Klimaschutz Forscher will nicht im Dienst fliegen und verliert seinen Job

Berlin · Gianluca Grimalda weigert sich, von einer dienstlichen Forschungsreise in Papua-Neuguinea zurück nach Deutschland zu fliegen. Er will per Schiff, Zug oder Bus reisen, um das Klima zu schonen. Sein Arbeitgeber, das Institut für Weltwirtschaft Kiel, entließ ihn.

 Gianluca Grimalda bei seiner Forschungsreise in Papua-Neuguinea.

Gianluca Grimalda bei seiner Forschungsreise in Papua-Neuguinea.

Foto: Gianluca Grimalda

Eigentlich sollte Gianluca Grimalda seit Anfang Oktober wieder in seinem Büro in Kiel sitzen. Doch nun ist der Verhaltensökonom am Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel seinen Job los. Grimalda hatte sich aus Klimaschutzgründen geweigert, von seiner Forschungsreise nach Papua-Neuguinea mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland zu reisen. Rückkehr-Fristen seines Arbeitgebers ließ er verstreichen.

Grimalda hat in den vergangenen sechs Monaten auf der Pazifik-Insel Bougainville die sozialen Anpassungen an den Klimawandel untersucht. Seine Feldstudie sollte im Juli enden, er selbst sollte Mitte September zurück am Institut in Kiel sein. Eine langwierige Rückreise auf dem See- und Landweg war in diesem Zeitplan vorgesehen. Denn: Grimalda will nicht fliegen, wenn es auch Reisemöglichkeiten an Land oder zu Wasser gibt. Aus Klimaschutzgründen reist er bewusst mit anderen Verkehrsmitteln und will mit dem Verzicht auf Flüge seinen CO2-Fußabdruck so klein wie möglich halten; auf dem Hinweg hatte er 16.000 der 22.000 Kilometer geschafft, ohne fliegen zu müssen. Das Festhalten an diesen Prinzipien hat ihn nun seine Anstellung gekostet.

Seine Forschungsarbeiten hätten sich um gut eineinhalb Monate verlängert, erklärte Grimalada auf Anfrage; so habe er nicht wie geplant im September in Kiel sein können. Daraufhin habe ihm das Institut in Kiel eine Rückkehrfrist gesetzt, die er nur mit einer Flugreise hätte einhalten können. Diese Anordnung empfand Grimalda als „moralische oder psychologische Erpressung“, wie er unserer Redaktion mitteilte. Schließlich wisse man am IfW um seine klimabewussten Reisen. „Ich habe mich schon vor langer Zeit dazu entschlossen, den Schutz des kollektiven Wohlergehens der menschlichen und tierischen Arten über meine persönlichen Interessen zu stellen.“

Er könne ebenso gut von unterwegs arbeiten und sei auch bereit gewesen, für die Zeit der Rückreise auf sein Gehalt zu verzichten. Entsprechende Verhandlungsversuche seien gescheitert. Dass sein Arbeitgeber die CO2-Emissionen für seinen Flug finanziell kompensiere, habe er abgelehnt, weil er dem Emissionshandel nicht traue.

Anfang Oktober war der streitbare Forscher an die Öffentlichkeit gegangen und hatte in sozialen Netzwerken Unterstützung bekommen. Grimalda hatte sich in der Vergangenheit bei Aktionen der Gruppe „Scientist Rebellion“ für Klimaschutz eingesetzt. Nach eigenen Angaben erhielt er am 11. Oktober die Kündigung.

Das Institut wollte sich mit Verweis auf die Vertraulichkeit von Personalangelegenheiten zu dem konkreten Fall zunächst nicht äußern. Der IfW-Sprecher Guido Warlimont sagte unserer Redaktion: „Generell unterstützen wir es, dass unsere Mitarbeiter klimafreundlich reisen“. So habe das Institut bei dieser Reise und auch in der Vergangenheit das langsame, aber klimabewusste Reisen Grimaldas unterstützt. Alle Dienst- und Forschungsreisen müssten aber „vorab abgestimmt und genehmigt werden“.

Inzwischen ist Grimaldas Profil auf der Website des Instituts nicht mehr erreichbar. Gegen seine Kündigung, die zwischenzeitlich von mehreren Medien gemeldet wurde, will Grimalda nun rechtlich vorgehen.

Arbeitnehmer achteten zunehmend darauf, wie ihr Unternehmen gesellschaftlich und in Sachen Umweltschutz handele, betont Lina Binder, Sprecherin des Personaldienstleisters Adecco. Und eine Studie des Personaldienstleisters Randstad zeigte im vergangenen Jahr, dass 38 Prozent der deutschen Arbeitnehmer keinen Job akzeptieren würden, wenn sich das Unternehmen nicht aktiv für die Umwelt einsetzt. Dass sich jemand wie in Grimaldas Fall auf eine 40- bis 50-tägige Reise begibt, statt zu fliegen, sei zwar ein spezieller Fall, sagt Binder. Konflikte zwischen Klimaschutzbemühungen und Dienstweisungen würden in Zukunft aber wohl häufiger.