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Donald Trump will exklusiven Zugang zu deutscher Corona-Impfstoff-Forschung haben

Kampf gegen die Pandemie : America First in der Corona-Forschung?

Die Trump-Regierung will deutsche Corona-Impfstoff-Forschung abwerben. Bundestagsabgeordnete rufen die Regierung zur Abwehr auf.

Es gibt wenige Dinge, die der Globus in dieser Krise dringender braucht als einen Impfstoff. Vor 2021 sei mit einem Mittel gegen das Coronavirus nicht zu rechnen, prognostizierte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler vor ein paar Tagen. Auch deshalb will die Bundesregierung alles tun, damit sich die Pandemie in Deutschland so langsam wie möglich ausbreitet. Erstens, um das Gesundheitssystem mit seiner begrenzten Anzahl an Intensivbetten und Beatmungsgeräten nicht zu überfordern. Zweitens, um Zeit zu gewinnen, bis ein Wirkstoff gegen Covid-19 gefunden ist.

Weltweit wird derzeit mit Hochdruck geforscht. Auch in Tübingen gibt es eine Firma, die daran arbeitet. Wäre sie erfolgreich, könnte Deutschland mit der Erforschung vorangehen, und die Universitätsstadt am Neckar dürfte sich auf den Nobelpreis freuen. Doch noch jemand hat nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ allergrößtes Interesse, einen Zugriff auf die Firma CureVac im Südwesten Deutschlands zu bekommen: die US-Regierung. Sie sei an einer exklusiven Nutzung des Impfstoffes für die USA interessiert.

„America first“ ist das oberste Gebot von US-Präsident Donald Trump. Da interessiert ihn nicht mehr, dass er sein Land ansonsten abschottet. Nun steht Deutschland, vielmehr die Firma in Tübingen, hoch im Kurs. Und die Bundesregierung ist alarmiert. Laut „Welt am Sonntag“ versucht sie, das Unternehmen mit finanziellen Angeboten in Deutschland zu halten.

Am Freitag hatte CureVac-Mitbegründer und Vorstandsmitglied Florian von der Mülbe der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, man habe die Forschungen mit einer Vielzahl möglicher Impfstoffe begonnen und wähle die zwei besten aus, um mit ihnen klinische Tests zu starten. Die Firma hofft, schon im Juni oder Juli einen experimentellen Impfstoff entwickelt zu haben, um dann grünes Licht der Aufsichtsbehörden für Tests mit Menschen zu bekommen.

Auf ihrer Internet-Seite berichtet CureVac, der damalige Vorstandschef Daniel Menichella (seit dem 11. März führt Ingmar Hoerr das Unternehmen) habe sich Anfang März mit Trump, Vizepräsident Michael Pence, Mitgliedern der Coronavirus-Task-Force sowie hochrangigen Pharma- und Biotechmanagern getroffen. Dabei seien Möglichkeiten zur schnellen Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes diskutiert worden.

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Der Geschäftsführer der dievini Hopp BioTech Holding, die an CureVac beteiligt ist, erklärte allerdings, ein Exklusivvertrag mit den USA komme nicht infrage. CureVac selbst teilte mit, man entwickele einen Impfstoff mit dem Ziel, Patienten weltweit zu helfen.

Das Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) teilte am Sonntag mit, die Regierung habe ein hohes Interesse, Wirkstoffe und Impfstoffe in Deutschland und Europa zu produzieren. Das Forschungs- und das Gesundheitsministerium bestätigten Gespräche mit CureVac. Die Impfstoffentwicklung werde auch in Deutschland vorangetrieben, twitterte ein Sprecher von Forschungsministerin Anja Karlizcek (CDU). Damit sei auch CureVac beauftragt. Die Bundesregierung stehe mit der Firma aus dem schwäbischen Tübingen in intensivem Kontakt.

Bundestagsabgeordnete riefen zur Abwehr der Konkurrenz aus Amerika auf. Der CDU-Politiker und Kandidat für den Parteivorsitz, Norbert Röttgen, erklärte, die EU und die Bundesregierung müssten verhindern, dass Trump in Europa auf „Shoppingtour“ gehe und strategisch wichtige Unternehmen zur Bekämpfung von Covid-19 aufkaufe. Globale Krisen löse man nur durch Kooperation. „Ein Exklusivrecht auf Impfstoff darf es daher nicht geben“, schrieb er auf Twitter. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte: „Der exklusive Verkauf eines eventuellen Impfstoffes an die USA muss mit allen Mitteln verhindert werden. Der Kapitalismus hat Grenzen. Wir dürfen auch nicht weiter bei Arzneimitteln von China und USA abhängen.“

Nach dem Außenwirtschaftsrecht hat die Bundesregierung die Möglichkeit, Übernahmen aus Drittstaaten zu prüfen – wenn es um „nationale oder europäische Sicherheitsinteressen“ gehe. Die Ausbreitung der Lungenkrankheit mit der fortschreitenden Lähmung des öffentlichen Lebens mit Schließungen von Schulen und Grenzen dürfte getrost als Sicherheitsrisiko gewertet werden. (mit rtr)