Forderung an die Länder Kommt bald das „Deutschlandticket Fahrrad“?

Exklusiv | Berlin · Der Preis bleibt stabil. Doch noch fehlt die versprochene, einheitliche Regelung für die Mitnahme von Fahrrädern, wenn man das 49 Euro-Ticket nutzt. Die Bundesregierung sieht die Länder in der Verantwortung.

49-Euro-Ticket: Alle bislang bekannten Fakten zur neuen Monatskarte
Infos

Alles, was Sie zum 49-Euro-Ticket wissen müssen

Infos
Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der Preis bleibt weiter heiß. In diesem Jahr soll das 49-Euro-Ticket für die bundesweite Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs nicht teurer werden, darauf einigten sich kürzlich die Verkehrsminister. Nun wächst der Druck, das Fahrschein-Pauschalabo weiter zu verbessern – etwa durch eine einheitliche Regelung für die Mitnahme von Fahrrädern.

Die gibt es jedoch noch nicht. Es gilt der alte Flickenteppich. Jeder Verkehrsverbund hat seine eigenen Tarife, mal ist die Mitnahme kostenlos, mitunter nur zu bestimmten Uhrzeiten, mal muss man einige Euro bezahlen. Die Grünen im Bundestag schlagen daher jetzt eine Harmonisierung der Beförderungsbedingungen vor. Verkehrsexpertin Nyke Slawik sagte unserer Redaktion, das würde Klarheit schaffen „und Ärgernisse beim Verlassen der Verbundgrenzen mit ungültigem Zusatzticket beseitigen“.

Vorstellbar sei etwa ein „Deutschlandticket Fahrrad“. Dafür benötige es „die Schaffung eines einheitlichen Fahrradtarifs“, so die Expertin. Man wolle zudem weitere Verbesserungen: „Wir betrachten die Entlastung von Familien als dringlichstes Ziel und wollen deshalb die Mitnahme von Kindern bis 14 Jahren auf dem Ticket deutschlandweit verwirklichen“, sagte Slawik.

Auch die FDP sieht hier Handlungsbedarf. Der für den Fahrradverkehr zuständige Abgeordnete Valentin Abel sagte unserer Redaktion: „Für die Ausgestaltung des ‚Deutschlandtickets‘ wie auch für die Organisation des gesamten ÖPNV-Systems sind die Bundesländer zuständig. Ich fände es gut, wenn es flächendeckend die gleichen Mitnahmeregeln beim ‚Deutschlandticket‘ gäbe.“ Diese Entscheidung liege bei der Verkehrsministerkonferenz. „Der Ball liegt eindeutig im Feld der Länder“, so Abel.

Einem Sprecher des Bundesverkehrsministeriums von Volker Wissing (FDP) zufolge gibt es dazu noch keine einheitliche Position. Die Ursachen für die unterschiedlichen Regelungen seien vielfältig „und bedürfen weiterer Abstimmungen insbesondere zwischen den Ländern“, so der Sprecher des Ministeriums. Aus Kreisen der Verkehrsminister hieß es, die Kapazitäten im Schienenpersonennahverkehr – erst recht im Busverkehr – ließen nicht überall eine kostenfreie Fahrradmitnahme rund um die Uhr zu. Viele Verkehrsunternehmen befürchteten erhebliche Konflikte zwischen Reisenden mit Fahrrad und sonstigen Reisenden, etwa Eltern mit Kinderwagen, „wenn die Fahrradmitnahme kostenfrei in das ‚Deutschlandticket‘ inkludiert wird“. Bund und Länder hätten vereinbart, das „Deutschlandticket“ nach zwei Jahren zu evaluieren. „Spätestens im Rahmen der Evaluation wird auch die Vereinheitlichung von Mitnahmeregelungen erneut diskutiert werden“, hieß es.

Dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) dauert das allerdings zu lang: „Wir finden es bedauerlich, dass die Fahrradmitnahme im Nahverkehr weiterhin unnötig kompliziert und teuer ist“, so Sprecherin Stephanie Krone. Fahrradtickets müssten fast überall umständlich zum „Deutschlandticket“ hinzugekauft werden. Um die Menschen aber im großen Stil aus den Autos und in den klimafreundlichen Verkehr zu locken, „brauchen wir eine grundsätzlich kostenfreie Fahrradmitnahme in Nahverkehrszügen. Einfach mit dem ‚Deutschlandticket‘ einsteigen – und fertig.“ Dazu müssten allerdings auch die Mitnahmekapazitäten ausgebaut werden, „denn die sind mehr als dürftig. Außerdem brauchen wir 1,5 Millionen neue Fahrradparkplätze an Bahnhöfe“, forderte Krone.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort