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Dresden: Hunderte protestieren gegen Björn Höcke und Pegida

Beim 200. „Abendspaziergang“ : Hunderte protestieren gegen Höcke und Pegida in Dresden

Aus Protest gegen die islam- und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung und den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke haben sich am Montagabend mehrere hundert Menschen in Dresden versammelt.

Höcke hatte zur 200. Pegida-Kundgebung seit Gründung der Bewegung sein Kommen zugesagt. Während Initiativen wie das Bündnis „Dresden Nazifrei“ regelmäßig gegen Pegida und ihren Frontmann Lutz Bachmann demonstrieren, hatten erstmals auch die Dresdner Kreisverbände von CDU und FDP zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Unterstützt wurde der Protest unter anderem vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden, der Katholischen Kirche sowie der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen. Die Gegendemonstranten befanden sich in Sicht- und Hörweite der Pegida-Versammlung.

Höcke war bereits im Mai 2018 bei Pegida zu Gast. Im Januar 2017 hatte er in Dresden für Schlagzeilen gesorgt, als er mit Blick auf die Geschichtsaufarbeitung in Deutschland von einer „dämlichen Bewältigungspolitik“ sprach und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ forderte.

Für die islamfeindliche Pegida-Bewegung bringt Höckes Besuch in Dresden bundesweite Aufmerksamkeit. Mehr als fünf Jahre nach ihrer Gründung hat die Bewegung viel an Zuspruch eingebüßt. In Dresden stoßen die Kundgebungen, die nicht mehr jeden Montag stattfinden, nur noch gelegentlich auf zählbares Interesse. Anderswo ist die Bewegung komplett eingeschlafen. Für viele Anhänger ist die Luft offenbar raus.

Zum fünften Geburtstag von Pegida im vergangenen Herbst hatte der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer die Bewegung als „Stammtisch auf der Straße“ charakterisiert. Er sagt, Pegida sei zu einem „Ritual verkommen“, das sich verselbstständigt habe. Die Bedeutung der Bewegung sei dramatisch gesunken, der Fokus liege nun auf der AfD. Ihren Höhepunkt hatte Pegida am 12. Januar 2015 erreicht. Damals kamen 25 000 Anhänger in der Innenstadt von Dresden zusammen.

(mja/dpa)