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Flüchtlinge und Migranten in Medien oft negativ dargestellt

„Einwanderung ist vor allem ein Angstthema“ : Flüchtlinge und Migranten in Medien oft negativ dargestellt

Wie ist die Wahrnehmung von geflüchteten Menschen in der Öffentlichkeit? Eine Studie legt nahe: Nicht besonders gut. Vor allem in Verbindung mit Straftaten werde über Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund berichtet, sagt nun eine Studie.

Flüchtlinge und Migranten kommen in deutschen Medien einer aktuellen Analyse besonders häufig als Gewalttäter, Kriminelle oder sonstige Risikogruppen vor. Das geht aus einer Untersuchung des Hamburger Journalistik-Professors Thomas Hestermann im Auftrag des Mediendienstes Integration hervor, die am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurde. In jedem vierten untersuchten Beitrag (gut 25 Prozent) gehe es um Einwanderer und Geflüchtete, denen eine Gewalttat angelastet werde. Knapp drei Prozent der Beiträge handelten hingegen von ausländischen Gewaltopfern. „Einwanderung ist vor allem ein Angstthema“, sagte Hestermann.

Etwa 36 Prozent der Berichterstattung handele von Rechtsverstößen, Kosten, Überfremdung und anderen Risiken. 15 Prozent stellten indes Chancen in den Vordergrund. Lediglich in Beiträgen zu Arbeitsmarkt und Sozialstaat würden die Chancen mit knapp 66 Prozent stärker hervorgehoben als die Risiken mit gut 34 Prozent. Von den untersuchten Medien hat neben den Fernsehsendern vor allem die „Bild“-Zeitung besonders auf Risiken bei Menschen mit ausländischen Wurzeln betont (rund 47 Prozent). Die Zeitung „Die Welt“ betone hingegen die Chancen der Einwanderung am meisten (knapp 38 Prozent), mehr noch als die Tageszeitung „taz“ (rund 24 Prozent).

Flüchtlinge und Einwanderer selbst kämen mit etwa zwölf Prozent kaum zu Wort. Die Organisation Pro Asyl finde in 1,2 Prozent der untersuchten Beiträge Gehör. Die großen christlichen Kirchen und ihre Hilfswerke spielten medial keine Rolle (0,2 Prozent). Für das Gutachten wurden Hauptnachrichten und Boulevardmagazine der acht reichweitenstärksten bundesweiten Fernsehsender sowie von fünf auflagenstarken bundesweiten Tageszeitungen über vier Wochen im November 2019 analysiert.

(mja/epd)