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Donald Trump schwächt Vertrauen der Deutschen in US-Demokratie

US-Wahl und Deutschland : Umfrage: Präsidentenwahl schwächt Vertrauen der Deutschen in US-Demokratie

Die Wahlen in den USA haben die Sicht der Deutschen auf die US-Demokratie beeinflusst - und nicht zum Guten. Der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, hat dennoch Hoffnung fpr das transatlantische Verhältnis.

Die Deutschen haben einer Umfrage zufolge im Zuge der Präsidentenwahl an Vertrauen in die US-Demokratie verloren. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Befragten gab in einer am Montag veröffentlichten Studie der Körber-Stiftung an, ihr Vertrauen sei eher geschwächt worden. Vier von fünf Befragten (78 Prozent) gehen nach dem Wahlsieg Joe Bidens von einer Normalisierung der transatlantischen Beziehungen aus.

Der Anteil der Befragten, für die die USA Deutschlands wichtigster außenpolitischer Partner sind, stieg von 10 Prozent vor der Wahl auf 23 Prozent danach. Der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, sagte unserer Redaktion, es sei eine gute Nachricht, dass die Deutschen wüssten, wie wichtig das Bündnis mit den USA sei – sicherheitspolitisch und wirtschaftlich. Daran müssen wir anknüpfen, denn wir sollten uns nicht mit einer Normalisierung zufrieden geben, sondern ein paar Schritte weiter denken. Europa und Amerika müssen auf den Feldern Wirtschaft, Sicherheit, Digitalisierung, Klima, Wissenschaft und nicht zuletzt Gesundheit eine kraftvolle Partnerschaft auf Augenhöhe eingehen. Deutschland muss jetzt massive Anstrengungen unternehmen – etwa mehr Geld in Sicherheit investieren und starken Einsatz für ein Handelsabkommen zeigen“, betonte Beyer.

Es freue ihn, dass vergleichsweise viele junge Deutsche ein positives USA-Bild hätten. „Das ist eine gute Grundlage für die Zukunft der transatlantischen Freundschaft. Ebenso begrüße ich das weiterhin gute Deutschland-Bild vieler US-Amerikaner. Auch die zum Teil unsachliche Kritik von Donald Trump an Deutschland und Europa konnte daran nichts ändern“, sagte der CDU-Außenpolitiker.

Im April 2020 ergab eine Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung, dass 36 Prozent der Deutschen enge Beziehungen zu China wichtiger empfinden als enge Beziehungen zu den USA. Dieser Aussage stimmten im September 2020 nur noch 27 Prozent der Befragten zu. Im Fall einer mit dem Kalten Krieg vergleichbaren Situation zwischen China und den USA würden sich 82 Prozent der Deutschen allerdings lieber neutral verhalten, als sich an die Seite eines der beiden Länder zu stellen.

Beyer sagte, dies mache ihn stutzig. „Wir befinden uns bereits in der ersten Phase eines neuen Kalten Krieges, in dem sich diese zwei Tech-Giganten gegenüber stehen. Als Demokratie sollten wir genau wissen, wo wir stehen. Europa sieht China, das von der kommunistischen Partei kontrolliert wird, zu Recht als Systemrivalen. Der Westen wird nur gemeinsam Freiheit, Demokratie und Wohlstand sichern und die Zukunft positiv gestalten können. Neutralität bedeutet eine gefährliche Schwächung Europas in einer unsicherer werdenden Welt“, betonte der CDU-Politiker.

Deutlich kritischer als zuvor blicken die Deutschen auf Russland, das Verhältnis zu dem Land mit seinem Präsidenten Wladimir Putin wurde deutlich häufiger als eine der größten außenpolitischen Herausforderungen genannt. Möglicherweise habe die Situation in Belarus und die Vergiftung des Oppositionellen Alexej Nawalny dazu geführt, teilte die Körber-Stiftung mit.Die Umfrage Kantar Public hat im Auftrag der Körber-Stiftung im September 1.005 und im November 1.058 Wahlberechtigte ab 18 Jahren in Deutschland zu ihren außenpolitischen Einstellungen befragt. Alle US-Daten wurden durch das Pew Research Center im September 2020 erhoben. Die Daten für das Vereinigte Königreich hat Yonder im Auftrag der Britischen Botschaft Berlin im September und Oktober 2020 in einem Onlinesurvey erhoben.

(mün/dpa)