Ethikrat fordert Gegensteuern Kinder und Jugendliche leiden unter aktuellen Krisen

Berlin · Der Deutsche Ethikrat fordert, Lehren aus der Corona-Pandemie zu ziehen und Kinder und Jugendliche stärker in den Blick zu nehmen. Junge Generationen litten angesichts neuer Krisen verstärkt unter psychischen Belastungen. Die Wissenschaftler fordern rasche Maßnahmen der Bundesregierung.

 Die jungen Generationen seien Minderheiten geworden und die Gefahr sei groß, dass ihre Interessen in den Hintergrund rückten, sagte Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, am Montag in Berlin.

Die jungen Generationen seien Minderheiten geworden und die Gefahr sei groß, dass ihre Interessen in den Hintergrund rückten, sagte Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, am Montag in Berlin.

Foto: dpa/Michael Kappeler

Von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurde während der Pandemie große Solidarität abverlangt. Das sei nicht ausreichend gewürdigt worden und gleichzeitig seien die psychischen Belastungen für junge Menschen oft übersehen worden, sagte Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, am Montag in Berlin. „Die Gesellschaft schuldet, wir alle schulden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen für diese Solidaritätsleistung großen Dank und Respekt. Aber das verpflichtet auch zum konkreten Handeln“, so Buyx.

Der Deutsche Ethikrat hat mit Blick auf aktuelle Krisen wie den Ukraine-Krieg und die Gefahr von Energieengpässen neue Ad-hoc-Empfehlungen mit konkreten Forderungen an die Politik formuliert. Unter anderem brauche es einen Ausbau von schulpsychologischen und psychosozialen Angeboten. Personen, die im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich tätig sind, müssten spezifisch geschult werden, heißt es darin. Zudem fordert das Gremium mehr Forschung, um die Folgen von Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu beleuchten. Es brauche gute Forschung, damit politische Entscheidungen noch differenzierter getroffen werden können, sagte Stephan Rixen, Mitglied des Ethikrats.

Psychisches Leid und seelischer Druck seien laut Schulpsychologen aktuell extrem hoch, beschreibt Petra Bahr, ebenfalls Mitglied des Deutschen Ethikrats. Darüber hinaus seien sechs bis 17 Prozent der jungen Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen, wobei die Dunkelziffer sehr hoch sei. „Bei der Pandemiebewältigung gab es zunächst einen fast ausschließlichen Fokus auf körperliche Gesundheit, psychische Integrität lag zu lange im toten Winkel der Aufmerksamkeit“, sagte Rixen.

Auch mit Blick auf aktuelle Krisen warnt der Deutsche Ethikrat davor, erneut die junge Generation unter erhöhten Druck zu setzten. Das Gremium kritisiert etwa die Senkung der Temperatur im Klassenzimmer, Schließungen von Schwimmbädern oder eine Verlängerung der Vorlesungsfreienzeit im Winter. Lernorte seien auch soziale Lebensorte, sagte Buyx.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Deutsche Ethikrat auf die psychische Belastung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Zusammenhang mit der Pandemie aufmerksam macht. Bislang habe es noch keine ausreichenden Reaktionen gegeben, kritisierten die Mitglieder am Montag. „Die jungen Generationen sind Minderheiten geworden“, sagte Buyx. Damit sei die Gefahr groß, dass ihre Interessen in den Hintergrund geraten.

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