Donald Trump und Angela Merkel: Deutsch-amerikanische Beziehungen auf Tiefpunkt

Deutschland und die USA : Das ist der Tiefpunkt

Der kurzfristig abgesagte Besuch des amerikanischen Außenministers in Berlin wirft ein Schlaglicht auf die miesen Beziehungen der einst so eng verbündeten Nationen. Donald Trump und Angela Merkel können sich schlicht nicht leiden.

Mit der brüsken Terminabsage des amerikanischen Außenministers hat das deutsch-amerikanische Verhältnis einen historischen Tiefpunkt erreicht. Mike Pompeo verweigert der deutschen Kanzlerin und ihrem Außenminister den vereinbarten Besuch mit dem Hinweis auf dringende Termine. Es mögen wichtige Termine sein. Düpiert ist Deutschland dennoch.

Da hilft es auch nicht, dass ein Teil der Union immer noch bemüht ist, das Verhältnis zu den USA gesund zu beten. Selbst wenn Trump nicht wiedergewählt werden sollte, wird es das alte Verhältnis, in dem die USA selbstverständlich die Schutzmacht Deutschlands und der anderen europäischen Nato-Partner sind, nicht mehr geben.

Amerika ist auch unter Trump unseren Wertevorstellungen von Freiheit und Demokratie immer noch viel näher als das autoritär beherrschte Russland. Aber während die gemeinsamen Ziele und Wertvorstellungen einst eine Selbstverständlichkeit waren, steht man sich heute in so vielen Fragen verständnislos gegenüber. Dass die Mehrheit der Deutschen Trump für gefährlicher hält als Putin, ist zwar eine Fehleinschätzung, illustriert aber, dass die Stimmung in der öffentlichen Meinung gegenüber dem Trump-Amerika noch schlechter ist als in der politischen Führung.

Nun kritisieren Trump und seine Gefolgsleute stets Deutschland, wenn sie auch ganz Europa meinen. Das muss die größte und ökonomisch stärkste Nation in Europa aushalten. Allerdings ist nicht nur die Trump-Administration mit ihrem rüpelhaft auftretenden Präsidenten schuld am Temperatursturz zwischen den USA und Deutschland. Wenn die Bundesregierung innerhalb der Nato in Aussicht stellt, künftig zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für Verteidigung auszugeben, 1,5 Prozent im Bündnis fest verspricht und nach einer kleinen Budgeterhöhung in der mittelfristigen Finanzplanung den Anteil wieder sinken lässt, dann ist es nachvollziehbar, dass sich die Bündnispartner veräppelt fühlen.

Hinzu kommt, dass Trump persönlich eine tief sitzende Abneigung gegen Deutschland und seine Kanzlerin hegt. Als Geschäftsmann sind ihm die Import-Überschüsse dieser starken europäischen Wirtschaftsnation schon lange ein Dorn im Auge. Die Gaspipeline Nordstream 2 ist aus Trumps Sicht ein einziger Affront: Deutschland macht Geschäfte mit Russland, während die Amerikaner für den militärischen Schutz Deutschlands aufkommen müssen.

Die Antipathie, die Merkel und Trump gegeneinander hegen, ist der Weltöffentlichkeit bekannt. Wegen ihrer Flüchtlingspolitik erklärte Trump die deutsche Kanzlerin für verrückt. Derweil zelebriert Merkel ihre Freundschaft mit Trumps Vorgänger Barack Obama, der sie für ihre Flüchtlingspolitik lobte. So können Beziehungen zwischen Staaten nicht funktionieren.

(qua)
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