir haben Ebola unterschätzt"

Während sich die Lage in den westafrikanischen Ländern dramatisch verschlechtert, hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) eingeräumt, dass das Ausmaß der Ebola-Epidemie unterschätzt worden ist.

"Wir alle haben die katastrophalen Folgen von Ebola unterschätzt", sagte Steinmeier der "Bild am Sonntag". Jetzt beginne die "Aufholjagd". Der Minister zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Epidemie besiegt wird. Deutschland und Europa rief er zu verstärkten Anstrengungen im Kampf gegen die Seuche auf. Das Thema solle Priorität beim nächsten EU-Außenministertreffen haben.

Der Koordinator der Ebola-Hilfen der Bundesregierung, Walter Lindner, sagte vor seiner Reise nach Westafrika, der Höhepunkt der Epidemie sei noch nicht erreicht. Wenn alles gut laufe, könnte die Verbreitung von Ebola noch in diesem Jahr unter Kontrolle gebracht werden, sagte Linder dem Blatt. Zugleich dämpfte er Erwartungen, Deutschland könne in größerer Zahl Infizierte aus Afrika aufnehmen. Dies könne nur in Einzelfällen geleistet werden.

117 geeignete freiwillige Helfer aus Deutschland

Dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) stehen bislang 117 freiwillige Helfer zur Ebola-Bekämpfung in Westafrika zur Verfügung. Aus rund 1600 Meldungen und 350 konkreten Bewerbungen seien diese für geeignet befunden worden, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf DRK-Angaben. Unter ihnen seien 43 Ärzte. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) appellierte an die Deutschen, sich weiterhin für einen Hilfseinsatz zu melden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in der Krisenregion bislang mehr als 4000 Menschen an Ebola gestorben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Das DRK sucht seit Ende September für den Betrieb eines Krankenhauses und einer Behandlungsstation im westafrikanischen Krisengebiet Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger. "Jetzt geht es darum, weitere medizinische Helfer zu gewinnen und auszubilden, damit die Hilfe rasch vor Ort ankommt", sagte Minister Gröhe der "Welt am Sonntag".

Aus Sorge vor einem Ausbruch des Virus probte Großbritannien derweil am Samstag den Ernstfall. Getestet werden sollte, ob das Gesundheitssystem des Landes einer solchen Situation Herr werden kann. Gesundheitsminister Jeremy Hunt zog nach der achtstündigen Simulation ein positives Fazit. An der von Premierminister David Cameron angeordneten Übung beteiligten sich 750 Ärzte, Rettungskräfte, Krankenhausmitarbeiter und Schauspieler.

In Deutschland besteht nach Einschätzung von Minister Gröhe kein Grund zur Sorge. Es gebe "hervorragend ausgestattete Behandlungszentren", die auf den Umgang mit hoch ansteckenden Krankheiten spezialisiert seien, sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post" (Samstag). Die Notfallpläne für den Umgang mit Erkrankten würden regelmäßig geübt. In den USA und Spanien hatte es zuletzt auch Ebola-Fälle außerhalb Afrikas gegeben. Derzeit werden in Deutschland zwei Ebola-Patienten behandelt, einer in Frankfurt am Main, der andere in Leipzig.

Auf dem New Yorker John F. Kennedy-Flughafen werden Flugreisende aus von Ebola betroffenen Ländern seit Samstag nach der Ankunft auf mögliche Symptome untersucht. Nach US-Medienberichten begann damit der New Yorker Flughafen als erster von fünf großen US-Airports mit dem Screening begonnen. In den nächsten Tagen sollen die internationalen Flughäfen in Newark, Chicago O'Hare, Washington Dulles und Hartsfield-Jackson in Atlanta dem Beispiel folgen.
Ähnliche Prüfungen in Deutschland sind vorerst nicht geplant.

Entwarnung dagegen in Mazedonien: Ein dort verstorbener Brite ist nach offiziellen Angaben nicht einer Ebola-Erkrankung erlegen. "Der Patient hatte nicht das Ebola-Virus", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in dem Balkanstaat am Samstag. Dies hätten Tests eines Labors in Hamburg ergeben. Eine Obduktion soll nun die Todesursache klären.

(AFP/dpa)