Vor dem Demografiegipfel in Berlin: DIHK will "Welcome-Center" für Zuwanderer

Vor dem Demografiegipfel in Berlin : DIHK will "Welcome-Center" für Zuwanderer

Führende Wirtschaftsvertreter haben vor dem heutigen Demografiegipfel weitere Schritte der Bundesregierung angemahnt, um die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland zu erleichtern.

Die Bundesregierung veranstaltet in Berlin zum zweiten Mal den Demografiegipfel, um mit Wissenschaftlern, Sozialverbänden und Bürgern über die Herausforderungen durch die rasante Alterung und den Rückgang der Bevölkerung zu debattieren. Dem Gipfel ist ein wochenlanger Abstimmungsprozess in neun verschiedenen Arbeitsgruppen vorausgegangen.

Herausgekommen ist ein Konsenspapier mit dem Titel "Jedes Alter zählt". Darin finden sich allerdings keine konkreten Beschlüsse zur weiteren Verbesserung der Zuwanderungsbedingungen. Forderungen der Wirtschaftsverbände etwa nach einem Punktesystem, das die Zuwanderung stärker am Bedarf des Arbeitsmarktes ausrichten würde, werden von der Politik nicht erhört.

Doch der demografische Wandel ist bereits voll im Gang. Während heute die Generation der Baby-Boomer, die zwischen 45 und 50 Jahre alt ist, die zahlenstärkste Gruppe im Land stellt, wird es im Jahr 2030 die Generation zwischen 62 und 67 Jahren sein. Die Zahl der Hochbetagten im Alter von 80 Jahren und mehr wird bis dahin gegenüber heute um 50 Prozent steigen, während der Anteil der Kinder und Jugendlichen und auch der Anteil der Erwerbsfähigen um rund zwölf Prozent sinken.

Um Deutschlands Attraktivität für qualifizierte Zuwanderer zu steigern, haben sich die Arbeitsgruppen zumindest darauf geeinigt, für eine bessere "Willkommenskultur" zu sorgen. "Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollten zumindest in den größeren deutschen Städten Welcome-Center eingerichtet werden", sagte Schweitzer. "Die Center sollen für die ,Neuankömmlinge' als einzige Anlaufstelle für verwaltungsrelevante Aspekte und sonstige Informationen rund um das Leben in Deutschland fungieren", schlug er vor. "Unternehmen können ihren neuen ausländischen Mitarbeitern zum Beispiel Kollegen als Mentoren zur Seite stellen, die sowohl bei betriebsinternen, aber auch bei allgemeinen Fragen helfen."

Die Kanzlerin dämpfte im Vorfeld des Gipfels die Erwartungen. Die Planung für den demografischen Wandel werde "natürlich mit dem zweiten Demografiegipfel nicht abgeschlossen sein", sagte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. Die SPD sprach von einer reinen Alibi-Veranstaltung.

Die vom Kanzleramt zusammengestellten Handlungsempfehlungen bleiben tatsächlich vage. Zum drängenden Problem der rasch steigenden Zahl von Demenz-Kranken heißt es, man wolle eine "Nationale Demenzstrategie" ersinnen. Dem Schlagwort fehlen aber noch konkrete Vorhaben. Weiter findet sich in dem Papier viel Altbekanntes — vom Ausbau der Kinderbetreuung über familienbewusstere Arbeitszeiten bis hin zu mehr altersgerechten Jobs. Die Kanzlerin hat zudem ein Faible für Lebensarbeitszeitkonten: Arbeitnehmer sollen darauf Überstunden sammeln können, um etwa später leichter eine Auszeit für Fortbildungen nehmen zu können. Die komplizierten Lebensarbeitszeitkonten bieten bislang aber erst zwei Prozent aller Arbeitgeber an.

Die Wirtschaft setzt dagegen auf eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren. "Fast jede fünfte Frau, die derzeit in Teilzeit arbeitet, möchte ihre Arbeitszeit erhöhen. Könnten diese Wünsche erfüllt werden, ließe sich eine halbe Million zusätzlicher Vollzeitstellen schaffen", sagte Schweitzer. Auch die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer biete Potenziale: Derzeit liege die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen bei rund 60 Prozent. "Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollte aus DIHK-Sicht die Quote auf 67 Prozent steigen." Bis 2023 solle es 600 000 bis 800 000 Stellen für Ältere mehr geben als bislang.

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(mar)
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