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Besuch im Bundeskanzleramt: Erdogan: Türkische Lehrer für türkische Kinder

Besuch im Bundeskanzleramt : Erdogan: Türkische Lehrer für türkische Kinder

Berlin (RPO). Gestern hatte der türkische Ministerpräsident Erdogan einen Kranz am Brandort in Ludwigshafen niedergelegt, heute traf er Angela Merkel im Kanzleramt. Erdogan sprach sich dafür aus, türkische Kinder von türkischen Lehrern unterrichten zu lassen. Um Deutsch zu lernen, müssten die Kinder zunächst ihre eigene Sprache perfekt beherrschen.

Erdogan setzte sich für türkische Schulen und eine Universität in Deutschland ein, auch um damit eine Grundlage für bessere Deutschkenntnisse von Migranten zu schaffen.

Merkel ging auf Erdogans Vorstoß nicht direkt ein, der auch von einer bereits in Istanbul arbeitenden deutschen Schule und über Pläne für eine deutsche Universität sprach. Die Kanzlerin würdigte aber die Brückenfunktion von zweisprachigen jungen Leuten zwischen den Ländern, vor allem vor dem Hintergrund der stetig wachsenden wirtschaftlichen BeziehungenIn vielen Migrantenfamilien lernten die Kinder ihre Muttersprache nicht richtig. Die Gefahr der Gettoisierung sei eine der Folgen, wenn keine Sprache richtig gelernt werde.

In der Debatte mit den ausschließlichen zweisprachigen Schülern stand das Problem Spracherwerb im Vordergrund. Merkel verteidigte die Sprachtests zur Evaluierung von Schülern unter anderem mit dem Hinweis, dass dabei auch Defizite bei deutschen Kindern zum Vorschein kämen.

Eine Oberstufenschülerin in Mantel und mit Kopftuch sprach das Problem Vorurteile an, auf das Merkel und Erdogan ausführlich eingingen. Die Bundeskanzlerin verwies zum Vergnügen der Schüler darauf, dass auch Deutsche landsmannschaftliche Vorurteile gegeneinander hegten. Aus Unwissen habe es Vorurteile gegen DDR-Bürger gegeben und nach dem Krieg sogar das heute nicht mehr verständliche Diktum: "Einen Vertriebenen darfst du nie heiraten".

Auf Vorurteilen fußten auch falsche Solidarisierungen. Sie nannte das Beispiel eines Missetäters, der von seiner Gruppe vor Strafe beschützt werde. Sich zu solidarisieren, nicht nach Werten, sondern nach der Nationalität: "Das ist das Allerschlechteste," erklärte Merkel.

Erdogan setzte sich für weitere Erleichterungen beim Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft ein, weil dies die Integration erleichtern könne. Türken müssten Vorreiter der Integration werden, sagte er. Er räumte gleichzeitig ein, dass sie am Deutschlernen noch "viel mehr arbeiten" müssten.

Mit einer Schweigeminute für die Opfer der Brandkatastrophe von Ludwigshafen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Debatte mit deutschen und türkischen Schülern eröffnet. Die Veranstaltung zusammen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Freitag fand im Kanzleramt statt. Erdogan forderte die Medien beider Länder auf, die Integration zu unterstützen.

Merkel nannte die Brandkatastrophe ein "schreckliches Ereignis, das uns alle in Deutschland sehr erschüttert hat, genauso wie die Menschen in der Türkei". Das Gedenken gelte den Opfern, die dabei ums Leben kamen und die verletzt wurden sowie den Familien, die schreckliches Leid ertragen müssten. In Deutschland werde alles getan, damit diese Katastrophe so schnell wie möglich aufgeklärt werde.

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In einer Erklärung nach der Schweigeminute drückte Erdogan seinen Respekt vor der "großen Verantwortung" von Polizei und Feuerwehr aus, die während der Brandkatastrophe eingesetzt waren. Gleichzeitig äußerte er die allgemeine Forderung, eingewanderten Menschen die Chancen zur Integration zu geben. Wenn die Medien beider Länder die Integration nicht unterstützten, wachse Hass, wofür die Medien Verantwortung tragen müssten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Türkeis Ministerpräsident zu Besuch bei Angela Merkel

(ap)