Flugtaxis: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will neue Gesetze

Vor ersten Probeflügen : Scheuer will schnell neue Gesetze für Flugtaxis

In Ingolstadt wurde am Montag das erste Flugtaxi-Modell vorgestellt. Jetzt will der Bundesverkehrsminister so schnell wie möglich rechtliche Rahmenbedingungen schaffen. Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband hält Flugtaxis noch über Jahrzehnte für unrealisierbar

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will schnell rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Flugtaxis in Deutschland schaffen. In seinem Ministerium werde schon über Flugrouten zum Münchner Airport diskutiert, sagte Scheuer am Montag bei der Vorstellung des ersten Flugtaxi-Modells von Airbus in Ingolstadt. Die Gesetze dürften nicht erst geschaffen werden, wenn die Ingenieure die Fluggeräte fertig entwickelt haben. Beides müsse zeitgleich passieren.

In der Nähe der oberbayerischen Stadt soll der „CityAirbus“ in wenigen Monaten auf einem Testgelände erste Probeflüge machen. Flüge über bewohntem Gebiet sind noch nicht erlaubt. Ingolstadt ist eine europäische Modellregion zur Erprobung von Passagierdrohnen. Das Airbus-Modell hat vier Sitzplätze, kann ohne Pilot fliegen und wird elektrisch angetrieben.

In Zukunft soll es feste Routen beispielsweise von Innenstädten zu Flughäfen geben. „Flugtaxis sind kein Ersatz für Busse und Bahnen“, sagte Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel (CSU). Sie seien vielmehr als Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs zu sehen.

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) betonte bei der Präsentation, dass es neben Airbus noch eine Reihe anderer Hersteller von Flugtaxis in Deutschland gebe. Ziel sei, „dass Deutschland in dieser neuen Technologie Weltmarktführer wird“, hatte Bär zuvor unserer Redaktion gesagt.

Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband hält Flugtaxis noch über Jahrzehnte für unrealisierbar und sieht darin auch nur ein Beförderungsmittel für Reiche. „Es wird ein Beförderungsmittel für die Begüterten sein, für den Milliardär, der mit dem Privatjet zum Flughafen fliegt und sich von dort mit einem Flugtaxi auf das Dach seines Hotels in der Innenstadt fliegen lässt. Das ist nichts für die normalen Menschen“, sagte Verbandsgeschäftsführer Thomas Grätz. Sobald ein Flugtaxis keine technische Spielerei mehr sei, sehe er seine Branche bedroht. Das werde aber noch lange nicht der Fall sein.

Zunächst einmal müsste auch eine neue Sicherheitsstrategie für den Luftverkehr erarbeitet werden. „Vielleicht wird es im Laufe dieser Legislaturperiode so etwas wie einen Jungfernflug über 200 Meter geben, aber dass Flugtaxis ein normales und kommerzielles Transportmittel werden, werde ich nicht mehr erleben“, sagte Grätz, in dessen Verband nach eigenen Angaben rund 65 Prozent der Taxiunternehmen organisiert sind.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Airbus stellt Flugtaxi in Ingolstadt vor

(kd/cpas/dpa)
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