Doktorarbeit: Plagiatsjäger werfen Familienministerin Franziska Giffey mittelschwere Verstöße vor

Vroniplag untersuchte Doktorarbeit : Plagiatsjäger werfen Familienministerin Giffey mittelschwere Verstöße vor

Die Plagiatsjäger von VroniPlag weisen Familienministerin Giffey Zitierfehler auf jeder dritten Seite ihrer Doktorarbeit nach. Entscheidend aber wird sein, zu welchem Ergebnis die Freie Universität Berlin bei ihrer Prüfung kommt.

In der Doktorarbeit von Familienministerin Franziska (SPD) sollen sich auf jeder dritten Seite Zitierfehler finden. Zu diesem Ergebnis sind nach einem Bericht des „Spiegel“ die Experten der auf Plagiatsvorwürfe spezialisierten Internet-Plattform VroniPlag gekommen. Auf elf Seiten der Arbeit gebe es 50 bis 75 Prozent Plagiatstext, berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf VroniPlag, auf einer Seite sollen es sogar mehr als 75 Prozent. Die Verstöße gegen die Zitierregeln ordnen die Experten im Vergleich zu anderen Plagiatsfällen als „eher mittelschwer“ ein, wie der „Spiegel“ weiter berichtet.

Als die Vorwürfe gegen die Doktorarbeit auftauchten, beauftragte Giffey die Freie Universität Berlin, ihre Arbeit zu überprüfen. Die Ergebnisse der Uni liegen noch nicht vor. Bislang wollten sich Politiker anderer Parteien zu möglichen Konsequenzen für Giffey nicht äußern.

Die Lage für die Ministerin ist heikel: 2011 trat Karl Theodor zu Guttenberg wegen Plagiaten in seiner Doktorarbeit als Verteidigungsminister zurück. 2013 entzog die Uni Düsseldorf der damaligen Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan den Doktortitel, nachdem ein Gutachter ihr „Täuschung durch Plagiat“ attestiert hatte. Ihr Fall galt im Vergleich mit zu Guttenberg als weniger schwer. In der besonderen Rolle  der Bildungsministerin galt sie dennoch als unhaltbar und trat zurück.

Der Fall der Verwaltungsfachfrau Giffey, die über „Europas Weg zum Bürger“ promovierte, ist schon mehrfach mit dem von Schavan verglichen worden. Ihre Verfehlungen sollen eher in die Kategorie Schlampereien gehören. Sollte die Berliner Uni dennoch zu dem Ergebnis kommen, dass sie ihren Doktortitel nicht behalten kann, ist mit Rücktrittforderungen zu rechnen. Schützen könnte sie, dass für sie als Familienministerin ein Titelentzug weniger schwerwiegend ist als für eine Ressortschefin, die auch für die Qualität der akademischen Lehre verantwortlich ist. Für die SPD wäre ein Rücktritt Giffeys ein schwerer Verlust.

(qua)
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