Zehn Fragen - zehn Antworten: Die Wahrheit über die Windenergie

Zehn Fragen - zehn Antworten : Die Wahrheit über die Windenergie

Berlin/Düsseldorf (RP). Der Atomausstieg ist beschlossen. Die Windenergie soll einen Großteil der Kernkraft ersetzen, ohne dass die Umweltbelastung steigt. Aber es gibt Grenzen: Der Wind weht nicht immer, die Optik stört, und auch Windparks auf See halten nicht, was sie bislang versprechen.

Der Atomausstieg in Deutschland im Jahr 2020 gilt als beschlossene Sache. Das betonte die Bundesregierung zuletzt noch einmal ausdrücklich. Bleibt es dabei, müssen bis dahin 22 Prozent der Stromversorgung aus anderen Quellen gedeckt werden - vor allem aus Windkraft.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den großen deutschen Hoffnungsträger in Sachen Energie:

Wie viele Windräder stehen in Deutschland? Ende 2007 waren es 19460, im laufenden Jahr wird die 20000er-Marke überschritten. Die "Verspargelung der Landschaft" und die Lautstärke der Windräder in direkter Nachbarschaft führen immer wieder zu Protesten.

Wie groß ist der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung? Die Windkraft erzeugte 2007 eine Leistung von fast 40 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Das entspricht einem Anteil von sieben Prozent und reicht für 16 Millionen Durchschnittshaushalte. Weil der Wind aber nicht immer gleichmäßig weht, kommen Wirtschaft und Bürger weiterhin nicht ohne Grundlast aus Großkraftwerken aus.

Wie groß ist der Anteil bis 2020? Bis dahin sollen es 150 Milliarden kWh oder 25 Prozent des Stroms sein.

Wo in Deutschland wird der Windstrom produziert? Führend ist Niedersachsen. Hier wird 26 Prozent des Windstroms erzeugt. Es folgen Brandenburg (15), Sachsen-Anhalt (13), Schleswig-Holstein und NRW (je 11 Prozent). Schlusslichter sind Bayern und Baden-Württemberg.

Wie teuer ist Windenergie? Endkunden bezahlen derzeit rund 22 Cent je kWh. Etwa 1,5 Cent davon entfallen auf Windstrom, bei 2500 kWh Jahresverbrauch also 37,50 Euro im Jahr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: "Erneuerbare Energien tragen dazu bei, die Versorgungssicherheit zu stärken und für preisgünstige Energie zu sorgen. Denn wenn Öl immer teurer wird, werden die erneuerbaren Energien relativ gesehen preiswerter."

Welche Zukunft hat die Offshore-Windenergie? Windräder auf hoher See werden auch 2020 höchstens fünf Prozent des gesamten Stroms bereitstellen. Grund sind Probleme mit dem Anschluss ans Stromnetz und der Konkurrenz durch Großkraftwerke. Ralf Bischof, Geschäftsführer des Windenergieverbands BWE: "Es geht darum, die Technologieführerschaft bei der Windenergie im Binnenland auf den Offshorebereich auszudehnen."

Wo gibt es schon heute Windparks auf See? In Deutschland sind fünf solcher Offshore-Parks geplant: vor Borkum, vor Amrum, vor Rügen sowie je ein weiterer in Nord- und Ostsee. Als erstes soll 2009 der Park "Alpha Ventus", der 40 Kilometer vor der Küste von Borkum liegt und unter anderem von Eon gebaut wird, in Betrieb gehen. Hier liefern zwölf Masten eine Leistung von 60 Megawatt. Zum Vergleich: Moderne Kohlekraftwerke kommen auf 1100 Megawatt. Jedoch will die Industrie hier vor allem lernen.

Wo liegen die technischen Grenzen? Die Energie-Gewinnung weit vor der Küste fordert die Techniker heraus. Die Masten bei "Alpha Ventus" sind 150 Meter hoch, die Rotoren haben einen Durchmesser von 126 Metern. Zum Vergleich: Der Super-Airbus A 380 hat eine Spannweite von 80 Metern. Entsprechend groß sind die Angriffsflächen für Wellen und Wind. Der Strom wird mit Unterseekabeln an Land gebracht. Ein Problem ist die Wartung der Anlagen, die bei schlechtem Wetter von Monteuren kaum zu erreichen sind.

Wie viel Windparks kann es insgesamt geben? Der zuständige Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) plant 30 Parks. Das hält die Energiebranche für illusorisch. Wegen der Naturschutz-Auflagen sei es schon schwer gewesen, die fünf Standorte zu finden. Eon hat derzeit eine Windkraft-Kapazität von 100 Megawatt. In einigen Jahren sollen es 3000 Megawatt sein.

Setzt NRW auf Windkraft? CDU und FDP sehen den Ausbau skeptisch. Zwar sollen alte Anlagen durch leistungsfähigere Windräder ausgetauscht werden ("Repowering"), doch Norbert Römer, energiepolitischer Sprecher der SPD im Düsseldorfer Landtag, spricht von einer "Blockadehaltung" der Landesregierung. NRW-Bauminister Oliver Wittke (CDU) kündigte bereits an, das Land werde sich "keinesfalls" an den Baukosten für Leitungen zwischen Offshore-Anlagen und NRW beteiligen.

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