Über sechs Billionen Euro: Experte: Staatsverschuldung deutlich größer

Über sechs Billionen Euro: Experte: Staatsverschuldung deutlich größer

Berlin (RPO). Die Staatsverschuldung wird offiziell mit 1,9 Billionen Euro ausgewiesen. Tatsächlich steht der Fiskus viel tiefer in der Kreide. Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen kommt auf eine Summe von über sechs Billionen Euro.

"Noch viel stärker als die sichtbare Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen schlagen die Schulden, die in unserem Sozialstaat versteckt sind, zu Buche", sagte Raffelhüschen der "Welt". Seinen Angaben zufolge liegt die gesamte Schuldenlast der öffentlichen Haushalte bei 6,2 Billionen Euro statt der offiziellen 1,9 Billionen Euro.

Raffelhüschen rechnet zur Gesamtverschuldung oder "Nachhaltigkeitslücke" auch jene finanziellen Rücklagen hinzu, die der Staat eigentlich bilden müsste, um die künftigen Ausgaben finanzieren zu können - beispielsweise Pensionen für Beamte. "Vor allem versprechen wir mehr Sozialleistungen, als wir uns in Zukunft werden leisten können", sagte der Ökonom. Seit 2008 ist die Gesamtschuldenlast laut Raffelhüschen von 167 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 249 Prozent im laufenden Jahr in die Höhe geschnellt.

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Zur Begleichung dieser tatsächlichen Schuldenlast müsste jeder Bundesbürger - vom Neugeborenen bis zum Rentner - bis zum Lebensende zusätzlich zu seinen Steuern und Sozialabgaben jeden Monat 279 Euro an den Staat abführen, hat der Leiter des Forschungszentrums Generationenverträge berechnet. Davon entfielen 193 Euro auf die verdeckte Verschuldung und 86 Euro auf die sichtbare Staatsschuld. Lediglich mit neun Euro schlägt dabei laut Raffelhüschen die Wirtschaftskrise zu Buche. Nach seinen Worten ist die hohe Verschuldung "nicht der Krise geschuldet, sondern Ausdruck der Tatsache, dass wir seit Jahrzehnten über unsere Verhältnisse leben".

(DDP/ndi)