DIHK-Umfrage: Mehrheit der Firmen sucht Fachkräfte außerhalb der EU

Einwanderung : DIHK-Umfrage: Mehrheit der deutschen Firmen sucht Fachkräfte außerhalb der EU

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat tausende Unternehmen befragt. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller Formen würde gerne Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland einstellen. Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz trifft ins Schwarze und ist überfällig. Am Mittwoch kommt es ins Kabinett.

Rund 56 Prozent und damit deutlich mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen ist grundsätzlich offen dafür, Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland einzustellen. Das geht aus einer Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, der 20.000 Unternehmensantworten zugrunde liegen. Etwa die Hälfte der Firmen kann derzeit offene Stellen nicht besetzen. Von diesen Firmen seien sogar zwei Drittel daran interessiert, Fachkräfte aus Drittstaaten anzuwerben, so der DIHK.

Die Umfrage verdeutlicht, wie dringend erwünscht das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz in der Wirtschaft ist. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Union und SPD bis zum Dienstnachmittag über letzte Details soll es nun am heutigen Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Strittig war zwischen Union und SPD bis zuletzt vor allem die so genannte Beschäftigungsduldung. Sie sieht vor, dass unqualifizierte abgelehnte Asylbewerber bleiben können, wenn sie bereits 18 Monate in Deutschland beschäftigt waren, etwa als Helfer. Unionspolitiker sahen darin die Gefahr einer neuen Sogwirkung für unqualifizierte Migranten.

Die DIHK-Umfrage bestätigt die Regierung auch inhaltlich. Die geplanten Maßnahmen gingen nach Meinung der Unternehmen grundsätzlich in die richtige Richtung. Insbesondere werde begrüßt, dass die Regierung den Schwerpunkt endlich stärker auf die Zuwanderung beruflich Qualifizierter und nicht mehr nur auf Akademiker lege, so der Verband. Auch die Schaffung einer zentralen Ausländerbehörde pro Bundesland – bisher entscheiden rund 600 Behörden dezentral über Aufenthaltstitel – findet Beifall.

Aus Sicht der Unternehmen, die außerhalb der EU nach Fachkräften suchten, sei die mit Abstand wichtigste politische Hilfestellung die Verbesserung der Sprachangebote im In- und Ausland, ergibt die Umfrage. Für 53 Prozent der Unternehmen sei dies die wichtigste Maßnahme. An zweiter Stelle stehe, die administrativen Verfahren für die Fachkräfteeinwanderung zu erleichtern. Die schnelle Erteilung von Visa im Ausland, der Aufenthaltstitel, der Arbeitsmarktzulassung und die Anerkennung von Berufsabschlüssen sei für 41 Prozent der Unternehmen sehr wichtig. Fast vier von zehn Unternehmen, insbesondere kleinere, wünschten sich eine bessere Unterstützung im gesamten Prozess von der Bewerbersuche im Ausland bis zur Einstellung. „Überdurchschnittlich oft äußern Werkzeugmaschinenbauer, Unternehmen des Ausbaugewerbes, Verkehrsdienstleister sowie Gesundheits- und Sozialdienstleister den Wunsch nach Hilfe im Einstellungsprozess“, erklärte der DIHK.

Bessere zuwanderungsrechtliche Regelungen wie etwa die Abschaffung der Vorrangprüfung stünden dagegen nur für etwa jedes vierte deutsche Unternehmen im Vordergrund. Bei den größeren sei dies allerdings für das jedes dritte Unternehmen der Fall. Besonders häufig wünschten sich Programmierer, Zeitarbeitsfirmen, das Gastgewerbe, IT-Dienstleister sowie Hersteller elektrischer Ausrüstungen eine Erleichterung der rechtlichen Voraussetzungen. Die Vorrangprüfung sieht bisher vor, dass die Bundesagentur für Arbeit zunächst prüfen muss, ob auch ein Inländer für eine Stelle infrage kommt, bevor ein Ausländer eingestellt werden konnte.

„Zur Fachkräftesicherung sind die Unternehmen zunehmend auf qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen – zusätzlich zu den Potenzialen aus dem Inland. Der aktuelle Entwurf eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes greift dies auf und will zu Recht die Zuwanderung für Menschen mit Berufsabschluss erleichtern“, sagte Achim Dercks, Vize-Hauptgeschäftsführer des DIHK.

Der frühere CDU-Generalsekretär und heutige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Tauber, begrüßte die Einigung auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. „Es gibt kaum einen Unternehmer, der nicht über den Mangel von Fachkräften klagt. Aber es fehlen auch Erzieherinnen und Erzieher, Krankenschwestern oder Pflegerinnen und Pfleger. Insgesamt geht es in den kommenden Jahren um hunderttausende Stellen, die wir besetzen müssen“, sagte Tauber. „Es ist vermessen zu glauben, dass sowieso alle zu uns kommen wollen, die wir ansprechen. Wir müssen um die Besten, Klügsten und Fleißigsten werben. Sie kommen nicht automatisch zu uns. Erst recht nicht, wenn man eher abwehrend auftritt“, sagte Tauber.

Der Fachkräftemangel wird für viele Unternehmen zunehmend zum Wachstumsproblem. Nach einer Schätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gibt es aktuell gut 1,2 Millionen offene Stellen in ganz Deutschland. Engpässe hat die BA aktuell in über 60 Berufen ermittelt, darunter fast alle Bauberufe, Klempner, Krankenschwestern, Altenpfleger, Ärzte, Ingenieure oder IT-Entwickler.

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