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Ernst Albrecht ist tot - von der Leyens Vater wurde 84 Jahre alt

Niedersachsens Ex-Ministerpräsident : Ministerin von der Leyen trauert um Vater Ernst Albrecht

Niedersachsens Ex-Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) ist tot. Dies gab seine Tochter Ursula von der Leyen am Samstag bei ihrem Besuch von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan bekannt.

Vor Soldaten im Camp Marmal bei Masar-i-Scharif dankte von der Leyen den Truppen zunächst für ihren Einsatz in Afghanistan. Am Ende ihrer Rede sagte sie dann, dass sie von dem Tod ihres Vaters erfahren habe (18 Uhr Ortszeit). Sie entschuldigte sich bei den Soldaten, dass sie deswegen nicht an der geplanten gemeinsamen Weihnachtsfeier teilnehmen könne, und sagte: "Mein Vater hat ein sehr erfülltes, langes Leben gehabt, er hat nicht leiden müssen. Er ist ganz schnell und ganz friedlich gestorben. Insofern bin ich heute eher von Dankbarkeit als von Trauer erfüllt."

Die Ansprache im Wortlaut:

"Liebe Soldatinnen und Soldaten,

ich muss Ihnen jetzt etwas sagen, was mit schwer fällt. Ich habe in bester Erinnerung, letztes Jahr, dass wir ein, zwei Stunden hier viele, viele Fotos gemeinsam gemacht haben, viele, viele Selfies. Ich habe mit Ihnen gesprochen, es war ein unglaublich unterhaltsamer, lustiger Abend, Sie haben mir die Stände gezeigt, ich habe viele verschiedene Speisen hier kennengelernt.

Ich habe vor einer Stunde erfahren, dass mein Vater gestorben ist, und ich möchte deshalb um Verständnis bitten, dass ich heute Abend diese Fotos mit Ihnen nicht machen kann. Mein Vater hat ein sehr erfülltes langes Leben gehabt. Er hat nicht leiden müssen, er ist ganz schnell und ganz friedlich gestorben. Insofern bin ich heute eher von Dankbarkeit als von Trauer erfüllt.

Dennoch bitte ich um Verständnis, dass ich mich jetzt zurückziehen möchte, Ihnen aber von Herzen nochmal sagen möchte: Haben Sie eine gesegnete Weihnacht, kommen Sie gut ins neue Jahr, bleiben Sie behütet und kommen Sie vor allem heil wieder nach Hause."

Von der Leyen hatte zuvor eine Pionier-Schule der afghanischen Armee besucht, mit deutschen Soldaten gesprochen und sich mit afghanischen Studentinnen getroffen. Trotz des Todes ihres Vaters setzt von der Leyen ihren Afghanistan-Besuch am Sonntag fort. Ihr Programm wurde aber aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.

Alzheimer-Diagnose 2003

Im Mai 2008 hatte sie öffentlich gemacht, dass ihr Vater an Alzheimer erkrankt sei - die Krankheit wurde 2003 diagnostiziert. Von der Leyen, von ihrem Vater "Röschen" genannt, ist das dritte seiner sechs Kinder. Von der Leyen und ihre Familie lebten zuletzt auf dem Anwesen von Albrecht. Er wurde 84 Jahre alt.

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Albrecht war von 1976 bis 1990 Ministerpräsident von Niedersachsen. Die Wahl 1990 verlor er gegen Gerhard Schröder (SPD), den späteren Bundeskanzler. Bei der Wahlniederlage teilte Albrecht damals seinen Abschied von der Politik mit.

In Albrechts Amtszeit als Ministerpräsident fiel 1977 die Entscheidung für den Standort Gorleben als Atommülldeponie. Auch eine Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennelemente sollte dort ursprünglich entstehen. Der Widerstand gegen die Endlagerpläne begann ebenfalls 1977. Erst 2011 einigten sich Bundesregierung und die niedersächsische Landesregierung darauf, dass bundesweit nach einem Endlager gesucht werden soll.

Gauck: Albrecht war Mann von großer Gestaltungskraft

Bundespräsident Joachim Gauck hat den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als "Mann von großer Gestaltungskraft" gewürdigt. Der Vater von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe sich "auf europäischer Ebene, in der Landes- und Bundespolitik und auch als erfolgreicher Unternehmer um das Wohl seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger sehr verdient gemacht", erklärte Gauck nach Angaben des Bundespräsidialamtes in einem Kondolenzschreiben an die Ministerin. "Auch die Würde, mit der er seine lange, schwere Krankheit trug, hat ihm und seiner Familie großen Respekt eingetragen."

Einen ausführlichen Bericht vom Besuch lesen Sie hier.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bilder aus dem Leben von Ernst Albrecht

(dpa/AFP)