FDP-Chef Westerwelle reagiert empört Ex-RAF-Terrorist Wagner verteidigt Schleyer-Entführung

Berlin (RPO). Der ehemalige RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner hält die damalige Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer vor 30 Jahren auch im Nachhinein für richtig. FDP-Chef Guido Westerwelle reagierte mit Fassungslosigkeit auf die Aussagen Wagners.

Wagner sagte in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview der Zeitung "junge Welt": "Manche Ergebnisse unserer Überlegungen bleiben auch aus heutiger Sicht richtig. Wie die Entscheidung, Hanns Martin Schleyer zu entführen."

Schleyer sei wegen seiner NS-Vergangenheit und als damaliger Arbeitgeberpräsident, der bei Arbeitskämpfen "als Aussperrer" gewirkt habe, nicht zufällig ausgesucht worden. Der Fehler der RAF habe aber darin gelegen, dass sie aus dem "Politikum" Schleyer "einfach zu wenig gemacht" habe, sagte Wagner. Schleyer habe in der Bevölkerung nicht gerade als Sympathieträger gegolten. Damit hätte die RAF "politisch arbeiten müssen", sagte Wagner.

Mit Empörung hat unterdessen FDP-Chef Guido Westerwelle auf die Äußerung Wagners reagiert. "Das ist eine Verhöhnung der Opfer. Wir sind hellauf entsetzt, dass die Gnade des Staates mit der Rechtfertigung der eigenen Barbarei beantwortet wird", sagte Westerwelle der "Rheinischen Post".

"Es zeigt sich abermals, dass es keine Gnade ohne Reue geben darf, und es ist gut, dass Bundespräsident Köhler in diesem Sinne handelt", betonte der FDP-Chef mit Blick auf das von Köhler abgelehnte Gnadengesuch des inhaftierten RAF-Terroristen Christian Klar.

Schleyer wurde am 5. September 1977 von der RAF entführt, wobei die Terroristen seinen Fahrer und drei Polizeibeamte eines Begleitkommandos erschossen. Schleyer wurde am 18. Oktober 1977 erschossen.

Wagner war 1985 zu zweimal lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt worden, unter anderem wegen der Entführung und Ermordung Schleyers. Wagner wurde im Dezember 2003 nach 24 Jahren Haft und im Alter von 59 Jahren aus der Haft entlassen. Der damalige Bundespräsident Johannes Rau hatte ihn begnadigt.

(afp2)
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