Zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs: FDP will mehr Therapien für Pädophile

Zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs: FDP will mehr Therapien für Pädophile

Osnabrück (RPO). Zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs will die FDP bundesweit staatlich geförderte Beratungsstellen für pädophile Männer einrichten. "Das Berliner Beratungsprojekt 'Kein Täter werden' für pädophile Männer ist ein Erfolgsmodell, das deutschlandweit Schule machen sollte", sagte der rechtspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Christian Ahrendt, in einem Interview.

Ahrendt sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Ziel müsse es sein, möglichst in allen Bundesländern Therapieangebote aufzubauen. Die Liberalen wollen zudem anonyme Anlaufstellen für Opfer und Zeugen sexueller Übergriffe einrichten: "Dem Projekt 'Kein Täter werden' muss ein Projekt 'Kein Opfer werden' gegenüberstehen." Dieses Angebot könnte etwa von Jugendämtern oder dem Weißen Ring getragen werden. Das Budget der Bundesregierung müsse aufgestockt werden, um den Ausbau von Beratungs- und Therapieprogrammen zu finanzieren.

Zudem will die FDP eine Therapiepflicht bei Sexualdelikten zur Regel werden lassen. "Bei jeder Verurteilung wegen eines Sexualdelikts oder Besitzes von Kinderpornografie muss dem Täter eine sexualmedizinische Therapie auferlegt werden", sagte Ahrendt. Damit könne man auf Pädophile weit besser einwirken als mit jeder Strafverschärfung. Die Pläne sind Teil eines FDP-Eckpunktepapiers, das die Liberalen im April mit der Union beraten wollen.

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Unter Pädophilie versteht man eine Störung der Sexualpräferenz, bei der die sexuelle Ausrichtung auf Kinder vor der Pubertät bezogen ist und die nach aktuellem Wissensstand nicht heilbar ist. Seit Juni 2005 bietet die Berliner Charite im Rahmen eines Forschungsprojekts Betroffenen therapeutische Unterstützung. Sie sollen lernen, mit ihren sexuellen Impulsen so umzugehen, dass sie weder Kinder noch sich selbst schädigen.

(apd/das)