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FDP vor dem Dreikönigstreffen: Döring giftet gegen Lindner

FDP vor dem Dreikönigstreffen : Döring giftet gegen Lindner

Die FDP erwartet eines der spannendsten Dreikönigstreffen ihrer Geschichte. Denn auch aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass es für die Liberalen weiter ums nackte Überleben geht. In einem Interview vor dem Treffen geht der neue General Patrick Döring in die Offensive – und tritt gegen seinen Vorgänger Christian Lindner nach.

Die FDP erwartet eines der spannendsten Dreikönigstreffen ihrer Geschichte. Denn auch aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass es für die Liberalen weiter ums nackte Überleben geht. In einem Interview vor dem Treffen geht der neue General Patrick Döring in die Offensive — und tritt gegen seinen Vorgänger Christian Lindner nach.

Die Liberalen blicken gespannt auf den 6. Januar. Denn an diesem magischen Datum, so das neue Versprechen von Parteichef Philipp Rösler, will die FDP endlich anfangen zu "liefern". Geliefert hat im Vorfeld schon ein anderer. Patrick Döring sprach in einem Interview mit dem "Stern" Klartext.

"Den großen Intellektuellen"

Seinem Vorgänger Lindner warf Döring vor, vom Amt des Generalsekretärs nur deshalb zurückgetreten zu sein, um dadurch zügig FDP-Chef werden zu können. "Er hat geglaubt, dass die Lage... so instabil ist, dass Philipp Rösler zurücktreten muss und dass die Partei ihn, den großen Intellektuellen, dann ruft", erklärt Döring.

Lindner war Mitte Dezember zwei Tage vor dem für die FDP heiklen Mitgliederentscheid zum Europäischen Rettungsschirm ESM zurückgetreten, dessen Ergebnis zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar war. Lindners Abgang "haben alle brandbeschleunigend empfunden, auch die ihm menschlich näher stehen", sagte Döring.

"Rösler ist ein Wegmoderierer"

Für Rösler sei Lindners Rücktritt hart gewesen, so Döring weiter. Die Situation hatte "psychologisch-menschlich für ihn sicher ein Maß an Härte", wie er sie "in seinem Leben noch nicht hatte". Döring deutete an, dass der interne Machtkampf in der FDP nicht spurlos an Rösler vorbei gegangen sei. "Dieses Jeder gegen Jeden ist mir auch zuwider, und ihm noch mehr." Rösler sei "ein Wegmoderierer" und "kein Kämpfer".

Döring kündigte an, er werde sein Amt anders führen als Lindner und mehr Klartext reden. "Ich bin rhetorisch so geschult, nicht die Girlanden zu winden, sondern durchzumarschieren", sagt er. "Man muss Politikern Leidenschaft und Authentizität ansehen." Schon vor einer Woche hatte Döring im Interview mit unserer Redaktion angekündigt, vieles anders machen zu wollen als Lindner.

Schwarz-Gelb ohne Mehrheit

Umfragen malen indes weiterhin ein düsteres Bild. Die schwarz-gelbe Koalition startet ohne eigene Mehrheit ins neue Jahr. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage erreicht die Union wie in der Vorwoche 35 Prozent. Die FDP bleibt mit drei Prozent weiter unter der Fünf-Prozent-Hürde.Für die Umfrage wurden vom 27. bis 30. Dezember 2003 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger befragt.

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte, er sehe die FDP "zum ersten Mal in ihrer Existenz gefährdet". In der Vergangenheit hätten ihr jedes Mal Koalitionswechsel zu schaffen gemacht, weil ein Teil ihrer Wähler die Wende verweigerte. Doch davon habe sie sich stets berappelt. Aber "dass sie so lange wie jetzt unter fünf Prozent liegt, hatten wir noch nie", erklärte der Forsa-Chef.

Erhebliche Verluste

Vor allem wegen der Schwäche der Liberalen liegen Union und FDP damit rund zehn Punkte unter ihrem Wahlergebnis von 2009, als sie zusammen 48,4 Prozent erzielten. Die SPD kommt zum Jahresauftakt auf 27 Prozent, einen Punkt weniger als in der Woche zuvor. Die Grünen erzielen erneut 14 Prozent, die Linke verharrt bei acht Prozent. Die Piratenpartei gewinnt einen Punkt und wäre mit acht Prozent im nächsten Bundestag vertreten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Patrick Döring

(ots)