Eine Begegnung mit dem Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, wie sind Sie wieder glücklich geworden?

Frankfurt · Vor elf Jahren trat Christian Wulff verbittert als Bundespräsident zurück. Auf ein Stück Himbeerkuchen, mit einem Stehaufmann, der weiß, wie man mit Niederlagen umgeht – und den einen oder anderen Ratschlag hat.

 Christian Wulff, der frühere Bundespräsident im Stadtpark Hannover.

Christian Wulff, der frühere Bundespräsident im Stadtpark Hannover.

Foto: Michael Loewa/laif

Die Amtseinführung von Recep Tayyip Erdogan stand eigentlich nicht in seinem Terminkalender. Der türkische Präsident hatte die Stichwahl vor ein paar Wochen gewonnen, feiern wollte er an einem Samstag Anfang Juni im Präsidentenpalast in Ankara. Geladen waren rund 80 Staats- und Regierungschefs zu einem Galadinner, Christian Wulff, der frühere deutsche Bundespräsident, zählte nicht dazu.

Doch dann erhielt Wulff einen Anruf. Ob er nicht nach Ankara reisen könne, kurzfristig, und die Bundesregierung vertreten? Also setzte sich Wulff in ein Flugzeug in die türkische Hauptstadt. Für ihn ist das nichts Ungewöhnliches: Weil ein Bundespräsident und ein Bundeskanzler nicht permanent überall sein können und wollen, greifen sie auf Ehemalige zurück. 2019 war Wulff zum Beispiel in Kiew, als ein gewisser Wolodymyr Selenskyj ins Amt eingeführt wurde. Doch in der Türkei sollte Wulff ein bestimmtes Bild verhindern.

Gerhard Schröder war auf Einladung Erdogans mit seiner Frau nach Ankara gereist. Soyeon Schröder-Kim postete ein Foto bei Instagram, bestellte herzliche Grüße und freute sich, ihren Geburtstag erstmals in der Türkei zu feiern, „und dann auch noch aus diesem besonderen Anlass“.

Wäre Christian Wulff nicht zu Erdogans Amtseinführung gereist, wären die Schröders die ranghöchsten deutschen Vertreter gewesen. Das wollte sich die Bundesregierung ersparen, und auf Wulff kann sie sich verlassen.