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Ekel Akif - Pirincci hetzt schon seit 2013 auf Facebook

"Pegida"-Rede : Ekel Akif

Nach der Pegida-Rede von Akif Pirinçci haben sich auch sein Belletristik-Verlag und sein Webmaster von ihm distanziert. Warum eigentlich erst jetzt? Seit 2013 hetzt er im Internet – eine Spurensuche bei Facebook.

Nach der Pegida-Rede von Akif Pirinçci haben sich auch sein Belletristik-Verlag und sein Webmaster von ihm distanziert. Warum eigentlich erst jetzt? Seit 2013 hetzt er im Internet — eine Spurensuche bei Facebook.

Wäre dieser Satz nicht so schlimm, dann wäre es fast gut gewesen, dass Akif Pirinçci ihn am Montag sprach: "Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb." Sonst hätte er vermutlich noch heute einen Verlag, der seine Katzenkrimi-Romane veröffentlicht. Sonst wäre vielen Leuten immer noch nicht klar, wie dieser Mann tickt, also wie rechts. Denn ein Hetzer ist er schon lange. Aber so einen Satz darf zu Recht niemand sagen, ohne sich massiver Kritik auszusetzen.

Zwar wollte Pirinçci damit nicht zum Ausdruck bringen, dass er Asylbewerber am liebsten ins KZ stecken würde — sondern dass deutsche Politiker Asylkritiker am liebsten dorthin stecken würden. Aber bereits das rechtfertigt jeden Shitstorm.

In seiner "Pegida"-Rede warf er deutschen Politikern und Medien vor, durch die Aufnahme von Flüchtlingen das deutsche Volk zu vernichten. Sogar "Pegida"-Chef Lutz Bachmann sah sich später — aber nicht während der Veranstaltung — genötigt, sich auf Facebook von Pirinçci zu distanzieren.

Pirinçci überschreitet systematisch Grenzen

Ungefähr zur gleichen Zeit gab die Verlagsgruppe Random House, die Pirinçcis belletristischen Werke veröffentlicht, bekannt, nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten. Seine Bücher werden nicht mehr ausgeliefert. "Grundsätzlich setzen wir uns für Meinungsfreiheit und Toleranz auch gegenüber abweichenden Meinungen und Positionen ein, mit seinen Aussagen auf der 'Pegida'-Demonstration hat Akif Pirincci allerdings eine Grenze überschritten, die eine weitere Zusammenarbeit für uns unzumutbar macht", sagte Unternehmenssprecherin Claudia Limmer unserer Redaktion. Auch der Administrator seiner Website "Der kleine Akif" wandte sich von ihm ab.

Die Sache ist nur — schon bevor Akif Pirinçci von KZs faselte, hatte er mehrfach, und das systematisch, Grenzen überschritten. Nicht erst in seinem Buch "Deutschland von Sinnen", das im März 2014 erschien. Noch viel früher. Auf seinem Facebook-Profil lässt sich der Wandel vom renommierten Krimi-Autor zum Rechtsaußen gut nachvollziehen.

Am 7. April 2010 beginnt Pirinçci sein Leben bei Facebook. Und das ganz harmlos. Um 15.23 Uhr lädt er ein Bild hoch, auf dem der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen den rechten Arm um seine Schulter legt. Den Eintrag stellt er wie alle folgenden auf "öffentlich". Der Schriftsteller strahlt wie ein kleines Kind. Mikkelsen hatte in einem Film mitgespielt, der auf Pirinçcis Roman "Die Damalstür" beruhte. Es sollten fast zwei Jahre vergehen, bis überhaupt jemand dieses Bild kommentierte. Seit Dienstag ist dort der letzte Kommentar: "Akif du hast dein Recht verwirkt, in Deutschland zu leben. Solche Typen wollen wir hier nicht! Mach dich vom Acker!"

Es beginnt mit Anzüglichkeiten

In den ersten Monaten postet der Schriftsteller wenig, meist macht er Werbung für seine Romane, wünscht den Leuten frohe Weihnachten. Zum ersten Mal so etwas wie stutzen muss man am 8. Dezember 2011: "So wie es aussieht, habe ich wohl einen Übersetzer meiner Bücher ins Englische gefunden. Facebook sei Dank! Aber wieder mal typisch: Es ist kein Übersetzer, sondern eine Übersetzerin. Ach Manno!" Am 14. März 2012 sagt er, dass er in einer Mail alle diese Fragen mit Ja beantworten konnte: "Macht Ihr Penis immer, was Sie wollen? Ist Ihr Penis ausreichend groß? Fühlen Sie sich richtig gut ausgestattet? Kommen Sie immer zum Orgasmus?" etc. Es sind Anzüglichkeiten, aber nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste.

Im Juli 2012 erfährt er zum ersten Mal, welche Reichweite eine bei Facebook geäußerte Meinung haben kann. Er postet das blutige Foto von einer männlichen Beschneidung und wird daraufhin für einen Tag bei Facebook gesperrt. Am nächsten Tag kritisiert er das in einem Eintrag und dass ihn Facebook-Freunde verpfiffen hätten: "Ich lasse mir den Mund von selbst ernannten Sittenwächtern und Die-einzig-wahre-Meinung-Aposteln nicht verbieten (…) The Akif way of life auf FB wird in Zukunft nicht besser werden, sondern eher schlimmer." Der Eintrag erhält 153 Kommentare, in der Diskussion verteidigt er sich gegen den Vorwurf, Antisemit zu sein. "Hätte ich mit dem Scheiß bloß nicht angefangen. Schuster bleib bei deinen Leisten …" Ja, hätte er mal.

Allmählich nimmt er Fahrt auf. Im August 2012 beschwert er sich über einen Journalisten, der ihn entfreundet hat. Es geht erneut um die männliche Beschneidung. Pirinçci ist auf dem Profil des Journalisten in einen Streit mit einer Userin geraten, die sagte, dass es zwischen männlicher und weiblicher Beschneidung einen großen Unterschied gebe. Er entgegnet laut seiner Schilderung: "Du musst es ja mit deinem großen Schwanz wissen." Im Dezember kritisiert er eine Fernsehdoku über die Toten Hosen und spricht von der "Verlogenheit deutscher linkgestrickter Medien". Die Toten Hosen hätten nur so viel Erfolg, weil sie jeden Journalisten kennen würden.

Merkel ist für ihn eine "potthässliche" Frau

Zum Hetzer wird er erst Anfang 2013. Aber dann ziemlich schnell. Am 29. Januar veröffentlicht er seinen ersten Artikel in dem von Henryk M. Broder gegründeten Autoren-Blog "Die Achse des Guten" und verlinkt diesen auch bei Facebook. Er regt sich darin über das Buch "Das Ende der Männer" von Hanna Rosin auf und schreibt Sätze wie "Nicht, daß ich mir das Buch kaufen würde, denn ich lese grundsätzlich keine Bücher von Frauen." und "Ich meine, man muß schon blind und taub sein, um es nicht wahrhaben zu wollen. Wir haben eine Kanzlerin zum Kanzler und zig andere potthäßliche Frauen in der Politik (eigentlich alle), die unser Steuergeld nach Frauenart in der Gegend rumverschenken".

Er beschreibt darin die Krise des weißen Mannes und hetzt bereits dort gegen Ausländer — "Der schwarze bzw. braune Mann in der übrigen Welt dagegen fickt immer noch frank und frei, was ihm vor die Flinte läuft, darf sich noch als echter Mann fühlen". Über Moslems sagt er: "Dem Rechtgläubigen fällt nämlich nix nur nix selber ein, er ist auch noch stinkefaul. Sogar die Technik des Mit-Verkehrsflugzeugen-in-Skylines-Reinfliegen mußte der weiße Mann ihm erst beibringen." Am Ende schreibt er: "Tja, so leid es mir tut, die Frau ist nunmal von Natur aus für eine andere Aufgabe konstruiert — vielleicht für die allerwichtigste." Selbst wenn man die Äußerungen nicht wortwörtlich nimmt — nur mit dem Verweis auf Provokation lassen sie sich nicht entschuldigen.

Es gibt Menschen, für die dort bereits eine Grenze überschritten ist. Für alle, die es noch nicht begriffen haben, legt er bald nach. Und bekommt zum ersten Mal richtig Aufmerksamkeit. Im März 2013 veröffentlicht er auf der Achse des Guten den Text "Das Schlachten hat begonnen". In dem spricht er vom "schleichenden Genozid an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern" - Moslems bringen junge deutsche Männer um. "Die Zahl der solcherlei Weise ermordeten Deutschen wird von offiziellen Stellen bewußt geheimgehalten, es ist aber wohl nicht übertrieben, wenn man taxiert, daß es sich um die Opferanzahl eines veritablen Bürgerkrieges handelt."

Zahlen liefert er nicht

Das entbindet ihn praktischerweise davon, Zahlen liefern zu müssen. Zahlen hat er nie. Er nimmt bloß Einzelfälle und macht daraus ein System. Wer sich nun wundert, wie denn der Moslem so ungestraft morden darf, dem erklärt er: Der Migrant sei Objekt der "Vergottung" geworden und die Deutschen "sind mittlerweile zu einem Haufen von Duckmäusern pervertiert, die unter der linksgrünen Gesinnungsdiktatur in völliger Furcht um ihr gesellschaftliches Ansehen, inzwischen auch um ihre Existenz nichts mehr politisch Unkorrektes zu sagen wagen, schon gar nicht würden sie dafür demonstrieren." Als er das schreibt, ist die rot-grüne Bundesregierung bereits seit acht Jahren Geschichte. "Die (deutschen) Frauen werden nicht umgebracht, sondern zumeist vergewaltigt. Die meisten Vergewaltiger sind in Europa inzwischen Moslems." Auch das belegt er nicht mit Zahlen.

Von da an geht es immer weiter abwärts. Er postet immer mehr auf Facebook, die Beiträge werden länger, die Kommentare und Likes nehmen drastisch zu, die Liste seiner Feindbilder auch: Moslems, Linke, Grüne, Schwule, Lesben, Medien, Frauen, Gutmenschen. Also eigentlich alle, die nicht wie er davon überzeugt sind, dass Deutschland von fremden Kräften und seinen eigenen Politikern bedroht wird. Für einen Nazi hält er sich deshalb selbstverständlich nicht. Im April 2013 schreibt er: "All die Nazi-Wichser, die sich jetzt auf meinen Text fröhlich einen runterholen und mich zu ihrem Megaphon und Idol auserkoren haben, ihr seid auf dem Holzweg! Ich scheiße auf euch und habe mit euch nicht das Geringste am Hut!" Dabei ist der Weg von seinen Gedanken Anfang 2013 bis zu seiner "Pegida"-Rede nicht lang. Es ist dort bereits alles angelegt.

Und er schimpft lustig weiter. Über Edward Snowden: "Ich kann die Fresse von diesem Wichser nicht mehr sehen! Und die von diesem Chodorkowski und den Pussy-Riot-Schlampen auch nicht. Putin, sperr' sie wieder alle ein!" Über eine Umweltministerin aus Rheinland-Pfalz: "Ja, ich weiß, ich sehe aus wie eine Squaw im Endstadium, nach der sich auch keine Rothaut mit 'nem richtigen Tomahawk mehr umdreht." Er schreibt von einer "Asylbetrüger-Industrie". These: Die zündet Asylheime an, um die Gegner der Heime in Verruf zu bringen, "damit man vor lauter Kollektivbuße später die "Flüchtlinge" umso ungehinderter ins Land holen kann."

Stolz verkündet er, mit 32 Frauen geschlafen zu haben

Woher dieser plötzliche Wandel 2012 und 2013 kommt, das weiß nur Pirinçci selbst. Aber in die selbe Zeit fällt auch ein einschneidendes Ereignis aus seinem Privatleben. Die Frau, mit der er 18 Jahre zusammen war, verlässt ihn, den Sohn nimmt sie mit. Er selbst schreibt das in einem Eintrag vom 17. März 2013: "Mein eigentliches Problem sind aber weder die Politik noch irgendwelche gesellschaftlichen Mißstände — darüber schreibe ich nur so aus Zeitvertreib — sondern meine Unbeweibtheit, weil mir meine Freundin abgehauen ist." Immer wieder berichtet er in den kommenden Monaten darüber, immer wieder beklagt er seine Einsamkeit und bedauert, dass sich keine 21-jährige Kunststudentin auf ihn einlässt. Er ironisiert zwar seine Formulierungen, aber es muss ihn sehr getroffen haben, sonst hätte er darüber geschwiegen. Er bekundet seine Bewunderung für Kristen Stewart, er schreibt, er habe nicht, wie irrtümlich geschrieben, mit 24, sondern mit 32 Frauen geschlafen.

Eine neue Frau hat Pirinçci inzwischen gefunden. Selbstverständlich hat er auch das bei Facebook bekanntgegeben. Doch in den Akif Pirinçci, der er noch war, als er sich mit Mads Mikkelsen fotografieren ließ — in den hat er sich nicht zurückverwandelt.

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(seda)