FDP vor dem Parteitag 2017: Liberale Jagd auf Wölfe und Wähler

FDP vor dem Parteitag: Liberale Jagd auf Wölfe und Wähler

Der FDP-Parteitag will ein Programm beschließen und einen Vorsitzenden Lindner wiederwählen, der als "James Dean vom Rhein" inszeniert wird.

Wenn die Präsenz im Netz auf die Chancen bei der Bundestagswahl schließen ließe, wäre Christian Lindner mit seiner FDP alle Existenzsorgen los. Dann hätte er die Liberalen nach dem tiefen Sturz im Herbst 2013 zurück ins Parlament geführt. Der laufende NRW-Wahlkampf ist allein auf ihn zugeschnitten, zeigt ihn schwarz-weiß im Unterhemd auf dem Weg zur Ikonen-Figur. Als "James Dean vom Rhein" feiert ihn das Marketing-Magazin "Horizont".

Aber ist Lindner für die Liberalen das, was Martin Schulz für die SPD bedeutet? Besteht also die Wahrscheinlichkeit, dass er beim am Freitag beginnenden Bundesparteitag als Heilsbringer mit 100 Prozent wiedergewählt wird? Eher nicht. Denn sosehr die Liberalen sich vom neuen Stil angezogen finden, so klassisch ist die Auseinandersetzung um Themen. Besonders dann, wenn sie optisch als möglicher Rechtsruck daherkommen.

Dazu hat Lindner mit einem schlichten "Ja" beigetragen. Das war seine Interview-Antwort auf die Frage, ob der türkischstämmige Nationalspieler Mesut Özil die Nationalhymne mitsingen solle. Die Reaktion war so scharf, dass er schnell die Erklärung hinterher warf, er wolle keine Hymnenpolizei. Doch der Verdacht, wie Özil wolle auch Lindner vor den Wahlen verstärkt auf "rechtsaußen" spielen, trifft zusammen mit geplanten Festlegungen auf anderen Feldern. Den Jungen Liberalen missfällt etwa die Zustimmung zu Abschiebungen nach Afghanistan oder die Absage an einen dauerhaften Doppelpass.

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Konstantin Kuhle, Chef der Jungen Liberalen, greift zudem einen auf NRW bezogenen Lindner-Vorstoß auf. Die Ankündigung, nach der Wahl die Mitglieder über einen möglichen Eintritt in eine Koalition entscheiden zu lassen, findet Kuhle eine "kluge und souveräne Herangehensweise" und ein gutes Mittel, um die Basis-Anbindung bei der FDP unter Beweis zu stellen. Und deshalb solle Lindner ein solches Vorgehen auch für die Bundestagswahl beherzigen. "Ein Mitgliederentscheid über eine Koalition bietet sich auf Bundesebene genauso an", sagt Kuhle.

FDP-Chef Christian Lindner will nicht ins Dschungelcamp

Während CDU und SPD ihre Wahlprogramme erst im Sommer vorlegen, werden die Liberalen bereits dieses Wochenende ihre Konzepte beschließen. Vieles richten sie noch deutlicher an den Chancen jedes Einzelnen aus, so etwa das Rentenmodell mit flexiblem Renteneinstieg ab 60. "Innovativ" versteht sich zudem ein Antrag, künftig Wölfe abzuschießen. Der von Lindner unterstützte Vorstoß will eine "Bestandsregulierung im Sinne eines nachhalitgen Interessenausgleichs zwischen Menschen und Artenschutz". Derzeit drohen Jägern eine hohe Geldstrafe und Gefängnis, wenn sie Jagd auf Wölfe machen.

(RP)