Flüchtlinge: Im Jahr 2016 bereits über 1800 Übergriffe

Auch Helfer betroffen : Bereits über 1800 Übergriffe auf Flüchtlinge im Jahr 2016

Beleidigung, Volksverhetzung, mehr als 170 Fälle gefährlicher Körperverletzung: In Deutschland sind seit Jahresbeginn schon mehr als 1800 Straftaten gegen Flüchtlinge und Asylbewerber verübt worden.

Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag hervor. Zu den Städten und Gemeinden, aus denen besonders viele Übergriffe auf Schutzsuchende gemeldet wurden, gehörten demnach Berlin, Cottbus, Chemnitz, Flensburg, Dresden, Konstanz und Guben in Brandenburg. Bundesweit wurden zu den Angriffen auf Schutzsuchende 1189 Tatverdächtige ermittelt.

"Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden des Bundes ist weiterhin damit zu rechnen, dass die rechte Szene die Asyldebatte instrumentalisieren wird", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Freitag auf Anfrage. In diesem Zusammenhang sei auch mit "schweren Gewaltstraftaten" zu rechnen. Neben Straftaten von radikalisierten Einzeltätern und kleinen Gruppen sei auch "mit der Bildung terroristischer Vereinigungen zu rechnen".

Wie das Ministerium weiter mitteilte, meldeten die Bundesländer in den ersten drei Quartalen dieses Jahres insgesamt 1803 Übergriffe außerhalb von Unterkünften. Hinzu kamen weitere 813 Straftaten, die sich gegen bewohnte und unbewohnte Asylunterkünfte richteten. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2015 hatte das Bundeskriminalamt 1031 Angriffe auf Unterkünfte registriert. 2014 hatte die Polizei 199 solcher Straftaten gezählt.

Seit Jahresbeginn wurden laut Antwort der Bundesregierung zudem 142 Delikte bekannt, die sich gegen Flüchtlingshelfer und Hilfsorganisationen richteten. Meist ermittelte die Polizei wegen Beleidigung, Sachbeschädigung oder Volksverhetzung. Die Tatverdächtigen kamen den Angaben zufolge größtenteils aus dem rechten Milieu.

Die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlinge und Asylbewerber wird auf Initiative des Bundesinnenministeriums in diesem Jahr erstmals gesondert erfasst. Sie waren zuvor nur in der allgemeinen Kategorie "fremdenfeindliche Straftaten" aufgetaucht.

(isw/dpa)