Erwin Huber: CSU hat "politische Todsünden" begangen

Ex-Parteichef schießt gegen Seehofer : Huber: CSU hat "politische Todsünden" begangen

Der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber hat dem jetzigen Parteichef Horst Seehofer schwere Fehler im Europawahlkampf vorgeworfen und fordert eine Regelung für eine Zeit nach Seehofer.

"Die CSU muss die Weichen stellen für die Zeit nach Seehofer", sagte Huber in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Spätestens zur Bundestagswahl 2017 müsse die neue Mannschaft stehen. Seehofer reagierte gelassen. Der Parteichef habe die Übergangsphase zu gestalten, "aber nicht allein nach seiner persönlichen Lebensplanung", sagte Huber. Die Zeit der einsamen Ansagen sei vorbei. Der frühere CSU-Chef plädierte zudem dafür, sich bei der Suche nach einem Nachfolger nicht "auf die von Seehofer installierten Kronprinzen" zu beschränken. "Die Nachfolgefrage geht uns alle in der Partei an", sagte Huber.

Der ehemalige CSU-Vorsitzende hatte Seehofer schwere Fehler im Europawahlkampf vorgeworfen. "Die Leute wussten nicht: Ist die CSU für Europa oder dagegen?", sagte Huber dem "Spiegel". "Einige haben das Spiel der AfD betrieben, die EU und den Euro bekämpft oder herabgesetzt, dazu noch Putin umarmt und Soldaten der Bundeswehr in Geiselhaft beleidigt. Das sind nicht nur Fehler, sondern politische Todsünden." Die CSU war bei der Europawahl von 48 auf 40 Prozent abgerutscht, das schlechteste Ergebnis bei einer überregionalen Wahl seit 1954.

Das Wahlergebnis spiegele auch die Irritationen mit der CSU-Europapolitik der vergangenen Jahre wider, zeigte sich der frühere Parteichef überzeugt. So habe die CSU am Ende im Bundestag den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Euro-Rettung mitgetragen. "Das war im Ergebnis richtig, aber die Krawallrhetorik bis vor der Wahl passte nicht dazu", kritisierte Huber.

Seehofer: Er will mich nicht

Seehofer nannte die Kritik Hubers "erwartungsgemäß". Er fügte in der "Süddeutschen Zeitung" hinzu: "Der Erwin Huber wollte mich nie. Er will mich nicht." Er bleibe dabei, "auf absehbare Zeit zur Nachfolge-Diskussion nichts mehr zur sagen", sagte Seehofer. Harsch reagierte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: "Das Interview kommt auf den großen Stapel der Ratschläge und politischen Klugheiten von Erwin Huber."

(dpa/AFP)
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