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E.on löst Streit um Atom-Milliarden aus

Kraftwerke : Eon löst Streit um Atom-Milliarden aus

Die Aufspaltung in ein grünes Unternehmen und eines für riskante Geschäfte kommt an der Börse gut an. Politiker bangen indes um die Atom-Rückstellungen. Sigmar Gabriel mahnt Eon, die Jobs zu erhalten.

Der Energiekonzern Eon steht vor der bislang größten Zäsur seiner Geschichte und will sich in ein grünes Unternehmen (Eon SE) und eine noch namenlose neue Gesellschaft aufspalten, in der alle riskanten Geschäfte gebündelt werden. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte die Pläne. "Mit seiner Entscheidung stellt sich Eon konsequent auf und zieht als erstes Unternehmen die Konsequenz aus einer völlig gewandelten Welt der Energieversorgung. Das schafft durchaus neue Chancen", sagte Gabriel unserer Zeitung. Zugleich mahnte er den Konzern, seine Stellen zu sichern: Gabriel gehe davon aus, dass Arbeitsplätze und Mitbestimmungskultur in beiden neuen Unternehmen erhalten blieben, ergänzte sein Sprecher.

Der Eon-Aufsichtsrat hatte am Sonntagabend die Aufspaltung des Konzerns beschlossen. Danach soll das bestehende Unternehmen sich nur noch auf erneuerbare Energien, das stabile Geschäft mit Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb kümmern. 40 000 der bisher 60 000 Mitarbeiter sollen weiterbeschäftigt werden.

Die übrigen 20 000 Mitarbeiter sollen in die neue Gesellschaft wechseln, in der Eon seine riskanten Geschäfte bündelt: die Stromerzeugung aus Kohle und Gas, die derzeit rote Zahlen schreibt; das Atomgeschäft mit milliardenschweren Altlasten; das Russland- und das Brasilien-Geschäft, die jeweils wegen politischer Krisen und Währungsturbulenzen umstritten sind.

Sorgen bereitet Politikern die Frage, ob Eon sich damit auch von den Lasten des Atomausstiegs befreien will. "Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss", sagte die Energie-Expertin der Grünen, Bärbel Höhn. Sie sorgt sich, dass die neue Gesellschaft nicht genug Gewinn machen wird, um die Verschrottung der Meiler vollständig zu finanzieren. Gabriels Sprecher sagte, er gehe davon aus, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen zur finanziellen Rückstellung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle nachkomme.

Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) forderte dagegen eine generelle Lösung für die Branche. Eon-Chef Johannes Teyssen versicherte gestern, die neue Gesellschaft starte schuldenfrei und erhalte die kompletten Atomrückstellungen des Konzerns von 14,5 Milliarden Euro.

"Es ist noch nicht gesagt, wer in fünf Jahren der erfolgreichere ist - Eon oder die neue Gesellschaft", sagte Teyssen. Er erwartet, dass Eon auch nach dem Umbau ein Dax-Konzern bleibt. Die Konzernführung informierte gestern die Mitarbeiter an den Standorten. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis 2018 ausgeschlossen. "Es wird kein Arbeitsplatzabbau anlässlich der geplanten Aufspaltung erfolgen", versprach Personalvorstand Mike Winkel. Allerdings kann der Arbeitsplatz künftig anderswo liegen. "Düsseldorf bleibt Sitz der Eon SE", versicherte Teyssen. Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz im Raum Rhein-Ruhr haben, voraussichtlich in Essen. An der Börse kam der Plan gut an. Die Eon-Aktie legte zeitweise um über sechs Prozent zu und war Dax-Spitzenreiter.

Die Stadt Düsseldorf bleibt gelassen. "Ich hoffe, dass die Entscheidung den Konzern nachhaltig stärkt, und erwarte nicht, dass Eon in Düsseldorf Arbeitsplätze abbaut", sagte der Oberbürgermeister und Ex-Eon-Manager Thomas Geisel (SPD).

(RP)