Feuerwehren schlagen Alarm: "Einsparungen gefährden Leben"

Feuerwehren schlagen Alarm: "Einsparungen gefährden Leben"

Die Feuerwehren in Deutschland schlagen Alarm: Schlechte Ausstattung und Personalengpässe würden die Sicherheit der Menschen und Einsatzkräfte gefährden.

Wenn in der Weihnachtszeit auf Gestecken und Tannenbäumen zahlreiche Kerzen brennen, bedeutet das für die Feuerwehren in Deutschland oft mehr Einsätze. Hinzu kommen Zwischenfälle aus der Silvesternacht, vom Winter mit wetterbedingten Unfällen ganz zu schweigen. Jetzt aber schlagen die Feuerwehren selbst Alarm.

Feuerwehren leiden unter Sparplänen

"In Deutschland leiden viele Feuerwehren unter den kommunalen Sparplänen", sagte Ingo Schäfer, Vorsitzender der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, unserer Redaktion. Besonders in Städten mit einem Nothaushalt sei die Situation dramatisch. Es mache keinen Sinn, die desolate Lage zu beschönigen. "In manchen Kommunen ist die Ausstattung der Feuerwehr so schlecht, dass es für Hilfesuchende oder unsere Kollegen lebensgefährlich werden kann", warnte der Solinger Feuerwehrmann.

Tatsächlich hatte es Anfang Dezember in Saarbrücken einen tödlichen Zwischenfall gegeben, vier Menschen kamen bei einem Brand ums Leben. Im Nachhinein hieß es, es gebe zu wenig Personal bei der Feuerwehr. Zudem war von Problemen mit einem Drehleiterfahrzeug die Rede. Die Feuerwehr Saarbrücken wies die Vorwürfe zurück, die Menschenrettung sei nicht negativ beeinflusst worden.

Besonders NRW ist betroffen

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Dennoch: Schäfer warnte eindringlich vor gefährlichen Kürzungen. "Jede Feuerwehr kann nur dann den Schutz der Menschen ausreichend gewährleisten, wenn die Technik funktioniert, auf einem modernen Stand ist und es genug Kollegen zur Eigensicherung gibt." Fehle es daran, sinke die Sicherheit der Menschen und die der Einsatzkräfte.

Besonders NRW-Städte und solche in entlegenen ländlichen Gebieten im Osten der Republik seien wegen schlechter Kassenlage betroffen. "Der Bund muss den Kommunen bei der Finanzierung elementar wichtiger Einrichtungen wie der Feuerwehr stärker unter die Arme greifen", forderte Schäfer und verwies außerdem auf weit verbreitete Überlastung.

"Nicht nur die Polizei, auch viele Feuerwehrleute schieben einen Berg an Überstunden vor sich her." Zudem herrsche ein harter Wettbewerb zwischen den Wehren: Reiche Kommunen locken demnach Feuerwehrleute aus armen Städten und Regionen mit besserer Bezahlung und Ausstattung zu sich. "Das ist in Düsseldorf schon lange Praxis und in Ballungsgebieten wie NRW ein Problem für Städte mit beschränkten Haushaltsmitteln", so Schäfer.

Hinzu komme, dass die Anforderungen immer weiter stiegen, etwa die Ausbildung zum Notfallsanitäter. "Ab 2022 hat der Notfallsanitäter eine Ausbildungszeit von drei Jahren, diese Ausbildung kommt zu der handwerklichen Ausbildung und der Feuerwehrausbildung von 4,5 Jahren dazu", so Schäfer.

(jd)