Donald Trump hört sich an wie Wladimir Putin

Deutsche Reaktionen auf Gipfeltreffen : „Trump hört sich an wie Putin“

Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin ist in Berlin mit Erleichterung und anhaltender Skepsis aufgenommen worden.

„Viel Show – wenig Substanz“ lautete die Einschätzung des SPD-Außenexperten Nils Schmid. Dass das Treffen stattgefunden habe, sei grundsätzlich zu begrüßen, auch wenn es offenbar keinen großen Durchbruch gegeben habe. Schmid würdigte zudem, dass es offenbar auch zu „keiner Verständigung über die Köpfe mittel-ost-europäischer Staaten hinweg“ gekommen sei.

Die nächsten Wochen und Monate müssten jedoch zeigen, ob dieses Treffen mehr gebracht habe als nur eine Verbesserung der persönlichen Stimmung zwischen Putin und Trump, erklärte Schmid. „So benötigen wir dringend neue Impulse für nukleare Abrüstung, wir brauchen eine politische Lösung des Syrien-Konfliktes und mehr Fortschritte bei der Durchsetzung einer wirklichen Waffenruhe in der Ostukraine“, sagte der SPD-Außenpolitiker unserer Redaktion.

Das „geschäftsmäßige Gipfeltreffen“ wertete Unions-Außenexperte Jürgen Hardt als möglichen Auftakt für weitere Gespräche. „Greifbare Ergebnisse erkenne ich nicht“. Die Ankündigung beider Präsidenten, zu Atomwaffen und internationalen Konflikten weiter zu sprechen, sei ein positives Signal. „Etwas dünnhäutig“ hätten sie bei der nicht beantworteten Frage nach der Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf regiert, stellte der CDU-Politiker fest.

„Das befürchtete Desaster für Europa und die Nato ist ausgeblieben“, bilanzierte der außenpolitische Sprecher der FDP, Bijan Djir-Sarai. Allerdings bleibe fraglich, wie die künftige Zusammenarbeit zur Lösung von weltweiten Konflikten aussehen solle. „Es ist zu begrüßen, dass beide Länder den Dialog in Zukunft fortsetzen wollen“, erklärte der FDP-Politiker. Dabei bleibe wichtig, dass bilaterale Vereinbarungen nicht zu Lasten der EU und der Nato gingen.

Auch Grünen-Außenexperte Omid Nouripour unterstrich, wie gut es grundsätzlich sei, wenn die Staatschefs zweier Atommächte miteinander sprächen. „Das Problem ist, dass Trump und Putin den Eindruck erwecken, sie könnten jederzeit rücksichtslos auf Kosten Dritter Deals abschließen“, erläuterte Nouripour. Es sei auch nicht bekannt, was sie beim als „privat“ deklarierten Teil ihrer Unterredung besprochen hätten. Augenfällig sei jedenfalls, was Trump alles nicht angesprochen habe: „Wenn Trump die zivilen Opfer Assads und Russlands in Syrien nicht anspricht, dann hört er sich genauso an wie Putin“, meinte der Grünen-Politiker.

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