Diskriminierung älterer Frauen Wechseljahre im Job und der Thomas-Kreislauf

Berlin · Sie sind Millionen und haben im Job schlechtere Chancen als Männer. Frauen ab 47 kämpfen gegen Altersdiskriminierung und das Tabuthema Wechseljahre. Eine Kampagne soll sie sichtbarer machen.

Ataman bei Vorstellung der Kampagne „Ohne mich würdet ihr alt aussehen“ in Berlin

Ataman bei Vorstellung der Kampagne „Ohne mich würdet ihr alt aussehen“ in Berlin

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Verbraucht, kompliziert, starrsinnig oder ausgelutscht - Stereotype gegenüber alten Menschen sind hierzulande weit verbreitet. Frauen haben damit noch stärker zu kämpfen als Männer, etwa in der Berufswelt. Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, sagt, dass in Deutschland rund zwölf Millionen Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren sind. „Wir sind da und wir sind bereit“, betont die 45-Jährige, weist dabei aber auf zwei Dinge hin, die Frauen dieser Altersgruppe „daran hindern, aufzudrehen im Job und privat: Und das ist einmal die Altersdiskriminierung und zum anderen sind es die Wechseljahre“.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge erleben 14 Prozent der 45- bis 54-jährigen Frauen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Das sind mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Es gibt aber auch einen positiven Trend: In den vergangenen 20 Jahren haben Frauen zwischen 55 und 64 bei der Erwerbsbeteiligung am stärksten zugelegt. Ataman legt seit ihrem Amtsantritt einen besonderen Schwerpunkt auf Altersdiskriminierung und setzt sich für einen besseren rechtlichen Schutz dagegen im Rahmen der anstehenden Reform des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) ein.

Damit gerade die Situation älterer Frauen im Job öffentlich breiter diskutiert wird, fördert die Antidiskriminierungsstelle die neue Kampagne des Online-Magazins „Palais F*luxx“ unter dem Titel: „Ohne mich würdet ihr alt aussehen“. Es geht auch um Sichtbarkeit: In Videoclips und über Social-Media werden die Kompetenzen älterer Frauen zum Thema gemacht. Dafür wurden zwölf Frauen im Alter zwischen 47 und 64 Jahren porträtiert, die in unterschiedlichen Positionen und Berufen tätig sind. Auch die Wechseljahre sollen stärker thematisiert werden, da viele Frauen wegen typischer Beschwerden, etwa Schlafmangel, sich bei der Arbeit eingeschränkt fühlen. Die Kampagnenmacherinnen setzen sich daher beispielsweise für mehr Teilzeitangebote ein.

Wirtschaftswissenschaftlerin Anja Lüthy hofft, dass durch die Kampagne „ein neues Bild von Alter in der Berufswelt von Frauen 47plus geschaffen wird“. Die Professorin der Technischen Hochschule Brandenburg weist auf den Fachkräftemangel hin. „Ich glaube, er wird noch nicht ernst genug genommen, weil er sich im Zeitlupentempo vollzieht. Aber 2035, wenn auch der letzte Babyboomer in Rente ist, werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt sieben Millionen Menschen fehlen.“ Schon heute sei fast jedes zweite Unternehmen betroffen, im Gesundheitswesen, in der Gastronomie, in der Mobilität, in der Bildung. Gleichzeitig sei die Beschäftigungsrate von Frauen ab 47 etwa zehn Prozent geringer und sie verdienten auch weniger als Männer. Lüthy weist auf den „Thomas-Kreislauf“ hin: „Männer stellen lieber Männer ein.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass in deutschen Vorständen eine Frau ist, ist geringer, als die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann im Vorstand Thomas heißt. Sie fügt hinzu: „Das Traurige ist, dass das auch bei den jüngeren Generationen, den heute 35 bis 40 jährigen Männern so ist. Aber die heißen alle Christian.“

Es gibt jedoch Hoffnung für Ältere. Der Duisburger Arbeitsmarktforscher Martin Brussig sagt unserer Redaktion, dass die Lage heute besser ist als noch vor 20 Jahren. „Die Zahl der Neueinstellungen von Älteren steigt.“ Ein Grund dafür: „Die Betriebe haben sich an ältere Beschäftigte gewöhnt, weil die Babyboomer große Teile der Belegschaften ausmachen und älter geworden sind“.

(mdu/epd)
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