Digitalpakt Schule: Die Länder lassen auf sich warten

Schulen : Digitalisierung im Schneckentempo

Im vergangenen Winter gab es für die Ministerpräsidenten der Länder kein dringlicheres Thema als den Digitalpakt Schule. Jetzt werden die Gelder aber nur schleppend abgerufen.

Als Bund und Länder über den Digitalpakt Schule verhandelt haben, machten die Ministerpräsidenten mit einem zentralen Argument Druck: Sie brauchen eine schnelle Einigung, damit die Schulen endlich mit W-Land, Tablets und anderem ausgestattet werden können. Nicht weniger als die Zukunft der Kinder wurde in der Argumentation immer wieder bemüht.

Und jetzt? Viel zu viele Bundesländer haben es mit der Umsetzung des Digitalpakts leider nicht besonders eilig. Das Schuljahr 2019/2020 wird beginnen und die Mehrheit der Schüler wird noch nicht von der Digitalisierungsoffensive der Bundesregierung profitieren können. Das ist schwach.

Der Digitalpakt Schule steht im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Es war auch allen klar, dass er ein prioritäres Projekt ist. Vorausschauend agierende Schulminister hätten sich natürlich ein paar Pläne in die Schublade legen können, mit denen sie die Digitalisierung ihrer Schulen vorantreiben, sobald der Bund grünes Licht gegeben hat. Stattdessen wird beklagt, dass das Geld vom Bund nicht ausreicht. Dann bitte, verteilt dieses doch erst einmal effizient und kreativ. Es ist eben nicht immer nur eine Frage der Geldsummen, ob Modernisierung gelingt. Es ist auch eine Frage smarter Organisation.

Es gibt so viel zu tun: Die Sommerferien hätte man nutzen können, um W-Lan in den Schulgebäuden zu installieren und um Lehrer fortzubilden. Die Diskrepanz zwischen Schülern und Lehrern bei den Fähigkeiten, Smartphones und Tablets zu nutzen, ist oft genug groß. Dennoch brauchen die Schüler Anleitung, wie sie wiederum im Netz nach seriösen Informationen suchen und wie sie Lernsoftware oder Powerpoint-Präsentationen sinnvoll anwenden. Dafür aber müssen das auch die Lehrer können.

(qua)
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