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Grünen-Chefin Roth will wieder kandidieren: "Direkte Demokratie kann auch mal schiefgehen"

Grünen-Chefin Roth will wieder kandidieren : "Direkte Demokratie kann auch mal schiefgehen"

Grünen-Parteichefin Claudia Roth hat am Montagmorgen eine mit Spannung erwartete Erklärung abgegeben. Sie zeigte sich verletzt und enttäuscht von ihrem schlechten Abschneiden bei der Urwahl am Wochenende. Trotzdem kandidiert sie erneut für den Parteivorstand.

Roth hatte nach ihrem schwachen Abschneiden bei der Wahl der Grünen-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl einen Rückzug von der Parteispitze erwogen. Sie gab am Montagmorgen vor der Sitzung des Parteivorstands in Berlin bekannt, dass sie sich beim Parteitag am nächsten Samstag in Hannover erneut als Grünen-Vorsitzende bewerben wird.

Roth nannte die vielfachen Sympathiebekundungen, die sie am Wochenende von Parteikollegen erhalten hatte, einen "Candystorm". Sie wolle ihre Enttäuschung zurückstellen und sich trotzdem weiter der Ablösung von Schwarz-Gelb widmen.

Ausgedacht hat sich das Wort ihr Parteifreund Volker Beck, Bundestagsabgeordneter und aktiver Twitternutzer. "Wie nennt man das Gegenteil eines Shitstorms?", fragte er am Sonntagabend auf dem Online-Netzwerk, versehen mit dem Schlagwort "Claudia two more years", noch zwei Jahre Claudia. Kurz darauf hatte er sich festgelegt: "Ein Candystorm für Claudia" sollte es sein. Zucker für die Parteichefin.

Grünen-Politiker und Twitternutzer stiegen ein, um die Parteivorsitzende zum Weitermachen zu ermuntern. "Das Team ist nur vollständig mit Claudia", schrieb einer. "Claudia muss bleiben", forderten die Twitterer. Damit hatten sie Erfolg: Am Montagmorgen erkläre Roth, dass sie ihr Amt behalten will. Für die Internetcommunity hatte Roth ein Extra-Lob übrig: "Besonders berührt, weil ich das auch nicht kannte bisher, hat mich ein Candystorm, in dem ich direkt aufgefordert werde, zu kandidieren."

"Direkte Demokratie kann auch mal schiefgehen"

Das Verfahren der Urwahl nennt Roth weiterhin richtig und wichtig. Ihr eigenes Abschneiden kommentierte sie mit den Worten: "Direkte Demokratie kann auch mal schiefgehen". Roth sagte, der Ausgang der Wahl sei für sie "eine herbe Klatsche" und ein "bitteres Ergebnis" gewesen. "Die vergangenen Stunden waren schwere Stunden", räumte Roth ein.

Das Ergebnis habe bei ihr Zweifel und "große Zerrissenheit" ausgelöst. Sie müsse sich "natürlich die Frage stellen, ob für das Amt der Parteivorsitzenden in der Partei noch das nötige Vertrauen für mich da ist". Darüber sollten nun die Delegierten auf dem Parteitag am nächsten Wochenende entscheiden.

Jürgen Trittin zeigte sich erleichtert über den Entschluss der Parteichefin. "Ich habe mich darüber gefreut, dass sie sich zu dieser für sie sicherlich existenziell schwierigen Entscheidung durchgerungen hat", sagte Trittin im ZDF-"Morgenmagazin". Er sei "ziemlich zuversichtlich", dass sie auf dem Parteitag sehr gutes Ergebnis bekommen werde.

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"Wir wollen Claudia"

Roth sei bei der Urwahl auch nicht abgestraft worden, sondern die Partei hat sich für eine bestimmte Kombination entschieden. "Das war erstmal eine Für-Entscheidung und weniger eine Gegen-Entscheidung", machte Trittin deutlich.

Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hatte zuvor an Claudia Roth appelliert, trotz ihrer klaren Niederlage bei der Urwahl der Spitzenkandidaten weiter Parteivorsitzende der Grünen zu bleiben. "Wir wollen Claudia", sagte Künast am Montag im WDR-Hörfunk. "Sie ist nämlich eine gute Vorsitzende."

Künast hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass Roth als Parteivorsitzende weitermacht. "Ich gehe fast davon aus, dass sie sagen wird, ja sie wird am nächsten Wochenende auf dem Bundesparteitag kandidieren", sagte die Fraktionsvorsitzende.

Hier geht es zur Infostrecke: Grüne sprechen Claudia Roth Mut zu

(dpa/dapd)