Tag des Ehrenamts Bundespräsident Steinmeier verleiht Orden an Menschen aus der Region

Berlin · Am Tag des Ehrenamts würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 15 Ehrenamtliche für ihr freiwilliges Engagement und zeichnete sie mit dem Verdienstorden aus. Unter den Ordensträgern ist auch Musiker und Entertainer Frank Zander.

 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eehrte am Montag, Tag des Ehrenamts, 15 Ehrenamtliche für ihr Engagement. Unter den Geehrten war auch Musiker Frank Zanter (l.).

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eehrte am Montag, Tag des Ehrenamts, 15 Ehrenamtliche für ihr Engagement. Unter den Geehrten war auch Musiker Frank Zanter (l.).

Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Vier Frauen, schwarz gekleidet, stehen vor den weißen Vorhängen und elektrischen Kerzenleuchtern im Großen Saal im Berliner Schloss Bellevue. Ohne musikalische Begleitung füllen die vier Stimmen den Raum – „engelsgleich“, wie Tagesschau-Moderatorin Susanne Daubner die Gesangseinlage später beschreiben wird. Mit dem Quartett „Of Cabbages And Kings“ beginnt am Montag die Zeremonie zur Verleihung der Verdienstorden durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Unter dem Motto „Mitmenschlichkeit leben: Wege aus der Armut schaffen“ würdigt der Bundespräsident am internationalen Tag des Ehrenamts 15 Bürgerinnen und Bürger für ihren „herausragenden Einsatz für das Zusammenleben in Deutschland“. Unter ihnen sind auch Menschen aus der Region.

„Ihr Engagement ist nicht nur bedeutend für die Einzelnen, denen Sie helfen, Sie fördern das Miteinander“, sagt Steinmeier zu Beginn der Veranstaltung. In den Geehrten sieht er Vorbilder und Ermutigter: „Sie sind diejenigen, die unser Land stark machen.“ Gleichzeitig würdigt Steinmeier nicht nur das Engagement der Anwesenden, sondern aller in Deutschland. Dabei legt er einen besonderen Fokus auf die Ukraine-Hilfe. „Wir sehen diese Not. Und wir lassen die Ukraine nicht allein“, sagt Steinmeier. Doch auch in Deutschland gebe es Menschen, die sich vor dem Winter fürchten, sagt der Bundespräsident. Außerdem dürfe es einen nicht kalt lassen, dass viele Kinder in Deutschland von Armut bedroht seien.

Ehrenamt allein könne „natürlich nicht alle Probleme lösen, auch die Politik ist in der Pflicht“, ergänzt Steinmeier. Auch Susanne Daubner, deren Stimme ganz Deutschland kennt und die das Engagement und die Geschichte jedes einzelnen Geehrten vorliest, dankt den Ehrenamtlichen. „Es ist eine große Freude auf Menschen zu treffen, die sich für das Gemeinwohl einsetzten“, sagt Daubner.

Einer von ihnen ist Ralf Hamm aus Mühlheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen. Er will digitale Teilhabe auch für diejenigen ermöglichen, die sich keinen Computer leisten können. 2012 gründete er in Mülheim an der Ruhr den Förderverein Labdoo.org. Die Organisation „Labdoo“ sammelt alte Computer, repariert sie und stattet sie mit einer Lernsoftware aus. Inzwischen hat der Verein etwa 38.000 IT-Spenden an bedürftige junge Menschen verteilt – weltweit. Während der Corona-Pandemie ermöglichte er Schülerinnen und Schülern, am Online-Unterricht teilzunehmen. Und auch nach der Flutkatastrophe an Ahr und Erft spendete er dringend gebrauchte Geräte.

Gerda Holz aus Frankfurt am Main hat das Thema Kinderarmut vor mehr als 30 Jahren zu ihrem Forschungsschwerpunkt gemacht. Dabei hat sie am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt am Main Pionierarbeit geleistet. In Fachgremien, an runden Tischen und bei zahlreichen Projekten hat sich Gerda Holz unermüdlich für die Rechte der von Armut betroffenen oder bedrohten Kinder eingesetzt – auch nachdem sie in den Ruhestand gegangen ist. Außerdem wurden ausgehend von ihren Studien konkrete Konzepte für mehr Chancengleichheit entwickelt.

Schon als Jugendliche hat sich Helga Kepper aus Wolfhagen in Hessen aktiv in ihrer Kirchengemeinde eingebracht. Vor nahezu 20 Jahren hat sie die Wolfhager Tafel mit aufgebaut und setzt sich seitdem dafür ein, dass Lebensmittel, die nicht verwendet werden, zu denen gelangen, die sie dringend benötigen. Mit der Wolfhager Tafel werden mehr als 450 bedürftige Menschen erreicht – davon 170 Kinder. Helga Kepper gilt als treibende Kraft der Tafel, sei es bei der Sammlung und Ausgabe der Lebensmittel, der Koordination der ehrenamtlichen Teams oder bei den wöchentlichen Tafelsprechstunden.

„Wenn der Patient nicht zum Arzt kann, muss eben der Arzt zum Patienten kommen.“ – Nach diesem Konzept arbeitet die Ärztin Monika Orth aus Mainz seit über 20 Jahren und behandelt wohnungslose Menschen. Mit einem Arztmobil fährt sie zu ihren Patienten. Und weil sie nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Hunden gut umgehen kann, kümmert sich Monika Orth auch um die vierbeinigen Begleiter der Wohnungslosen. Sie impft die Tiere und sucht bei einem etwaigen Krankenhausaufenthalt der Besitzer nach einer Übergangslösung für die Hunde. Während der Corona-Pandemie organisierte Monika Orth darüber hinaus Impfaktionen für Menschen in sozialen Notlagen.

Die Bildungs- und Lebensbedingungen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Namibia zu verbessern, steht im Zentrum des Engagements von Barbara Scharfbillig aus Wittlich in Rheinland-Pfalz. Bereits mit 27 Jahren gründete sie den deutsch-namibischen Verein Suni. Der Verein kümmert sich nicht nur um den Bau und die Renovierung von Schulen und Kindergärten, sondern entwickelte Bildungsprojekte mit Lehrkräften aus Deutschland und Namibia. Das interkulturelle Verständnis fördert sie zudem durch Lernmaterialien, die an namibischen und deutschen Schulen genutzt werden und durch das deutsch-namibische Kunstprogramm Art for Education.

Was es heißt, obdachlos zu sein, weiß Karin Powser aus Hannover aus eigener Erfahrung. Und deshalb weiß sie auch, wie wichtig Anlaufstellen für die Menschen sind. 1994 war Karin Powser Mitgründerin der Straßenzeitung Asphalt-Magazin, bei der sie bis heute als Kolumnistin wirkt. Seit Ende der 1980er-Jahre arbeitet sie als Dokumentarfotografin. Ihre großformatigen Porträts von Menschen, die auf der Straße leben, wurden in ganz Deutschland ausgestellt und haben internationale Preise gewonnen. Mit ihnen hat Karin Powser Zeitdokumente geschaffen, die den Blick auf obdachlose Menschen verändert haben.

Hildegard Strutz aus Neustadt am Rübenberge in Niedersachsen will Kinder und Jugendliche, die sozial benachteiligt sind, an Kunst und künstlerisches Gestalten heranführen. Sie leitet die Kunstschule Pinx im Kunstverein Schwarmstedt. Mit neuen Konzepten wie „Offene Ateliers“ und „Schutzraum für Kinder“ hat sie die Kunstschule zu einer Institution gemacht, in der Integration und Solidarität lebendig werden. So hat Pinx 2016 im Ankunftszentrum Bad Fallingbostel-Oerbke für die oftmals traumatisierten Kinder und Jugendlichen geflüchteter Familien ein mobiles Atelier eingerichtet. Während der Corona-Pandemie hat Prinx ihre Kunstschule als eine der ersten wieder geöffnet – mit einem als Vorbild dienenden Hygieneplan.

Phil Sahner aus Saarbrücken ist Immobilienkaufmann und verbringt im Winter viele Abende nach seinem Berufsalltag beim Kältebus Saarbrücken, einem Verein, den er selbst 2014 ins Leben gerufen hat. Mit einem Team von 150 Ehrenamtlichen gibt er von Mitte Dezember bis Ende März allabendlich warmes Essen an obdachlose Menschen aus und schafft warme Schlafstellen. Damit in der Corona-Pandemie die Hilfe nicht zum Erliegen kommen musste, hat Phil Sahner den Bus, der unter Corona-Bedingungen nicht den notwendigen Platz bietet, durch ein großes Zelt ersetzt.

Unter den Geehrten ist auch Musiker und Entertainer Frank Zander. Der 80-Jährige organisiert seit 1995 mit seiner Familie ein Weihnachtsfest für Obdachlose in Berlin – mit Gänsebraten, Livemusik und Sachspenden. Von anfangs 800 stieg die Zahl der Gäste auf beinahe 3.000. Seit der Corona-Pandemie verteilt Zander das Essen mit Foodtrucks. Zum Abschluss der Veranstaltung dankt Barbara Scharfbillig im Namen aller Geehrten für die Unterstützung. Jede Generation hat ihre Herausforderung und wir haben gleich mehrere, sagt Scharfbillig. Daher sei es wichtig, sich zu engagieren, ob im Ehrenamt oder in der Politik. „Und wir, da bin ich mir sicher, werden uns weiter engagieren“, sagt Scharfbillig im Namen aller Geehrten.

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