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Nach dem Aus von Schwarz-Grün: Die SPD wittert in Hamburg ihre Chance

Nach dem Aus von Schwarz-Grün : Die SPD wittert in Hamburg ihre Chance

Hamburg (RPO). Lange Zeit war es still um die Sozialdemokraten. Die neue Kraft im Land, welche nun auch die CDU als ihren großen Konkurrenten ansieht, sind die Grünen. Doch das Zerwürfnis von Schwarz-Grün in Hamburg lässt der SPD wieder Flügel wachsen. Sie setzt auf Sieg.

Grüne Umfragehöhenflüge in Baden-Württemberg und in Berlin - selbst im Bund liefen sie der SPD teilweise den Rang ab. Das nagt an der sozialdemokratischen Seele. Und so wurde schnell Unmut am Kurs von Parteichef Sigmar Gabriel laut. Denn gerade einmal bei 23 Prozent steht die Partei in den Umfragen, also genauso wie bei der Bundestagswahl 2009.

Dabei war die zunehmende Beliebtheit der Grünen auch den Sozialdemokraten anfangs willkommen. Denn schnell wurde gejubelt, bald könne es wieder eine rot-grüne Regierung geben. Doch inzwischen scheint der Jubel versiegt, zu sehr haben sich die Grünen in den politischen Vordergrund gespielt und die SPD damit quasi verdrängt.

In Hamburg nun soll alles anders werden. Denn ausgerechnet die Grünen sind es, die dort das Ende einer Koalition besiegelten. Und die Hansestadt war einst eine Hochburg der SPD. Und so geben sich die Berliner Spitzen von Gabriel bis Generalsekretärin Andrea Nahles optimistisch, dass ihre Partei bei den Neuwahlen 40 Prozent der Stimmen oder gar mehr erreicht.

Olaf Scholz soll's richten

Führen soll die Sozialdemokraten der frühere Bundesarbeitsminister Olaf Scholz. Er kennt sich aus in Hamburg, war dort lange politisch aktiv, bevor er dem Ruf nach Berlin folgte. Schon jetzt verkündet er frohen Mutes, was er alles ändern will, wenn er gewählt wird.

Eine völlig neue Finanzpolitik und eine schnelle Durchsetzung der Elbvertiefung - so sieht sein Plan aus. Dabei ist er noch nicht mal offiziell von einem Parteitag nominiert worden. Doch ein Hindernis dürfte das nicht sein. Schon der Landesvorstand schlug ihn als Spitzenkandidaten vor, am Abend will es ihr die Hamburger Fraktion gleichtun.

Die Sozialdemokraten sind also bereits eifrig im Wahlkampf angekommen, während sich CDU und Grüne noch die Wunden lecken und sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben für das Aus der Koalition. Doch das Agieren der SPD verwundert nicht wirklich. Denn dass es in der Hamburger Koalition schon lange kriselt, war bereits seit dem Rücktritt des Bürgermeisters Ole von Beust klar.

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Genug Zeit der Vorbereitung

So hatte die SPD genügend Zeit in der Opposition, sich auf den Fall der Fälle vorzubereiten. Und Hamburg dürfte für die Partei wichtiger sein als jedes andere Bundesland. Hier haben sie noch eine Chance, ihr Potenzial als Volkspartei zu zeigen und sich nicht von den Grünen zu überrennen lassen.

Kein Wunder also, dass sich die Parteispitzen optimistisch wie selten geben. Sie wollen ihre Chance nutzen, die Chance, aus dem ewigen Stimmungstief nach Hartz IV und Großer Koalition herauszukommen.

Sollte es den Sozialdemokraten tatsächlich gelingen, sich bei den Wahlen in Hamburg durchzusetzen, dürfte das der Partei enormen innerlichen Auftrieb geben - und ihr vielleicht auch helfen, aus der Schockstarre der vergangenen Wahlergebnisse herauszufinden.

Hier geht es zur Infostrecke: Stationen der schwarz-grünen Koalition in Hamburg