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Flüchtlingskinder: Integrationsstaatsministerin Widmann-Mauz fordert sofortige Aufnahme

„Warten muss ein Ende haben“ : Widmann-Mauz fordert sofortige Aufnahme von Flüchtlingskindern

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz hat Bundesinnenminister Horst Seehofer aufgefordert, die deutsche Zusage zur Aufnahme mehrerer Hundert Kinder aus griechischen Flüchtlingslagern umgehend einzulösen.

„Das Warten muss ein Ende haben. Wir müssen den Kindern jetzt endlich helfen“, sagte die CDU-Politikerin unserer Redaktion. Die EU solle die Flüchtlingskinder zügig zumindest an die Staaten verteilen, die die Aufnahme in einer „Koalition der Willigen“ beschlossen haben und sich dazu trotz der Corona-Pandemie aktuell in der Lage sehen. Deutschland gehöre dazu. „Und Bundesinnenminister Seehofer muss jetzt zu seinem Wort stehen. Wir tragen dafür Sorge, dass die Kinder in Sicherheit kommen, bevor noch Schlimmeres passiert.“

Der CSU-Politiker hatte vor knapp zwei Wochen erklärt, dass er trotz der Einreisebeschränkungen an seiner Zusage festhalte, eine begrenzte Zahl minderjähriger Flüchtlinge aus den griechischen Lagern aufzunehmen – das Heft des Handelns liege bei der EU-Kommission. Widmann-Mauz sagte: „Wir haben eine europäische Lösung. Es geht jetzt nur darum, wann es welchem Land möglich ist, seine Zusage auch umzusetzen.“ Sie habe Verständnis, dass Länder wie Frankreich wegen der Corona-Krise mit der Aufnahme noch warten müssten. „Aber das darf kein Grund sein, dass andere Länder wie Deutschland, in denen die Aufnahme aktuell noch möglich wäre, einfach abwarten.“ Die Kinder würden nach ihrer Ankunft in Deutschland auf das Coronavirus getestet und kämen zur Sicherheit in Quarantäne. Deutschland will vor allem kranke Kinder und ihre Familien aufnehmen, Mädchen unter 14 Jahren sollen besonders berücksichtigt werden.

Die zehn Staaten der sogenannten Koalition der Willigen – darunter Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Finnland, Litauen und Norwegen – hatten Anfang März vereinbart, insgesamt 1.600 besonders schutzbedürftigen Personen aus Griechenland aufzunehmen. „Doch bislang konnten kein einziges Kind, keine Frau und kein Mann die gefährlichen Lager verlassen“, sagte der Geschäftsführer von „Ärzte ohne Grenzen“ in Deutschland, Florian Westphal, am Donnerstag in Berlin. Die Europäische Kommission habe als Koordinierungsstelle noch keine Lösung für die Umsetzung gefunden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) müsse dringend die Evakuierung beschleunigen.