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Evelyn Zupke: Neue Opferbeauftragte für mehr Hilfen an SED-Opfer im Westen

Frühere DDR-Oppositionelle Evelyn Zupke : Opferbeauftragte Zupke für mehr Hilfen an SED-Opfer im Westen

Die frühere DDR-Oppositionelle Evelyn Zupke wurde am Donnerstag zur neuen Beauftragten für Opfer der SED-Diktatur gewählt. Sie setzt sich für mehr Hilfen für die Opfer ein, die im Westen leben.

Die am Donnerstag gewählte Beauftragte des Bundestages für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, sieht vor allem bei Hilfen für Opfer der SED-Diktatur, die heute in Westdeutschland leben, Verbesserungsbedarf. „Im Westen muss viel passieren", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag). „Denn es gibt viele Hilfen, zu denen die Betroffenen dort gar keinen Zugang haben. Es kann aber nicht sein, dass Hilfe davon abhängt, wo Menschen damals oder heute gewohnt haben.“ Ebenso fehle es im Westen an Beratungsnetzwerken.

Andere Gruppen wie die der Doping-Opfer seien „noch gar nicht gut erfasst“, so Zupke weiter. Und zahlreiche Opfer seien „psychisch so schwer geschädigt“, dass sie ein Anerkennungsverfahren gar nicht mehr schafften, deshalb zuweilen leer ausgingen und anschließend noch frustrierter seien. „An der Stelle muss ganz dringend etwas getan werden.“

Die Opferbeauftragte drängte zur Eile. „Die Betroffenen werden älter“, sagte sie. „Sie können auch nicht mehr überall hinreisen und sich Beratung und Hilfe holen.“ Deshalb müsse man handeln, „bevor es zu spät ist“, sagte sie.

Die frühere DDR-Oppositionelle Zupke, 1962 in Binz auf Rügen geboren, war Mitglied im Weißenseer Friedenskreis und betätigte sich bei der Aufdeckung systematischer Wahlfälschungen in der DDR. Sie soll an die Stelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, treten, der am 17. Juni verabschiedet wird.

Union und SPD hatten sich zuvor monatelang nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. Die Union wollte den Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe durchsetzen, die SPD die ehemalige Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD). Beide stießen bei der jeweils anderen Fraktion nicht auf Zustimmung.

Der Bundestag hatte im vergangenen Jahr die Überführung der Stasi-Akten von der Stasi-Unterlagen-Behörde in das Bundesarchiv beschlossen. Damit tritt zugleich an die Stelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ein Opferbeauftragter.

Unterdessen kritisierte die frühere Chefin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Marianne Birthler, die Reformen und die Amtsführung ihres Nachfolgers Roland Jahn. „Die Behörde war ein Symbol der friedlichen Revolution“, sagte Birthler dem „Tagesspiegel“. Sie habe Aufgaben gehabt, die für ein Archiv eher ungewöhnlich seien. Dazu gehörte laut Birthler die „Bildungsarbeit, auch in den Regionen, und Forschung“.

(c-st/kna)